Über unseren Verein

Wir lieben unsere Stadt und genießen sehr bewusst die vielfältigen kulturellen Angebote. Mit unserer Begeisterung wollen wir andere anstecken. Mit unseren Projekten kommunizieren wir Potsdam als eine Stadt der Kultur, als Stadt der Gastfreundlichkeit, der Toleranz und Weltoffenheit. Unser Verein fördert das Engagement der Bürger und fördert Kultur.

Ensemblewettbewerb 2026 der Städtischen Musikschule Potsdam

Musikalischer Nachwuchs begeistert am Campus Stern

Am Sonnabend, dem 9. Mai 2026, traten Kinder und Jugendliche der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ zum Ensemblewettbewerb am Campus Stern in der Galileistraße an. Insgesamt zehn Ensembles – vom Trio bis zum Quintett – stellten sich der Jury und präsentierten ihr Können.

Vielfältiges Programm auf hohem Niveau

Die Teilnehmenden im Alter von 7 bis 15 Jahren boten ein abwechslungsreiches Programm: Neben Popmusik-Beiträgen verschiedener Bands waren auch klassische Ensembles mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten zu hören. Gefordert waren Stücke unterschiedlichen Charakters, die jedoch nicht zwingend aus verschiedenen Epochen oder Stilrichtungen stammen mussten.
Auch die Auswahl der Musikstücke fand großen Anklang beim Publikum: Sie wirkte individuell auf die Ensembles zugeschnitten und unterstrich deren jeweilige Stärken.

Mitglied Birgit Fleischmann in der Jury.

Bewertung und Auszeichnungen

Eine fachkundige Jury, unterstützt durch eine Vertreterin des Vereins KULTURSTADT POTSDAM e. V., bewertete die Darbietungen nach einem festgelegten Punktesystem. Kriterien waren die musikalische Qualität, das Zusammenspiel innerhalb der Ensembles sowie der Gesamteindruck. Insgesamt wurden neun erste Preise und zwei zweite Preise durch die Jury vergeben sowie zusätzlich drei Sonderpreise.

Engagement des Vereins

Die Preisgelder wurden vom Kulturstadt Potsdam e. V. gestiftet. Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche Vereinsmitglieder vor Ort: Sie sorgten mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee für das leibliche Wohl, unterstützten als Saaldienst den reibungslosen Ablauf und dokumentierten den Wettbewerb fotografisch. So wurde der Wettbewerb auch zu einem lebendigen Gemeinschaftserlebnis im Vereinsleben.

Festliches Abschlusskonzert

Den Höhepunkt des Tages bildete das Abschlusskonzert mit Preisverleihung am Abend des 9. Mai 2026 im Friedenssaal des Großen Waisenhauses Potsdam.
Die Vereinsvorsitzende Fides Mahrla würdigte in ihrem Grußwort das Engagement und die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker. Sie hob hervor, dass das Zusammenspiel im Ensemble – geprägt von Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Freude – besonders beeindruckend gewesen sei. Gerade im Vergleich zu früheren Solistenwettbewerben wurde das gemeinsame Musizieren als großer Gewinn erlebt.

Preisträger im Ensemblewettbewerb der Musikschule Potsdam

Ein Tag voller Musik und Begegnungen

Der Ensemblewettbewerb 2026 war ein rundum gelungener Tag – geprägt von musikalischer Vielfalt, lebendiger Gemeinschaft und der spürbaren Begeisterung junger Talente. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen besonderen Tag voller Musik, Begegnungen und künstlerischer Energie.

 

 

 

 

 

Auf den Spuren von Franz Benda

Beim Mai-Vereinstreff stellte Dr. Klaus Harer, Referent für Musik und Osteuropa beim Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam, eine außergewöhnliche Persönlichkeit vor: „Franz Benda – Flüchtling aus Böhmen und Violinvirtuose am Hof König Friedrichs II.“

Wer war Franz Benda?

Franz Benda ist heute noch im Potsdamer Stadtbild präsent: Seit 1992 trägt die frühere Friedrich-Kirch-Straße seinen Namen. Zudem erinnert seit 2022 eine Gedenktafel in der Karl-Liebknecht-Straße 15 an sein Leben und Wirken.
Geboren wurde Franz Benda als ältester Sohn von Johann Georg Benda und dessen Ehefrau Dorothea in Alt-Benatek (Benátky), etwa 40 Kilometer nordöstlich von Prag. Sein Vater war Leineweber und zugleich als Tanzmusiker tätig, während seine Mutter aus der bekannten Musikerfamilie Brixi stammte.
Bereits im Alter von neun Jahren begann Benda seine musikalische Laufbahn als Chorknabe am Benediktinerkloster der Nikolaikirche in Prag und besuchte die Jesuitenschule. Seine Ausbildung und Karriere führten ihn zunächst als Sänger an die Dresdner Hofkirche und zurück nach Prag. Später entwickelte er sich zum Violinisten.

