Mars und die Musen. Katholische Zuwanderung nach Potsdam.

Im Rahmen unseres Jahresthemas „Internationale Impulse für die Entwicklung Potsdams“ hielt der Historiker und Kunsthistoriker Dr. Thomas Fischbacher am 19. Juni einen Vortrag zum Thema „Mars und die Musen. Katholische Zuwanderung und die Entstehung der Kirche St. Peter und Paul in Potsdam“.

Erstmals wurde Potsdam 993 in einer Urkunde Kaiser Ottos III. erwähnt. Die Eroberung des von Hevellern bewohnten Gebiets zog sich dann über zwei Jahrhunderte hin. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand eine deutsche Siedlung in Potsdam. Dies war die erste Zuwanderung, mit der die mehr als 800 Jahre Geschichte katholischen Lebens begann.
Die Reformation unterbrach diese Entwicklung: Kurfürst Joachim II., der zur lutherischen Lehre übergetreten war, löste 1540 die katholische Kirche in Brandenburg mit seiner Kirchenordnung auf. Allerdings musste dann Kurfürst Friedrich Wilhelm als eine Folge des Westfälischen Friedens 1648 unter anderem den Katholiken im Bistum Halberstadt, das zu seinem Herrschaftsbereich gehörte, die Ausübung der katholischen Religion erlauben. Auch die Gesandten des Kaisers und Frankreichs durften in Berlin katholische Messen halten. Im Jahr 1711 waren in Berlin rund 600 und in der Umgebung etwa 200 Katholiken ansässig, vermutlich zugewanderte Handwerker und Händler.

Anwerbung ausländischer Soldaten

1713 verlegte König Friedrich Wilhelm I. rund 500 Soldaten nach Potsdam und steigerte die Zahl bis zum Jahr 1740 auf rund 4.000 an. Sie wurden aus aller Herren Länder angeworben: Russland, Polen, Kur- und Livland, Litauen, Dänemark, Schwedisch-Pommern, Norwegen, England, Irland, Frankreich, Burgund, Elsass, Lothringen, Italien, Savoyen, Venedig, Spanien, den Generalstaaten (Niederlande) und aus den Schweizer Kantonen, aus Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Albanien, Walachei und aus dem Osmanischen Reich. Als Ausland galt aber beispielsweise auch das etwa 50 km beginnende Sachsen.
Im Königsregiment stammte jeder Fünfte aus dem Ausland, daher war rund ein Drittel der Soldaten katholisch. Zur Seelsorge kamen die Patres der kaiserlichen und französischen Gesandtschaft; 1722 verpflichtete der König für die Soldaten dann einen eigenen Priester aus dem Dominikanerkloster Halberstadt. Dies gilt als das offizielle Datum für die Wiederzulassung der katholischen Religion in Brandenburg.

Gründung der Gewehrfabrik

Im selben Jahr wurde auf dem Gelände zwischen der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße und der Hoffbauerstraße eine Gewehrfabrik angesiedelt. Dazu wurde katholischen Facharbeitern aus Lüttich – damals die Waffenschmiede Europas– auch die freie Religionsausübung gestattet. 1723 ließ der König auf dem Gelände der Gewehrfabrik eine Fachwerkkirche mit ca. 170 qm errichten. Die Gottesdienste fanden sonntags jeweils zweimal statt: auf Französisch für rund 240 Waffenhandwerker und auf Deutsch für die bis zu 400 katholischen Soldaten.

Auftragskunst für die Kirche

Für die äußerlich schlichte Kirche bestellte der König in Prag bei böhmischen Künstlern wertvolle liturgische Geräte aus Silber: Erhalten sind eine Monstranz, ein Rauchfass mit Schiffchen und eine große Ewiglichtampel, die über dem heutigen Hauptaltar von St. Peter und Paul zu bewundern ist.
Vermutlich anlässlich des Besuchs des katholischen Augusts des Starken gab Friedrich Wilhelm bei seinem in Paris geborenen Hofmaler Antoine Pesne das ebenfalls erhaltene Gemälde „Christus am Ölberg“ in Auftrag. Das 1728 geschaffene Werk war in der Fachwerkkirche der Gewehrfabrik der Hauptaltar; in der heutigen Kirche ist es als rechter Seitenaltar aufgestellt. Das Bildmotiv hatte auch einen weltlichen Hintergrund: Die Disziplin, mit der sich Christus dem göttlichen Willen fügt, sollte den Soldaten als Vorbild für militärischen Gehorsam dienen. Schon 1731 wurde die Kirche auf die doppelte Größe erweitert und erhielt 1732 weitere Stiftungen, darunter auch liturgische Gewänder.

Neubau der Kirche

Aufgrund der wachsenden Gemeinde und baulicher Mängel wurde 1737 im Auftrag des Königs ein Neubau begonnen. Die neue Kirche, auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet, war rund 800 qm groß und wurde 1738 zu Ehren Gottes, der Gottesmutter Maria sowie der Apostel Peter und Paul geweiht. Der König beauftragte abermals seinen französischen Hofmaler Antoine Pesne, der 1739 zwei Gemälde als Seitenaltäre malte: Eines zeigt Maria mit dem Jesuskind und dem heiligen Dominikus bei der sogenannten Rosenkranzspende, das andere den Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias. Sie befinden sich heute links und rechts vom Hauptaltar.
Aus der Zeit König Friedrichs II. stammt die erhaltene Figur der heiligen Maria Magdalena unter dem Kruzifix. Das nahezu lebensgroße, farbig gefasste Lindenholzensemble war wahrscheinlich eine Stiftung von Johann Peter Benckert, der das Werk inschriftlich 1763 geschnitzt hat. Der aus dem Hochstift Würzburg stammende Benckert hat in Berlin und Potsdam viele Werke für den Hof ausgeführt.

