Bürgerschaftliches Engagement für das Kulturerbe in Groß Glienicke

In Groß Glienicke sind zwei Potsdamer Kulturerbenvereine aktiv, die „ihr“ Baudenkmal den Mitgliedern des Kulturstadtvereins präsentiert haben.  Erste Station war das Alexanderhaus im Gutspark von Groß Glienicke. Berlind Wagner und Hannelie Khodaverdi-Weinand vom Alexander-Haus e.V. empfingen die Teilnehmer auf der überdachten Terrasse und erzählten komprimiert die Geschichte der fünf Familien, die das Sommerhaus am See bewohnten. Empfehlenswert ist das Buch von Thomas Harding „Sommerhaus am See“ – Fünf Familien und 100 Jahre deutsche Geschichte.

Alexander-Haus e.V.

1927 pachtet Dr. Alfred Alexander, Präsident der Berliner Ärztekammer, vom Rittergutsbesitzer Otto von Wollank das Grundstück und baut das erste Wochenendhaus in Groß Glienicke. Bis 1936 flieht die Familie vor den Nazis nach England. Fortan bewohnt bis 1944 der Komponist und Verleger Will Meisel mit seiner Frau, der berühmten Schauspielerin Eliza Illiard, das Haus. Danach wohnt dort sein Künstlerischer Leiter Hanns Hartmann mit seiner jüdischen Frau Ottilie bis kurz vor Kriegsende 1945. Später wurde Hartmann 1. Intendant des WDR. 1952 zog aus der Nachbarschaft Ella Fuhrmann mit zwei Kindern als Hausmeisterin in zwei kleine Zimmer. 1958 wurde die Hälfte des Hauses dem Ehepaar Kühne mit zwei Kindern zugewiesen. Wolfgang Kühne bewohnte das Haus 40 Jahre bis zu seinem Tod 1999. Er erlebte die Teilung des Grundstücks durch die Berliner Mauer und konnte erst nach deren Fall 1989 mit seinem Stiefenkelsohn Roland wieder im Glienicker See schwimmen. Roland wohnte mit einem Freund als Letzter bis 2003 in dem Haus. 2013 wurde das durch Leerstand und Vandalismus mitgenommene Gebäude durch privates Engagement der Familie Alexander aus London und von Groß Glienicker Bürgern gerettet. Darüber berichtet auch der Film „Das Haus am Glienicker See“

Im Alexanderhaus werden mittwochs und sonntags Führungen angeboten. Digitale Anmeldung möglich unter https://alexanderhaus.org/visit

Förderverein Dorfkirche Groß Glienicke e.V. 

Burkhard Radtke, seit seiner Geburt in Groß Glienicke wohnhaft, begrüßte die Besucher am Priesterportal der Dorfkirche Groß Glienicke. Der Vorgängerbau der aus behauenen Feldsteinen errichteten Dorfkirche ist als einfache, ungewölbte gotische Saalkirche ohne Turm mit zwei nördlichen Eingängen, einer Priester- und einer Leutepforte, zu Beginn der Dorfgründung um 1250 auf dem höchsten Punkt des Dorfes errichtet worden.

So, wie sie heute zu sehen ist, gibt die Dorfkirche in etwa den Zustand wieder, in den sie im 17. Jahrhundert versetzt wurde, erklärte der ehemalige Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Verantwortlich dafür war vor allem Hans Georg III. von Ribbeck. Der Patronatsherr von Groß Glienicke und Dechant des Brandenburger Domstifts entstammte dem osthavelländischen Zweig der Familie – dem westhavelländischen Zweig hat bekanntlich Theodor Fontane mit seinem berühmten Gedicht ein Denkmal gesetzt. Hans Georg III. ließ die Dorfkirche ab 1679 umbauen.

Als erstes verkürzte Hans Georg III. den Kirchensaal etwas, indem er eine starke Fachwerkwand in etwa 3,50 m Abstand von der Westwand in den Raum stellen ließ. Durch diesen neu geschaffenen Vorraum betritt man seither die Kirche, zudem bekam die Kirche ihr heutiges Dach nebst Türmchen. Anschließend ersetzte man die Holzbalkendecke durch das heutige stuckierte Spiegelgewölbe auf hoher Voute. Die Spiegel sind mit dem Gottessymbol und Engelsdarstellungen ausgemalt. Die Kirchenfenster wurden vergrößert, die Familiengruft angelegt und der Fußboden angehoben.