Weg an den preußischen Hof

Entgegen der oft erzählten Vorstellung kam Benda nicht unmittelbar als Flüchtling aus Böhmen nach Preußen. Sein Weg führte ihn vielmehr quer durch Mitteleuropa: von Prag über Dresden, Wien, Hermannstadt und Breslau bis nach Warschau, Neuruppin und Rheinsberg.
Durch die Vermittlung von Johann Joachim Quantz erhielt er die Gelegenheit, dem preußischen Kronprinzen Friedrich vorzuspielen. Dieser engagierte ihn daraufhin sofort für seine Hofkapelle in Rheinsberg.
Benda blieb zeitlebens in der Gunst seines Dienstherrn, des späteren Königs Friedrich II. Auf dessen Veranlassung zog auch Bendas Familie nach Potsdam. Zwei seiner Brüder – Joseph und Johann – wurden ebenfalls Mitglieder der königlichen Kapelle. Sein Bruder Georg machte sich später als Hofkapellmeister in Gotha einen Namen, insbesondere durch seine Melodramen. Der Vater Johann Georg und Bruder Viktor betrieben in Nowawes eine Leineweberei.
> Weitere Lebensdaten werden demnächst auch im PotsdamWiki-Beitrag zu Franz Benda ergänzt und veröffentlicht.

Franz Benda“, Portraitstich 1756  

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

Über Bendas bewegtes Leben sind wir gut informiert, da er seine Lebensgeschichte selbst niederschrieb (datiert auf 1763). Diese Autobiografie wurde erstmals 1856 in der „Neuen Berliner Musikzeitung“ veröffentlicht und erschien 1967 erneut in der bis heute maßgeblichen Biografie von Franz Lorenz: „Franz Benda und seine Nachkommen“.
Das Originalmanuskript ist erhalten geblieben: Ein Nachfahre, Hans von Benda, übergab es dem Staatlichen Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Inzwischen ist es auch online einsehbar.
Bereits zu Bendas Lebzeiten fanden Teile seiner Selbstbiografie Verbreitung. Der Musikschriftsteller Johann Adam Hiller nutzte sie für seine 1766 erschienene ausführliche Lebensbeschreibung in den „Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend“.

Wirkung und Nachleben

Mit Franz Benda begann die erfolgreiche Musikertradition der Familie Benda in Berlin und Preußen, die über mehrere Generationen hinweg fortbestand.
Im 19. Jahrhundert waren Angehörige der Familie Benda in verschiedenen Berufen tätig; ein Familienzweig wurde später geadelt.

Deutsches Kulturforum östliches Europa in Potsdam

Dr. Klaus Harer studierte Slawistik und Musikwissenschaft in Marburg und war nach seiner Promotion bis zum Jahr 2000 in der Lehre tätig. Seit der Gründung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Jahr 2000 arbeitet er dort als Referent für Musik und Osteuropa.
Gern nehmen wir die Einladung an, dass sich interessierte Mitglieder bei einer gesonderten Veranstaltung über die Arbeit vor Ort in der Berliner Straße informieren können.

> Veranstaltungstermine, Podcasts sowie Publikationen des hauseigenen Verlags sind auf der Website des Kulturforums zu finden.

 

Besuch im Skulpturendepot der SPSG

Am 15. April 2026 erhielten die Mitglieder unseres Vereins in Begleitung von Dr. Silke Kiesant die seltene Gelegenheit, das nicht öffentlich zugängliche Zentrale Skulpturendepot (ZES) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) in der Friedrich-Engels-Straße zu besichtigen. Der vom Berliner Büro Staab Architekten entworfene Bau wurde 2024 fertiggestellt und übergeben.

Dr. Kiesant, Kustodin der Skulpturen- und Uhrensammlung, erläuterte, dass das Skulpturendepot eine wichtige Ergänzung zum bereits bestehenden Zentralen Kunstgutdepot der SPSG darstellt. Der zweieinhalbgeschossige Zweckbau bietet auf rund 4.000 Quadratmetern Platz für mehr als 5.100 Skulpturen sowie etwa 6.000 Objekte der keramischen Sammlung. Die Skulpturen werden seit 2024 aus insgesamt acht Depotstandorten schrittweise zusammengeführt; der Abschluss dieses Prozesses wird in zwei bis drei Jahren erwartet.

Die Bandbreite der Objekte ist beeindruckend: Sie reicht von überlebensgroßen Skulpturen bis hin zu kleinformatigen Fragmenten aus unterschiedlichsten Materialien wie Marmor, Sandstein, Kunststein, Porzellan, Terrakotta, Eisenguss, Bronze oder Zinkguss.

Wertvolle Originale lagern im Depot

Skulpturen, die aufgrund fortgeschrittener Verwitterung gefährdet sind, werden im Depot gesichert und geschützt. Um die ursprüngliche Aussage der Parkanlagen zu bewahren, werden an den historischen Standorten handwerklich gefertigte Kopien aufgestellt. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Wiederherstellung des Figurenensembles an der Großen Fontäne im Park Sanssouci, bei der zwölf französische Meisterwerke des 18. Jahrhunderts originalgetreu reproduziert wurden.