Kirche auf dem Bassinplatz

Im Jahr 1856 erhielt der Architekt August Stüler den Auftrag, Entwürfe für eine neue katholische Kirche zu erstellen und gemeinsam mit Peter Joseph Lenné geeignete Standorte zu prüfen. Lenné, gebürtig aus Bonn, seit 1816 in Potsdam tätig und seit 1824 königlich preußischer Gartendirektor, setzte sich als rheinischer Katholik für den Standort des zugeschütteten Bassins am östlichen Ende der Brandenburger Straße ein.
Nach Stülers Tod im Jahr 1865 übernahm Wilhelm Salzenberg die weitere Ausführung. Der 1866 verstorbene Lenné hatte der katholischen Kirche testamentarisch 1.000 Taler hinterlassen, wovon 1870 die byzantisierende Ausmalung durch den aus Niederschlesien stammenden Paul Stankiewicz realisiert wurde. Die Kirche entstand im romantisierenden Rundbogenstil. Weitere Informationen im PotsdamWiki Beitrag.

Beim schweren Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945 wurde die Kirche nur wenig beschädigt. Im selben Jahr endete das seit 1722 bestehende Staatspatronat, das auf Friedrich Wilhelm I. zurückging. Es verpflichtete den König beziehungsweise den preußischen Staat zur Finanzierung des Baus, zum Unterhalt der Kirche sowie zur Besetzung der Pfarrstellen. Die Allianz von Mars – das heißt, dem Militär und allem, was daran hing – und den ihm nachfolgenden Musen – der Kunst und den Künstlern – war damit beendet.

Die Gemeinde heute

Seitdem liegt die Verantwortung vollständig bei der Gemeinde. Nach dem Krieg war die Zahl der Katholiken durch Vertriebene und Zuzüge aus Vorpommern und Mecklenburg zuerst angestiegen, bis zur Friedlichen Revolution 1989 aber wieder gefallen. Nach der Wiedervereinigung vermehrten vor allem katholische Zuzüge aus dem Süden und Westen der alten Bundesländer und Fusionen mit Nachbargemeinden die Mitgliederzahl. 2013 stammten rund 12 Prozent der Gemeindemitglieder aus dem Ausland; die größte Nation war dabei mit Abstand Polen, dann folgten Italien, Österreich, Spanien, Niederlande und Frankreich. 2016 umfasste die Gemeinde ungefähr 7.200 Mitglieder. 2018 besuchten rund 50 Katholiken aus Afrika den Hauptgottesdienst am Sonntagvormittag in St. Peter und Paul.
Der globale Charakter der momentan 1,4 Milliarden zählenden Katholiken mit fast gleichen Riten und Glaubensinhalten erleichtert die Integration: Katholiken sind überall auf der Welt zuhause. In der zum Pfarrverband gehörenden Gemeinde St. Antonius in Babelsberg wird ein Gottesdienst am Sonntag auf Polnisch angeboten, in St. Peter und Paul alle 14 Tage auf Englisch, außerdem findet dort wöchentlich eine ukrainisch-griechisch-katholische Messe statt.
Die katholische Kirche in Potsdam ist von Beginn an ganz wesentlich eine Geschichte der Zuwanderung. Zeiten des Niedergangs und der Unterdrückung wurden durch Zuzüge und Zusammenlegungen wieder wettgemacht. Die sonntäglichen Messen führen eindrücklich vor Augen, wie voll, lebendig und bunt die Kirche heute ist. Durch die Zuwanderung aus aller Welt wird sie es auch in Zukunft sein.

Dr. phil. Thomas Fischbacher übt seit 2019 eine freiberufliche Tätigkeit als Historiker und Kunsthistoriker aus. Sein Schwerpunkt: Bauhistorische und stadtentwicklungshistorische Gutachten für Architekten, Bauherren, Projektentwickler oder Wohnungsbauunternehmen, Konzeption und Realisation von Publikationen und Ausstellungen. Weitere Informationen sind auf seiner Webseite zu finden.

 

Fest der Kulturerben 2026 – gelungene Premiere am Brandenburger Tor

Eine Premiere, die überzeugte: Am 7. Juni 2026 erlebten Potsdamer und ihre Gäste ein begeisterndes „Fest der Kulturerben“ – erstmals in der Brandenburger Straße am Brandenburger Tor. Der neue Standort erwies sich als Gewinn: Die Veranstaltung rückte näher zusammen und erreichte zusätzlich auch zahlreiche interessierte Passanten.

An 20 Ständen informierten die Kulturerben über ihre Denkmalprojekte in Potsdam. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel eröffnete das Fest und begrüßte die anwesenden Vereine persönlich.