Seit 2003, nachdem Groß Glienicke nach Potsdam eingemeindet worden war, setzte die Betreuung aller Maßnahmen durch die Untere Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt ein. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten sind bis auf die Patronatsloge erfolgreich abgeschlossen worden. 

Eine wichtige Weichenstellung hat es aktuell an der Dorfstraße vor der Kirche und dem Friedhof gegeben: Dort hat die Stadt bei einem Grundstücksverkauf ihr Vorkaufsrecht wahrgenommen. Die Bauten werden abgerissen und es soll dort ein freier Platz entstehen, der den Dorfkern von Groß Glienicke aufwerten wird.

Die Dorfkirche Groß Glienicke ist jeden Sonnabend von 16-18 Uhr geöffnet.  Weiterführende Informationen über die Innenausstattung und Restaurierung der Dorfkirche Groß Glienicke von Andreas Kalesse, der 27 Jahre Stadtkonservator der Landeshauptstadt Potsdam war. > Kirchenrestaurierung_Beitrag_A._Kalesse

 

Impressionen vom 1. Ausflug am 30. Juni 2021 nach Groß Glienicke

Impressionen von der Radtour am 3. Juli 2021 nach Groß Glienicke

3. Juni: Stammtisch zur Garnisonkirche

Auf Anregung von unserem Vereinsmitglied Jürgen Brune war bei unserem digitalen Stammtisch im Juni Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchenstiftung, zu Gast.

Eschenburg berichtete über neue Ansätze der Stiftung, wie die Garnisonkirche mehr Akzeptanz bei den Potsdamern finden könnte. Sichtbares Zeichen ist eine Inschrift im Sockel des wiederaufgebauten Turmes mit den Worten „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ aus der Weissagung des Zacharias im Lucas-Evangelium. Dieser Vers ist auf Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Deutsch den Sockel des Turms gemeißelt. Er weist auf das Wirken der Christen für Frieden und Versöhnung hin.

Wieland Eschenburg sagte, dass bei der Spendenwerbung der Wiederaufbau des Turmes an oberster Stelle stehe und erläuterte die Möglichkeiten, sich durch signierte Ziegel oder Treppenstufen zu beteiligen. Er bekräftigte, dass die Stiftung darauf besteht, dass der Teil des Rechenzentrums, der auf dem Stiftungsgrundstück steht, mit Auslaufen der durch die Stiftung vertraglich erklärten Duldung Ende 2023 abgerissen werden wird. An der Übernahme des Rechenzentrum-Grundstücks und den Planungen für die Bebauung der Fläche des ein historisches Kirchenschiff hielt er fest, betonte aber, dass erst eine Nutzungsdiskussion abgeschlossen sein müsse.

Für eine Ausstellung im Kirchturm stellte Eschenburg das im März vom Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche beschlossene Ausstellungskonzept vor. Es hat den vorläufigen Titel: „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“. Zu den Ausstellungsthemen gehören die Funktion als Miltärkirche in Preußen, die Bedeutung in der Zeit des Nationalsozialismus, die Sprengung in der DDR und die Kontroversen um den Wiederaufbau. Die Ausstellung soll ein nüchternes, kritisches und differenziertes Bild der Garnisonkirche und der preußischen Geschicht vermitteln. Sie soll ein demokratie-, menschenrechts- und friedensorientierter Lern- und Bildungsort für deutsche und europäische Geschichte werden.

Der Kulturstadt Potsdam e.V. bleibt am Thema Garnisonkirche dran. Wir planen für den 7. Juli einen Vortrag von zwei Wissenschaftlern vom ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr). Oberleutnant Helene Heldt spricht über die Bedeutung der Garnisionkirche für die Stadt und Oberstleutnant Dr. John Zimmermann über die Bedeutung der Kirche für das Militär und den Tag von Potsdam 1933.

Eine Führung über die Baustelle soll sich in nächster Zeit anschließen.