Zum Netzwerk der Kulturerben zählen über 40 Vereine, die sich für Bau-, Technik- und Gartendenkmale einsetzen. Sie bewahren diese vor dem Verfall, pflegen sie dauerhaft und machen sie der Öffentlichkeit zugänglich. Rund 2.400 Mitglieder engagieren sich in diesem Verbund – ein außergewöhnliches Maß an bürgerschaftlichem Einsatz für den Denkmalschutz in einer Stadt.

Seit 2018 arbeiten die Vereine in einem Netzwerk, dem weitere über 30 Organisationen und Vereine, die der Idee nahe stehen, zusammen. Eine Projektgruppe aus Mitgliedern des Kulturstadt Potsdam e.V. koordiniert die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Unsere Mitglieder im Einsatz. Dankeschön!

Auch unser Verein war wie in den Vorjahren mit einem Stand vertreten. Mitglieder betreuten ihn im Wechsel, beantworteten Fragen und stellten eigene Projekte vor, darunter das PotsdamWiki. Dort verfügen die Denkmale über eine eigene Rubrik und sind inzwischen mit Geodaten sowie der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg verknüpft.

Ergänzend präsentieren wir ein digitales Angebot, das sämtliche Denkmale Potsdams in einem interaktiven Stadtplan verortet und mit Informationen aus der Denkmaldatenbank kombiniert. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Gebäude in der unmittelbaren Umgebung unter Denkmalschutz stehen – und aus welchen Gründen. Das Angebot wurde von Sören Horn ehrenamtlich entwickelt und befindet sich weiterhin im Aufbau. Hinweise und Anregungen zur Verbesserung sind willkommen.

Weitere Informationen und Impressionen auf der Kulturerben-Webseite.

 

Jüdische Entrepreneurs und Unternehmer des 18. bis 20. Jahrhunderts

Welche gelebten Leben verbergen sich hinter den knappen Inschriften auf Grabsteinen? Dieser Frage widmet sich Dr. Anke Geißler-Grünberg, Leiterin des Projekts „Jüdische Friedhöfe in Brandenburg“ am Lehrstuhl für Deutsch-Jüdische Geschichte der Universität Potsdam. Hinter den oft wenigen überlieferten Angaben – Namen sowie Geburts- und Sterbedaten – eröffnet sich bei näherem Hinsehen ein ganzer Kosmos aus Welt-, Regional- und Lokalgeschichte, geprägt von individuellen Lebenswegen, unternehmerischem Mut, aber auch von Brüchen und tragischen Erfahrungen.

Beim Juni-Vereinstreff im „Alten Stadtwächter“ stellte Geißler-Grünberg in ihrem Vortrag „Jüdische Entrepreneurs und Unternehmer in Potsdam“ ausgewählte Persönlichkeiten des 18. bis 20. Jahrhunderts vor.

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Potsdam lassen sich auf etwa 1740 datieren, als zehn jüdische Männer in der Residenz- und Garnisonstadt lebten. Jüdisches Leben ist jedoch bereits seit 1691 mit der Erwähnung eines jüdischen Kaufmanns belegt. Grundlage hierfür war das Aufnahmeedikt des Großen Kurfürsten vom 20. Mai 1671, das 50 aus Wien vertriebenen jüdischen Familien die Ansiedlung in der Mark Brandenburg und die Ausübung von Handel ermöglichte. Mit dem General-Juden-Reglement König Friedrich Wilhelms I. durften jüdische Unternehmer ab 1730 auch in Potsdam Manufakturen gründen, insbesondere im Textilgewerbe. Ziel war es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu nutzen, zugleich aber die Zahl der jüdischen Einwohner zu begrenzen. Dennoch wuchs die Gemeinde durch Zuzug von Händlern und Angestellten kontinuierlich.

Der Unternehmer Isaac Levin Joel

Grabmal für Isaak Levin Joel auf dem Jüdischen Friedhof Potsdam

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Potsdamer jüdischen Geschichte ist Isaac Levin Joel. Er gehörte zu den frühesten nachweisbaren jüdischen Einwohnern der Stadt und trug wesentlich zu ihrem wirtschaftlichen Aufstieg bei. Joel wurde vermutlich 1712 in Halberstadt geboren und erhielt 1734 als Schutzjude eine Konzession, die Voraussetzung für unternehmerische Tätigkeit in Brandenburg-Preußen war.

Seit den 1740er Jahren engagierte er sich wirtschaftlich in Potsdam. 1746 gründete er eine Ausnäh- und Broderiemanufaktur zur Veredelung kostbarer Stoffe. Die Arbeitskräfte rekrutierte er unter anderem aus dem königlichen Militärwaisenhaus – damals keineswegs ungewöhnlich, auch wenn es sich überwiegend um Kinder handelte.

Joel erwies sich nicht nur als erfolgreicher, sondern auch als vielseitiger Unternehmer. In den 1750er Jahren wandte er sich der Herstellung von Wachstapeten zu, einem damals äußerst gefragten Produkt. König Friedrich II. überließ ihm 1758 das Jagdschloss Glienicke als Produktionsstätte. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen des Siebenjährigen Krieges und erheblicher Konkurrenz entwickelte sich die Manufaktur zu einer der erfolgreichsten in Preußen. Joels Produkte fanden weite Verbreitung und schmückten zahlreiche Adelssitze sowie königliche Palais.