Foto: Baustelle Garnisonkirche © Stiftung Garnisonkirche

UNESCO-Tag 2021: Welterbeschützer sammeln Abfall aus den Parks

Anlässlich des diesjährigen UNESCO-Welterbetages sammeln Potsdamerinnen und Potsdamer 4., 5. und 6. Juni 2021 an vier Orten in Potsdam Abfall und Müll: Am Kapellenberg und dem Uferweg gegenüber der Freundschaftsinsel, im Park Babelsberg sowie im Neuen Garten.

Für jeden der vier Orte gibt es Paten, die sich einbringen. Um die Russische Kolonie Alexandrowka und den angrenzenden Kapellenberg haben sich zum Aktionsstart die Touristiker der PMSG, der Landeshauptstadt Potsdam und des Potsdamer Guide e. V. gekümmert. Dem arglos weggeworfenen Müll am Uferweg neben der Neuen Fahrt zwischen Hauptbahnhof und der Holzbrücke rücken die Aktiven der Bürgerstiftung zuleibe. Im Babelsberger Park wird – freiwillig wie an jedem Wochenende – die Potsdamer Bürgerin Jeanette Gruschke unterwegs sein und im Neuen Garten helfen die Freiwilligen der lokalen UNICEF-Gruppen.

Auch der Kulturstadt Verein unterstützt das Anliegen. Vorsitzende Fides Mahrla sagte: „Das Potsdamer Welterbe verdient Respekt, und wir tragen heute die Verantwortung dafür, dass auch kommende Generationen sich daran erfreuen können.“ Der Kulturstadt Verein unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit der mehr als 40 Kulturerbenvereine, die sich um die Bewahrung eines Baudenkmals in Potsdam kümmern. „Die Kulturerbenvereine in unserer Stadt haben Verantwortung für ihr Bau- oder Gartenbaudenkmal übernommen und engagieren sich seit vielen Jahren für unser architektonisches und kulturelles Erbe. Deshalb begrüßen wir diese Aktion ausdrücklich und werben für die Beteiligung“, unterstreicht der Sprecher des Kulturerben-Organisationsteams Matthias Finken.

Weitere Informationen und zur Anmeldung

Titelfoto: Vereinsmitglieder Susanne Matern, Matthias Finken und Fides Mahrla (v.l.n.r.) beim Start der Aufräumaktion auf dem Kapellenberg (Foto: Sascha Krämer)

5. Mai: Potsdam und die Bundesgartenschau

Im Jahr 2001 richtete Potsdam die Bundesgartenschau aus, bei unserem Mai-Stammtisch hat Dr. Sigrid Sommer darüber berichtet, wie die Gartenschau Potsdam nachhaltig verändert hat. Sie selbst war damals Pressesprecherin der Buga, heute ist sie Marketingleiterin der Stadt Potsdam.

Anekdoten

Nur vier der Stammtisch-Teilnehmer waren 2001 in Potsdam und haben die Buga als Einwohner, Besucher oder in ihrem Job erlebt. Zum Beispiel Georg Maus, der aus Bürgerperspektive erzählte, wie positiv die Buga die Stadt verändert hat. Oder Lothar Mahrla, der stellvertretende Chefredakteur der MAZ, der noch Anekdoten über die Trassenführung der neuen Straßenbahn berichten konnte. Der Ausbau sollte auf Intervention des russischen Außenministeriums gestoppt werden, um die russische Kolonie Alexandrowka als russisches Kulturgut zu schützen. Fides Mahrla hat mit ihrer Kreativagentur die Buga-Werbung gestaltet und das Maskottchenkostüm Froschkönig Fritz entworfen. Bolko Bouché war für ein halbes Jahr Buga-Berichterstatter für die MAZ und täglich auf dem Gelände.

Sigrid Sommer lieferte noch eine Story von der Buga-Eröffnung ab, die am 20. April bei so kaltem Wetter stattfand, dass Günter Jauch mit langen Unterhosen auflief und sie auf der Bühne unter Applaus präsentierte.

Potsdams Neuer Norden

Täglich wurden die Besucher gezählt, es gab ständig ein Auf und Ab. Letztlich aber stimmten die wirtschaftlichen Zahlen. Sigrid Sommer sagte: „Der entscheidende Gewinn für Potsdam ist die Umwandlung einer Militärfläche in einen neuen Stadtteil.“ Ein großes Gebiet wurde von militärischen Altlasten befreit und die Infrastruktur vorangetrieben. Zwei neue Straßenbahntrassen und zahlreiche Straßen entstanden. Der Campus Fachhochschule, Schulen, Kindergärten, Altenheime und Supermärkte wurden gebaut und werden noch gebaut. Das enorme Bevölkerungswachstum von Potsdam war nur durch die Erschließung des Bornstedter Feldes möglich. Auch viele Vereinsmitglieder leben heute in diesem Stadtteil. Der Wohnungsbau nagt am Volkspark. Und obwohl ein teilweiser Rückbau von Anfang an geplant war, sehen viele Menschen diesen Verlust mit Wehmut.

Beginn des Innenstadt-Umbaus

20 Jahre Buga, das bedeutet auch Wandel in der Innenstadt. Mit der Buga wurden der Platz der Einheit und der Lustgarten neu gestaltet. Wo heute der Landtag steht, lag damals ein „blauer Teppich“ im Grundriss des Stadtschlosses. Noch im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung für das Fortuna-Portal. Das war Auftakt für die weitgehende Wiederherstellung der historischen Mitte Potsdams.

Digitaler Stammtisch in der Mühle von Sanssouci

Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V. stellte uns zum digitalen Stammtisch im April die Historische Mühle (Foto: Specht) vor. Natürlich waren die allermeisten Vereinsmitglieder schon persönlich dort und kennen die Ausstellung. Doch es war spannend zu hören, wie die Mühlenvereinigung mit studentischen Mitarbeitern die Öffnungszeiten absichert, durch den Mühlenladen Geld verdient und sogar kleinere Reparaturen selbst bezahlt. Für größere Bauprojekte ist die Schlösserstiftung zuständig, die auch Eigentümerin der Mühle ist.

Die Historische Mühle ist streng genommen ein Neubau. Nachdem sie zum Kriegsende abgebrannt war, erfolgte ab 1984 der Wiederaufbau. 1993 war er vollendet und seit 2003 betreibt sie die Mühlenvereinigung. Torsten Rüdinger ist der gute Geist der Mühlenvereinigung. Er ist, wie alle anderen Vereinsmitglieder auch, kein gelernter Müller. Immerhin ist der Enkel eines Müllers, wie er auf Nachfrage erzählte. Und dann erfuhren wir auch noch, dass man heute heute gar nicht mehr Müller werden kann. Der Ausbildungsberuf heißt Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Schade.

Wie dem auch sei, für Torsten Rüdinger ist es wichtig, dass seine Mühle noch wirklich klappert. Die Mühle von Sanssouci gehört als Teil der Berlin-Potsdamer Schlösserlandschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist zudem als handwerklich produzierende Mühle noch „immaterielles Kulturerbe“. Regelmäßig wird Bio-Getreide gemahlen. Der Wind treibt über die Flügel und hölzerne Räder den Mahlstein und das Siebwerk an, so dass aus Roggen, Weizen oder Dinkel das Mehl gewonnen wird. Es ist im Mühlenladen zu haben, sobald der wieder geöffnet hat. Aber auch das Mühlenbrot von Bäcker Fahland enthält Original Sanssouci-Mehl. Der Anteil schwankt jedoch, je nachdem wie der Wind bläst.

Digitaler Stammtisch – Mitglied Volker Sparre erzählt Potsdamer Familiengeschichte

Volker Sparres spannende Familiengeschichte begann in Potsdam mit den Großvätern Gustav Ratzke und Arthur Sparre. Gustav Ratzke war Hausmeister in der Kadettenanstalt. Die Gebäude sind jetzt Sitz der Staatskanzlei. Arthur Sparre diente als Leibwächter bei Kronprinzessin Cecilie – erst im Marmorpalais und danach im Schloss Cecilienhof. Mit Prinz Louis Ferdinand blieb sein Sohn bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden. Beim digitalen Vereinsstammtisch im März berichtete Volker Sparre darüber.