PotsdamWiki: Geschichte gemeinsam sichtbar machen

Neben Isaac Levin Joel stellte Geißler-Grünberg auch die Familien Friedeberger und Zielenziger vor. Deren Geschichte sowie weitere jüdische Persönlichkeiten sollen im PotsdamWiki sichtbar gemacht werden – die Artikel erscheinen in der Kategorie „Personen der Geschichte“. Wer macht mit? Jede neue Seite trägt dazu bei, vergessene Lebensgeschichten wieder sichtbar zu machen.

Weiterführende Informationen: Juden in PotsdamSynagogenzentrum Potsdam

 

Rund 50 Mitglieder freuten sich über die Rückkehr in unser langjähriges Stammlokal, den Alten Stadtwächter.

Ensemblewettbewerb 2026 der Städtischen Musikschule Potsdam

Musikalischer Nachwuchs begeistert am Campus Stern

Am Sonnabend, dem 9. Mai 2026, traten Kinder und Jugendliche der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ zum Ensemblewettbewerb am Campus Stern in der Galileistraße an. Insgesamt zehn Ensembles – vom Trio bis zum Quintett – stellten sich der Jury und präsentierten ihr Können.

Vielfältiges Programm auf hohem Niveau

Die Teilnehmenden im Alter von 7 bis 15 Jahren boten ein abwechslungsreiches Programm: Neben Popmusik-Beiträgen verschiedener Bands waren auch klassische Ensembles mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten zu hören. Gefordert waren Stücke unterschiedlichen Charakters, die jedoch nicht zwingend aus verschiedenen Epochen oder Stilrichtungen stammen mussten.
Auch die Auswahl der Musikstücke fand großen Anklang beim Publikum: Sie wirkte individuell auf die Ensembles zugeschnitten und unterstrich deren jeweilige Stärken.

Mitglied Birgit Fleischmann in der Jury.

Bewertung und Auszeichnungen

Eine fachkundige Jury, unterstützt durch eine Vertreterin des Vereins KULTURSTADT POTSDAM e. V., bewertete die Darbietungen nach einem festgelegten Punktesystem. Kriterien waren die musikalische Qualität, das Zusammenspiel innerhalb der Ensembles sowie der Gesamteindruck. Insgesamt wurden neun erste Preise und zwei zweite Preise durch die Jury vergeben sowie zusätzlich drei Sonderpreise.

Engagement des Vereins

Die Preisgelder wurden vom Kulturstadt Potsdam e. V. gestiftet. Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche Vereinsmitglieder vor Ort: Sie sorgten mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee für das leibliche Wohl, unterstützten als Saaldienst den reibungslosen Ablauf und dokumentierten den Wettbewerb fotografisch. So wurde der Wettbewerb auch zu einem lebendigen Gemeinschaftserlebnis im Vereinsleben.

Festliches Abschlusskonzert

Den Höhepunkt des Tages bildete das Abschlusskonzert mit Preisverleihung am Abend des 9. Mai 2026 im Friedenssaal des Großen Waisenhauses Potsdam.
Die Vereinsvorsitzende Fides Mahrla würdigte in ihrem Grußwort das Engagement und die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker. Sie hob hervor, dass das Zusammenspiel im Ensemble – geprägt von Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Freude – besonders beeindruckend gewesen sei. Gerade im Vergleich zu früheren Solistenwettbewerben wurde das gemeinsame Musizieren als großer Gewinn erlebt.

Preisträger im Ensemblewettbewerb der Musikschule Potsdam

Ein Tag voller Musik und Begegnungen

Der Ensemblewettbewerb 2026 war ein rundum gelungener Tag – geprägt von musikalischer Vielfalt, lebendiger Gemeinschaft und der spürbaren Begeisterung junger Talente. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen besonderen Tag voller Musik, Begegnungen und künstlerischer Energie.

 

 

 

 

 

Auf den Spuren von Franz Benda

Beim Mai-Vereinstreff stellte Dr. Klaus Harer, Referent für Musik und Osteuropa beim Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam, eine außergewöhnliche Persönlichkeit vor: „Franz Benda – Flüchtling aus Böhmen und Violinvirtuose am Hof König Friedrichs II.“

Wer war Franz Benda?

Franz Benda ist heute noch im Potsdamer Stadtbild präsent: Seit 1992 trägt die frühere Friedrich-Kirch-Straße seinen Namen. Zudem erinnert seit 2022 eine Gedenktafel in der Karl-Liebknecht-Straße 15 an sein Leben und Wirken.
Geboren wurde Franz Benda als ältester Sohn von Johann Georg Benda und dessen Ehefrau Dorothea in Alt-Benatek (Benátky), etwa 40 Kilometer nordöstlich von Prag. Sein Vater war Leineweber und zugleich als Tanzmusiker tätig, während seine Mutter aus der bekannten Musikerfamilie Brixi stammte.
Bereits im Alter von neun Jahren begann Benda seine musikalische Laufbahn als Chorknabe am Benediktinerkloster der Nikolaikirche in Prag und besuchte die Jesuitenschule. Seine Ausbildung und Karriere führten ihn zunächst als Sänger an die Dresdner Hofkirche und zurück nach Prag. Später entwickelte er sich zum Violinisten.