Sparres Vater Walther war Orchestermusiker am Königlichen Schauspielhaus, das im Volksmund „Kanaloper“ genannt wurde. Nach dem Krieg spielte er im Hans Otto Theater in der Zimmerstraße 10, welches vorher das Gesellschaftshaus „Alter Fritz“ war. Weitere Spielstätten waren das Schlosstheater, die Parkoper, die Freilichtbühne auf der Freundschaftsinsel und mehrere Räume in den Schlössern. Als Musiklehrer unterrichtete er Violine und Bratsche. Seine Frau Gertrud war eine begnadete Laiensängerin und Mitglied in verschiedenen Chören.

Volker Sparre wurde 1951 in Caputh geboren und wuchs im Nachkriegs-Potsdam in der Lennéstraße 21 nahe dem Parkeingang Kuhtor auf. Der Hof grenzte direkt an Gärten am Park Sanssouci. Er besuchte erst die Käthe-Kollwitz-Schule und anschließend wie sein Vater die Gerhard-Hauptmann-Oberschule. In Vorbereitung auf sein Studium der Theologie legte er das Abitur im Oberseminar auf Hermannswerder ab, wo er auch seine zukünftige Frau Irmtraut kennenlernte. Am „Sprachenkonvikt“, einer kirchlichen Hochschule in Berlin-Mitte studierte Sparre Theologie und heiratete, bevor er seine erste Pfarrstelle in Freyenstein/Prignitz antrat. 2001 wurde er Superintendent im Kirchenkreis Havelberg-Pritzwalk.

Mit Beginn des Ruhestandes 2016 zog das Ehepaar Sparre nach Potsdam zurück. Sie wohnen seitdem in der Nähe der Alexandrowka. Sie unterstützen bei Bedarf Tochter Sieglinde mit drei Kindern in Rostock und Sohn Friedhelm mit einem Kind in der Prignitz bei der Enkelbetreuung.

Die Sparres empfinden es als großes Glück, dass sie nach 40 Jahren Abwesenheit Potsdam neu kennenlernen und alte Freundschaften aufleben können. Erst heute wird ihnen bewusst, das Potsdam ein Gesamtkunstwerk ist und das Stadtbild aus den Erzählungen ihrer Eltern wieder hervortritt. Das Potsdam ihrer Kindheit war ein ganz anderes als das heutige, 30 Jahre nach der friedlichen Revolution. Besonders der Alte und Neue Markt haben ihren Liebreiz wiedergewonnen. Auch der Errichtung der Garnisonskirche ist ihnen ein Herzensanliegen.

Digitaler Stammtisch mit dem Alexanderhaus

1000 Gäste besuchen das Alexanderhaus in Groß Glienicke jährlich – 2021 waren wir wahrscheinlich die ersten, die sich ein Bild machen durften. Am 3. Februar war Moritz Gröning bei unserem digitalen Stammtisch zu Gast. Der Gründer und Geschäftsführer des Vereins Alexander Haus in Groß Glienicke berichtete über die denkmalgerechte Wiederherstellung und seine früheren Bewohner. Das Sommerhaus wurde 1927 für Dr. Alfred Alexander errichtet, jüdischer Arzt und Präsident der Berliner Ärztekammer.

Über neue Nutzung des Gebäudes berichtete Berlind Wagner. Sie ist die einzige angestellte Mitarbeiterin des Trägervereins und für die Programmgestaltung verantwortlich. Das Gebäude wird für zahlreiche Kultur-, Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen genutzt, auf denen die oft jugendlichen Teilnehmer ihre Modelle für eine bessere Welt entwickeln.

Zahlreiche Fragen an die beiden Vereinsvertreter zeigten das große Interesse der Kulturstadt-Mitglieder am Alexanderhaus, bis hin zu einer spontanen Interessenbekundung, selbst in diesem Verein mitzumachen.

Eine Beziehung besteht ohnehin schon: Der Förderverein Alexander-Haus e.V. ist einer von mehr als 40 Potsdamer Vereinen, die eines der Potsdamer Baudenkmale restaurieren, bewahren und nutzen. In der Interessengruppe Kulturerben arbeiten wir mit diesen Vereinen und unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel im vergangen Jahr beim Tag des Offenen Denkmals.

Zur Vereinsseite Alexanderhaus

Neujahrskonzert mit der Kammerakademie

Gemeinsam Kultur erleben, das funktioniert auch online. Wir haben es am 23. Januar beim digitalen Neujahrsempfang mit Erfolg ausprobiert. Höhepunkt war ein festliches Konzert der Kammerakademie Potsdam. Vereinsvorsitzende Fides Mahrla begrüßte die Mitglieder, die sich vor dem heimischen Computer eingefunden hatten, aufs herzlichste. Für unseren Verein ist es seit Jahren schon guter Brauch, gemeinsam das Neue Jahr zu begrüßen. Wir haben uns dazu stets an einem besonderen Ort eingefunden, der einen festlichen Vortrag gehört, manchmal auch mit festlicher Musikbegleitung.

In diesem Jahr stand die Musik im Mittelpunkt. Die Kammerakademie Potsdam spielte exclusiv für die Vereinsmitglieder und Ihre Gäste die 2. Sinfonie von Ludwig van Beethoven ein. Das Konzert wurde zuvor aufgezeichnet und über YouTube eingespielt. Vereinsmitglied Georg Maus ging im Anschluss kurz auf die Entstehungsgeschichte der 2. Sinfonie ein. Beethoven komponierte sie, als er bereits teilweise taub war. Dennoch ist es ein optimistisches, sorglos heiteres Werk geworden – und das hat allen gut getan. Wir sind froh, dass wir bei unserem ersten digitalen Stammtisch im Januar und mit dem Konzert die Kammerakademie Potsdam näher kennenlernen konnte. Unser Kulturstadt Potsdam e.V. fördert in diesem Jahr das Projekt mobile Klassenzimmerkonzerte der Kammerakademie.

Mit Sekt, besten Wünschen für ein gesundes Jahr und Plauderei untereinander klang die Online-Veranstaltung aus. Es gab noch ein paar Kulturtipps von Mitgliedern für Mitglieder. Außerdem wissen wir jetzt aus erster Hand, dass der erste Impfstoff tatsächlich in Potsdam angekommen ist. Das stimmt optimistisch und wir freuen uns schon auf ein reales Wiedersehen.

Digitaler Kulturstadt-Stammtisch

Nach einer Generalprobe im Dezember haben die Kulturstadt-Mitglieder am 6. Januar ihren ersten digitalen Stammtisch durchgeführt. 24 Teilnehmer hatten sich zur Zoom-Konferenz eingeloggt.

Unser Gast war Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam. Wir näherten uns dem Orchester – unseren Mitgliedern bekannt durch außergewöhnliche Konzertreihen oder die Potsdamer Winteroper – von neuen Seiten: Die Kammerakademie als Kulturträger für Kita- und Schulkinder mit dem Projekt KAPellina. Ein anderes Beispiel ist „Stadtteil  macht Oper“ – ein Projekt, bei dem sich Künstler, Schüler und Einwohner des Stadtteils Drewitz auf Augenhöhe begegnen.

Alexander Hollensteiner erläuterte das Geschäftsmodell der Kammerakademie als gemeinnützige GmbH mit den 32 Musikern als Gesellschaftern und schilderte die Schwierigkeiten, im Corona-Jahr über die Runden zu kommen. Gelungen ist das letztlich, weil die Stadt Potsdam projektbezogene Zuschüsse bezahlt hat, obwohl die Veranstaltungen nicht stattfinden konnten. Aber auch ein Freundes- und Förderkreis unterstützt den großartigen Klangkörper nach Kräften.

Nach einer spannenden Präsentation und zahlreichen Nachfragen verabschiedeten die Vereinsmitglieder Alexander Hollensteiner voller Dankbarkeit und mit dem Wunsch, zusammen etwas auf die Beine zu stellen, vielleicht ein gemeinsames Neujahrskonzert? Unser Kulturstadt-Verein muss nämlich in diesem Jahr auf die lieb gewordene Tradition der Neujahrsempfänge verzichten. Der Vorstand berät darüber und informiert in Kürze.