Weg an den preußischen Hof

Entgegen der oft erzählten Vorstellung kam Benda nicht unmittelbar als Flüchtling aus Böhmen nach Preußen. Sein Weg führte ihn vielmehr quer durch Mitteleuropa: von Prag über Dresden, Wien, Hermannstadt und Breslau bis nach Warschau, Neuruppin und Rheinsberg.
Durch die Vermittlung von Johann Joachim Quantz erhielt er die Gelegenheit, dem preußischen Kronprinzen Friedrich vorzuspielen. Dieser engagierte ihn daraufhin sofort für seine Hofkapelle in Rheinsberg.
Benda blieb zeitlebens in der Gunst seines Dienstherrn, des späteren Königs Friedrich II. Auf dessen Veranlassung zog auch Bendas Familie nach Potsdam. Zwei seiner Brüder – Joseph und Johann – wurden ebenfalls Mitglieder der königlichen Kapelle. Sein Bruder Georg machte sich später als Hofkapellmeister in Gotha einen Namen, insbesondere durch seine Melodramen. Der Vater Johann Georg und Bruder Viktor betrieben in Nowawes eine Leineweberei.
> Weitere Lebensdaten werden demnächst auch im PotsdamWiki-Beitrag zu Franz Benda ergänzt und veröffentlicht.

Franz Benda“, Portraitstich 1756  

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

Über Bendas bewegtes Leben sind wir gut informiert, da er seine Lebensgeschichte selbst niederschrieb (datiert auf 1763). Diese Autobiografie wurde erstmals 1856 in der „Neuen Berliner Musikzeitung“ veröffentlicht und erschien 1967 erneut in der bis heute maßgeblichen Biografie von Franz Lorenz: „Franz Benda und seine Nachkommen“.
Das Originalmanuskript ist erhalten geblieben: Ein Nachfahre, Hans von Benda, übergab es dem Staatlichen Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Inzwischen ist es auch online einsehbar.
Bereits zu Bendas Lebzeiten fanden Teile seiner Selbstbiografie Verbreitung. Der Musikschriftsteller Johann Adam Hiller nutzte sie für seine 1766 erschienene ausführliche Lebensbeschreibung in den „Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend“.

Wirkung und Nachleben

Mit Franz Benda begann die erfolgreiche Musikertradition der Familie Benda in Berlin und Preußen, die über mehrere Generationen hinweg fortbestand.
Im 19. Jahrhundert waren Angehörige der Familie Benda in verschiedenen Berufen tätig; ein Familienzweig wurde später geadelt.

Deutsches Kulturforum östliches Europa in Potsdam

Dr. Klaus Harer studierte Slawistik und Musikwissenschaft in Marburg und war nach seiner Promotion bis zum Jahr 2000 in der Lehre tätig. Seit der Gründung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Jahr 2000 arbeitet er dort als Referent für Musik und Osteuropa.
Gern nehmen wir die Einladung an, dass sich interessierte Mitglieder bei einer gesonderten Veranstaltung über die Arbeit vor Ort in der Berliner Straße informieren können.

> Veranstaltungstermine, Podcasts sowie Publikationen des hauseigenen Verlags sind auf der Website des Kulturforums zu finden.

 

Besuch im Skulpturendepot der SPSG

Am 15. April 2026 erhielten die Mitglieder unseres Vereins in Begleitung von Dr. Silke Kiesant die seltene Gelegenheit, das nicht öffentlich zugängliche Zentrale Skulpturendepot (ZES) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) in der Friedrich-Engels-Straße zu besichtigen. Der vom Berliner Büro Staab Architekten entworfene Bau wurde 2024 fertiggestellt und übergeben.

Dr. Kiesant, Kustodin der Skulpturen- und Uhrensammlung, erläuterte, dass das Skulpturendepot eine wichtige Ergänzung zum bereits bestehenden Zentralen Kunstgutdepot der SPSG darstellt. Der zweieinhalbgeschossige Zweckbau bietet auf rund 4.000 Quadratmetern Platz für mehr als 5.100 Skulpturen sowie etwa 6.000 Objekte der keramischen Sammlung. Die Skulpturen werden seit 2024 aus insgesamt acht Depotstandorten schrittweise zusammengeführt; der Abschluss dieses Prozesses wird in zwei bis drei Jahren erwartet.

Die Bandbreite der Objekte ist beeindruckend: Sie reicht von überlebensgroßen Skulpturen bis hin zu kleinformatigen Fragmenten aus unterschiedlichsten Materialien wie Marmor, Sandstein, Kunststein, Porzellan, Terrakotta, Eisenguss, Bronze oder Zinkguss.

Wertvolle Originale lagern im Depot

Skulpturen, die aufgrund fortgeschrittener Verwitterung gefährdet sind, werden im Depot gesichert und geschützt. Um die ursprüngliche Aussage der Parkanlagen zu bewahren, werden an den historischen Standorten handwerklich gefertigte Kopien aufgestellt. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Wiederherstellung des Figurenensembles an der Großen Fontäne im Park Sanssouci, bei der zwölf französische Meisterwerke des 18. Jahrhunderts originalgetreu reproduziert wurden.