Sicher ist, dass wir am 3. Februar wieder einen digitalen Stammtisch durchführen: Immer am 1. Mittwoch des Monats um 19 Uhr. Bereits ab 18:30 Uhr heißt es für neu in unsere Stadt gezogene Bürger „Willkommen in Potsdam“. Diese Begrüßung wird am 3. Februar erstmals über Videokonferenz angeboten.

Wir freuen uns darauf, später auch wieder in unserem Vereinslokal „Alter Stadtwächter“ zu Gast zu sein.

Quartiersrundgang durch die Stubenrauchstraße

In unserer Reihe „Quartiersrundgang“ stellte Vorstandsmitglied Bolko Bouché am Sonnabend, dem 24. Oktober 2020, die Stubenrauchstraße vor. Sie ist Teil der Villenkolonie Neubabelsberg und steht bisher nicht im Fokus der zahlreichen stadtgeschichtlichen Führungen. Benannt wurde die Straße nach dem Landrat des Kreises Teltow und Förderer des Teltowkanals Ernst von Stubenrauch (1853-1909).

Wir starteten am Bahnhof Griebnitzsee in Richtung Berlin. Schon bald zweigt die Stubenrauchstraße links ab von der Rudolf-Breitscheid-Straße ab und folgt dem Griebnitzsee. Die Straße wurde erst in den 1930er Jahren bebaut. Über die Villen, deren prominente Bauherren, Architekten und Gärtner ist noch recht wenig bekannt. Trotzdem konnte der Journalist und Potsdam-Wiki-Autor Bolko Bouché interessante Details berichten.

So zum Beispiel über den Rechtsanwalt Alois Gerhard Westrick, der 1932 seine Villa in der Stubenrauchstraße 8 errichten ließ. Westrick war ein Experte für internationales Gesellschaftsrecht. Er vertrat die Niederlassungen amerikanischer Konzerne in Deutschland und hatte Verbindungen in höchste Kreise in Staat und Wirtschaft. Außenminister Joachim von Ribbentrop schickte ihn auf eine heikle Mission. Westrick sollte amerikanische Investoren für die deutsche Kriegswirtschaft werben.

Auch Günter Quandt wohnte am Griebnitzsee. Er bezog das 1937 gebaute Landhaus in der (Nr. 28) nach seiner Scheidung von Ehefrau Magda – der späteren Frau von Joseph Goebbels. Günter Quandt war Großindustrieller, der mit Stoffen im 1. Weltkrieg sowie mit Akkumulatoren für U-Boote und V-Waffen im 2. Weltkrieg ein Vermögen machte. Die Nachfahren gehören zu den reichsten Deutschen, unter anderem mit einem Aktienpaket von BMW.

Lebhaft ergänzten die Teilnehmer Georg Maus und Gerhard Petzholtz ihr Wissen über die Zeiten vor und während der Berliner Mauer, die die Stubenrauchstraße schnitt. Sie war Sperrgebiet und durfte nur von ausgewählten Personen betreten werden. Dort hatte zum Beispiel der Regisseur und DEFA-Mitbegründer Kurt Metzig sein Haus, es gab ein Gästehaus der DEFA und ein Kinderheim der Akademie für Staat und Recht.

Nach einem Abstecher zum Griebnitzsee führte uns der Weg auf dem Mauerstreifen entlang über die Berliner Kreisstraße zurück nach Potsdam. In der Rudolf-Breitscheid-Straße 234 machten wir noch einmal Stopp an der Villa Tannwald, wo der deutsch-schwedische Schriftstellers Peter Ulrich Weiss (Pseudonym Sinclair) 1916 geboren wurde. Sein dreibändiges Spätwerk „Die Ästhetik des Widerstands“ erschien sogar in der damaligen DDR und war als „Bückware“ nur wenigen Lesern zugänglich.

Das Interesse an der Führung war derart groß, dass nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten. Die meisten folgten dem Tipp, am S-Bahnhof Griebnitzsee in das denkmalgeschütze Restaurant Zweihunderteins reinzuschauen. Ein Unikum unter den S-Bahnhöfen, die sonst nur Imbissbuden auf den Bahnsteigen bieten. Mit einer jungen deutschen Küche, regelmäßigen kleine Konzerten und saisonalen Angeboten sind die neuen Betreiber Pfingsten 2020 gestartet und würden sich über Besucher sehr freuen.