Im Depot werden zudem Skulpturen aufbewahrt, deren ursprüngliche Standorte nicht mehr existieren, ebenso wie Kopien, Abgüsse und Gussformen. Unter konservatorisch optimalen Bedingungen werden die Kunstwerke gereinigt, eingelagert und für Ausstellungen oder wissenschaftliche Untersuchungen bereitgestellt. Moderne Lagersysteme und verbesserte Arbeitsbedingungen ermöglichen dabei eine effiziente wissenschaftliche und restauratorische Betreuung.

Neubau in Werkhallen-Architektur

Architektonisch nimmt der langgestreckte Neubau die Dachform von Montagehallen der Umgebung auf. Der Stahlbetonmassivbau ist auf einen möglichst geringen Energie- und Wartungsaufwand ausgelegt. Massive Decken und der Verzicht auf Fenster sorgen für ein stabiles Raumklima mit konstanten Temperatur- und Feuchtigkeitswerten – eine wesentliche Voraussetzung für die langfristige Erhaltung der Kunstwerke.

Finanziert wurde das Projekt durch das Sonderinvestitionsprogramm II für die preußischen Schlösser und Gärten, getragen vom Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin. Mit Gesamtkosten von rund 12 Millionen Euro entstand ein dauerhaft sicherer Aufbewahrungsort für einzigartige Kunstschätze aus mehreren Jahrhunderten.

Der Besuch machte deutlich, wie viel Expertise, Sorgfalt und Planung erforderlich sind, um dieses kulturelle Erbe langfristig zu sichern.

Stammtisch „Böhmische Siedler in Nowawes“

Andreas Huxol sprach beim April-Vereinstreffen über die Geschichte der böhmischen Siedler in Nowawes. Der Vorstand des Förderkreises Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. lebt zwar schon sehr lange in Babelsberg, aber erst als Rentner befasst er sich mit der Geschichte. Mit seinem Verein bietet er regelmäßig Führungen an. Sein Vortrag beim Kulturstadt Potsdam e.V. war ein Beitrag zu unserem Jahresthema „Internationale Impulse für Potsdam“.

Historischer Hintergrund

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag Brandenburg in Trümmern: massive Bevölkerungsverluste und wirtschaftlicher Niedergang prägten das Land. Vor diesem Hintergrund war gezielte Zuwanderung entscheidend für den Wiederaufbau. Besonders das Potsdamer Edikt von 1685 führte qualifizierte Handwerker, Landwirte und Fachleute nach Brandenburg, die wichtige Impulse für Handwerk, Landwirtschaft und Gewerbe gaben.

Gründung der Kolonie Nowawes

Friedrich II. erteilte 1750 den Befehl zur Gründung einer Kolonie für böhmische Glaubensflüchtlinge und beauftragte den Stadtkommandanten Oberst von Retzow mit dem Bau.
Entlang der heutigen Rudolf-Breitscheid-, Karl-Liebknecht-, Karl-Gruhl- und Wichgrafstraße entstanden aus billigstem Baumaterial Fachwerkhäuser, die sogenannten Weberhäuser, die schon nach wenigen Jahren reparaturbedürftig wurden und einige Besitzer entweder in den Ruin trieben oder zur Flucht zwangen. Im Zentrum liegt der dreieckige Weberplatz mit der Friedrichskirche als geistlichem und sozialem Mittelpunkt. Um Friedrichs Engagement ranken sich diverse Legenden, die Andreas Huxol zum Besten gab. So soll er einen sächsischen Bauarbeiter gefragt haben, wie der Ort denn heißt. Der wusste es selbst nicht und antwortete „Nowawes“.

Handwerk und Gewerbe

Die wirtschaftliche Grundlage bildete das Weberhandwerk, organisiert in einem Verlagssystem. Das heißt, die Weber mussten die Wolle von einem Verleger kaufen und die Stoffe wieder an ihn verkaufen. Sie blieben arm dabei. Daneben siedelten sich viele weitere Gewerke an: Wollstreicher, Spinner, Tuchmacher, Bäcker, Gärtner, Maurer und Schlächter, die wesentlich zur Versorgung der Kolonie beitrugen.

Alltag, Schule und Kultur

Das Alltagsleben war geprägt von Zweisprachigkeit und dem christlichen Glauben nach dem böhmischen Reformer Jan Hus. Erst im frühen 19. Jahrhundert setzte sich die deutsche Sprache bei der Predigt und im Schulunterricht vollständig durch. Die Kolonie entwickelte sich dynamisch und wuchs rasch.

Weberstube und Böhmische Tage

Der Vortrag zeigte, wie stark Zuwanderung die lokale Entwicklung Potsdams geprägt hat – und wie der Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. diese Geschichte heute vor Ort lebendig hält. Er unterhält mit der Weberstube in der Karl-Liebknecht-Straße 23 ein kleines Stadtteilmuseum. Es ist aktuell dienstags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Weberplatz war und ist bis heute das Herz von Babelsberg. Hier treffen sich die Menschen, handeln Waren, feiern Feste – genau wie vor über 250 Jahren. Höhepunkt im Jahresverlauf sind die Böhmischen Tage, die vom 29. bis 31. Mai 2026 stattfinden.

Weitere Informationen, Bilder und Videos über die Nowaweser Weberstube sind im Potsdam-Wiki zu finden.

Foto: Andreas Huxol und Fides Mahrla (Kulturstadtverein) im Saal des Restaurants Theo & Logos © Bolko Bouché

Jutta Michelsen und Bolko Bouché mit Bouché-Champagner

Neujahrsempfang 2026 in der Französischen Kirche

Zum Neujahrsempfang des Kulturstadtvereins trafen sich die Vereinsmitglieder am 17. Januar 2026 in der Französischen Kirche – der Empfang war zugleich die Auftaktveranstaltung für eine kleine Themenreihe des Vereins „Internationale Impulse für Potsdam“. Den Einstieg gestaltete Vereinsmitglied Bolko Bouché mit seinem Festvortrag: „Von Bonnay nach Berlin – die Gärtnerfamilie Bouché, ein Beispiel erfolgreicher Ansiedlungspolitik.“

Gewollte Peuplierung

Jutta Michelsen, Vereinsvorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Versailles, verwies in ihrer Anmoderation auf die Flucht der französischen Calvinisten nach dem Edikt von Fontainbleau 1685. Nur drei Wochen später beantwortete Kurfürst Friedrich Wilhelm die einsetzende Verfolgung mit seinem Edikt von Potsdam. Er lud die Geflüchteten mit konkreten Versprechungen nach Brandenburg ein und schickte ihnen Gesandte nach Hamburg, Amsterdam, Köln und Frankfurt a.M. entgegen. Sie ermöglichten den Flüchtlingen mit Geld und Pässen die Weiterreise nach Brandenburg. Die Aufnahme von etwa 20.000 Hugenotten in Brandenburg sollte ihre Not lindern und hatte zugleich ein wirtschaftspolitisches Ziel. Brandenburg litt noch immer unter dem Bevölkerungsschwund durch den 30-jährigen Krieg und war auf die Zuwanderung angewiesen – Peuplierung hieß das damals.

Zu den Privilegien der hugenottischen Einwanderer zählten eigene Lehrer, eigene Pfarrer, sogar eigene Richter. Sie sprachen im Alltag französisch, heirateten untereinander und gaben ihren Kindern französische Vornamen. Erst in der dritten Generation sprachen sie perfekt deutsch. Als aber Napoleon 1806 Berlin besetzte und zum Empfang lud, erklärte der Gemeindesprecher ihm, dass die Hugenotten gute preußische Staatsbürger geworden seien.

4500 Hugenotten kamen nach Berlin, ein Viertel der Berliner Bevölkerung sprach nun französisch. Das bedeutete einen Kulturwandel, der zu erheblichen Widerständen führte. Aber die Hugenotten veränderten Wirtschaft und Kultur zum Positiven.

Gärtnerfamilie Bouché

Unter den Einwanderern in Berlin waren 28 Gärtnerfamilien. Ihr hoher Anteil unter den Zuwanderern ist auch im calvinistischen Glauben begründet, wonach der Garten Teil der Schöpfung Gottes ist und Gartenarbeit als gottgefälliges Werk angesehen wird. Mit den Hugenotten kamen viele neue Obst- und Gemüsesorten nach Berlin.

Bolko Bouché berichtete über seine Vorfahren. Fünf Generationen Bouchés bewirtschafteten Gärten in der Stralauer Vorstadt. Stammvater aller Berliner Bouchés war David Bouché, der mit seiner Ehefrau um 1687 in Berlin eintraf. Der mittellose Einwanderer erhielt vom Staat ein Wohnhaus und ein Stück Gartenland, das teilweise Sand, teilweise Moorboden war. Durch harte Arbeit machte er es fruchtbar, erwarb er sich Vertrauen und konnte 1704 von Landsleuten das Geld für eine eigene Gärtnerei borgen.

Die Bouchés betrieben über fünf Generationen Gartenbau in Berlin, sie waren aber auch Botaniker, Gartengestalter und -inspektoren, zum Beispiel auf der Pfaueninsel, für den Treptower Park oder im Botanischen Garten. 1863 betrieben drei Bouché-Nachfahren eigene Gärtnereien, dann wurden die Flächen für die Bebauung der wachsenden Stadt gebraucht. Nach und nach verkauften sie die Grundstücke mit Gewinn und waren nicht mehr ortsgebunden. Damit war die Zeit der Diaspora beendet.

Spende für den Gemeindegarten

Die Französisch Reformierte Gemeinde Potsdam gestaltete mit Orgelspiel, einem kleinen Chorkonzert und der Begrüßung durch Presbyteriumsmitglied  Dr. Martin Peske einen würdigen Rahmen für den Empfang. Kulturstadt-Vereinsvorsitzende Fides Mahrla informierte über das Jahresprogramm 2026 und die geplanten Beiträge im Themenjahr „Internationale Impulse für Potsdam“. So ist eine Radtour zum Hugenottengarten nach Langerwisch geplant aber auch eine Spurensuche der Einwanderer aus Holland, Böhmen, Belgien, Italien, Russland u.v.m.

Unser Verein bedankte sich bei den Gastgebern mit einem Spendenscheck über 500 Euro. Das Geld ist für neue Pflanzen im Gemeindegarten  – dem ehemaligen Hugenottengarten –  in der Gutenbergstraße 77 vorgesehen.

Fotos (wenn nicht anders markiert): Olaf Gutowski

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl

Am 5. November 2025 fand die turnusmäßige Mitgliederversammlung mit Neuwahlen des Vorstands statt. Vereinsvorsitzende Fides Mahrla bedankte sich für die Arbeit des alten Vorstands.

Als neue Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Vorsitzende Fides Mahrla, stellv. Vorsitzender Matthias Finken, Schatzmeister Dr. Frank Dietrich, Beisitzer Dagmar Christl, Karin Hennig, Olaf Gutowski, Bolko Bouché. Die Wahl erfolgte für jeden Vorstand einzeln und in offener Abstimmung. Alle Vorstände wurden einstimmig gewählt mit jeweils einer Enthaltung, des Kandidaten selbst.

Im Bericht des Vorstands fasste Fides Mahrla die Aktivitäten seit 2022 zusammen. Sie sagte: „Ein großes Plus unseres Vereins ist die hohe Beteiligung an den Veranstaltungen. Das gemeinsame Erleben von Stadtgeschichte und das Kennenlernen engagierter Menschen steht bei uns im Mittelpunkt..Viele Angebote waren sogar ausgebucht, manchmal mit Wartelisten – ein schönes Zeichen, dass unsere Themen ankommen.“

In ihrem Ausblick bedankte sie sich im Namen des Vorstands für große Vertrauen. Sie wandte sich mit der Bitte an die Mitglieder, den Vorstand aktiv zu unterstützen, so dass die Arbeit auf breitere Schultern verteilt wird. Jeder entscheidet selbst, was er machen möchte und wie viel Zeit er dafür aufwendet. Es geht um kleine Aufgaben, zum Beispiel:

  • Newsletter gegenlesen
  • Artikel „Verein des Monats“ für die Seite Kulturerben-Potsdam.de schreiben
  • Fotos für Potsdam-Wiki machen

Dem Kulturstadt Potsdam e.V. gehören aktuell 144 Mitglieder an. Der Verein ist in Potsdam bekannt als Multiplikator für Kultur. Er unterhält Potsdam-Wiki, lädt monatlich zum „Willkommen in Potsdam“ ein und ist Netzwerkpartner für die Kulturerbenvereine in Potsdam. Höhepunkt unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet ist das jährliche Fest der Kulturerben, mit dem das ehrenamtliche Engagement der über 40 Denkmalvereine in Potsdam gezeigt und anerkannt wird. Wir wollen unsere Aktivitäten fortsetzen und sie weiter ausbauen, was eine Menge Kraft erfordert. Neue Ideen und aktive Mitarbeit sind immer willkommen.

Foto: Caroline Vilbrandt

Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt

Bernd Rubelt spricht über Potsdam im Wandel

Zum Abschluss unseres Jahresthemas 2025 sprach Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, am 10. Oktober in der Wissenschaftsetage über „bewahren – erneuern – entwickeln: Potsdams Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten“.

Chancen der Stadtentwicklung

Zu Beginn präsentierte Rubelt eine Karte zur Bevölkerungsentwicklung wachsender Metropolen (2021–2045) und zeigte damit die Dynamik, die Potsdam in den kommenden Jahren erwartet. Die Stadt punktet mit ihren natürlichen Gegebenheiten, gewachsenen Strukturen und einer hohen Lebensqualität. Besonders eindrucksvoll war eine Netzwerk-Grafik, die 134 Bildungs- und Wissenschaftsstandorte in Berlin und Brandenburg miteinander verband.

Wissenschaft in der Metropolregion

Potsdam verfügt bereits über drei bedeutende Wissenschafts- und Innovationscluster:

  • Life Sciences & Bio Tech auf dem Campus Golm
  • Medien, IT, Film und KI in Babelsberg, Griebnitzsee und Jungfernsee
  • Klima- und Erdwissenschaften auf dem Telegrafenberg

In den kommenden Jahren entstehen weitere Leuchttürme: Die Hasso-Plattner-Stiftung entwickelt den Campus Griebnitzsee zu einem europaweit führenden Standort für digitale Wissenschaften. Gleichzeitig entsteht am Brauhausberg ein neuer Universitätsstandort – unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude.

„Potsdam hat das Potential, zu einem globalen Ort der Innovation zu werden, an dem Visionen für die Zukunft Wirklichkeit werden.“  Hasso Plattner

Entwicklung folgt der Infrastruktur

Rubelt betonte, dass erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung nur gelingen kann, wenn Verkehrsplanung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und öffentliche Räume als Einheit gedacht werden. Dazu gehören ebenfalls Analysen und Maßnahmen zu:

  • Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums
  • Weiterentwicklung der Innenstadt
  • Zukunft der Plattenbauquartiere
  • Reduzierung der Versiegelung
  • Erhalt von Grünvolumen
  • Anpassung an den Klimawandel

Jahresthema 2025 Stadtentwicklung

Die Mitglieder des Kulturstadtvereins setzten sich 2025 mit der Stadtentwickung Potsdams auseinander. Unsere Partner dabei waren Kirchenhistoriker Andreas Kitschke, der ehemalige Oberbürgermeister Jann Jakobs, die Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam Sigrun Rabbe, der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V. Willo Göpel, der Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren Carsten Hagenau, Stadtführer Robert Leichsenring, der Grafiker und Autor Olaf Tiede sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt. Allen ein herzliches Dankeschön spannende Vorträge und erhellende Erkenntnisse.