Im Depot werden zudem Skulpturen aufbewahrt, deren ursprüngliche Standorte nicht mehr existieren, ebenso wie Kopien, Abgüsse und Gussformen. Unter konservatorisch optimalen Bedingungen werden die Kunstwerke gereinigt, eingelagert und für Ausstellungen oder wissenschaftliche Untersuchungen bereitgestellt. Moderne Lagersysteme und verbesserte Arbeitsbedingungen ermöglichen dabei eine effiziente wissenschaftliche und restauratorische Betreuung.

Neubau in Werkhallen-Architektur

Architektonisch nimmt der langgestreckte Neubau die Dachform von Montagehallen der Umgebung auf. Der Stahlbetonmassivbau ist auf einen möglichst geringen Energie- und Wartungsaufwand ausgelegt. Massive Decken und der Verzicht auf Fenster sorgen für ein stabiles Raumklima mit konstanten Temperatur- und Feuchtigkeitswerten – eine wesentliche Voraussetzung für die langfristige Erhaltung der Kunstwerke.

Finanziert wurde das Projekt durch das Sonderinvestitionsprogramm II für die preußischen Schlösser und Gärten, getragen vom Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin. Mit Gesamtkosten von rund 12 Millionen Euro entstand ein dauerhaft sicherer Aufbewahrungsort für einzigartige Kunstschätze aus mehreren Jahrhunderten.

Der Besuch machte deutlich, wie viel Expertise, Sorgfalt und Planung erforderlich sind, um dieses kulturelle Erbe langfristig zu sichern.

Stammtisch „Böhmische Siedler in Nowawes“

Andreas Huxol sprach beim April-Vereinstreffen über die Geschichte der böhmischen Siedler in Nowawes. Der Vorstand des Förderkreises Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. lebt zwar schon sehr lange in Babelsberg, aber erst als Rentner befasst er sich mit der Geschichte. Mit seinem Verein bietet er regelmäßig Führungen an. Sein Vortrag beim Kulturstadt Potsdam e.V. war ein Beitrag zu unserem Jahresthema „Internationale Impulse für Potsdam“.

Historischer Hintergrund

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag Brandenburg in Trümmern: massive Bevölkerungsverluste und wirtschaftlicher Niedergang prägten das Land. Vor diesem Hintergrund war gezielte Zuwanderung entscheidend für den Wiederaufbau. Besonders das Potsdamer Edikt von 1685 führte qualifizierte Handwerker, Landwirte und Fachleute nach Brandenburg, die wichtige Impulse für Handwerk, Landwirtschaft und Gewerbe gaben.

Gründung der Kolonie Nowawes

Friedrich II. erteilte 1750 den Befehl zur Gründung einer Kolonie für böhmische Glaubensflüchtlinge und beauftragte den Stadtkommandanten Oberst von Retzow mit dem Bau.
Entlang der heutigen Rudolf-Breitscheid-, Karl-Liebknecht-, Karl-Gruhl- und Wichgrafstraße entstanden aus billigstem Baumaterial Fachwerkhäuser, die sogenannten Weberhäuser, die schon nach wenigen Jahren reparaturbedürftig wurden und einige Besitzer entweder in den Ruin trieben oder zur Flucht zwangen. Im Zentrum liegt der dreieckige Weberplatz mit der Friedrichskirche als geistlichem und sozialem Mittelpunkt. Um Friedrichs Engagement ranken sich diverse Legenden, die Andreas Huxol zum Besten gab. So soll er einen sächsischen Bauarbeiter gefragt haben, wie der Ort denn heißt. Der wusste es selbst nicht und antwortete „Nowawes“.

Handwerk und Gewerbe

Die wirtschaftliche Grundlage bildete das Weberhandwerk, organisiert in einem Verlagssystem. Das heißt, die Weber mussten die Wolle von einem Verleger kaufen und die Stoffe wieder an ihn verkaufen. Sie blieben arm dabei. Daneben siedelten sich viele weitere Gewerke an: Wollstreicher, Spinner, Tuchmacher, Bäcker, Gärtner, Maurer und Schlächter, die wesentlich zur Versorgung der Kolonie beitrugen.

Alltag, Schule und Kultur

Das Alltagsleben war geprägt von Zweisprachigkeit und dem christlichen Glauben nach dem böhmischen Reformer Jan Hus. Erst im frühen 19. Jahrhundert setzte sich die deutsche Sprache bei der Predigt und im Schulunterricht vollständig durch. Die Kolonie entwickelte sich dynamisch und wuchs rasch.

Weberstube und Böhmische Tage

Der Vortrag zeigte, wie stark Zuwanderung die lokale Entwicklung Potsdams geprägt hat – und wie der Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. diese Geschichte heute vor Ort lebendig hält. Er unterhält mit der Weberstube in der Karl-Liebknecht-Straße 23 ein kleines Stadtteilmuseum. Es ist aktuell dienstags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Weberplatz war und ist bis heute das Herz von Babelsberg. Hier treffen sich die Menschen, handeln Waren, feiern Feste – genau wie vor über 250 Jahren. Höhepunkt im Jahresverlauf sind die Böhmischen Tage, die vom 29. bis 31. Mai 2026 stattfinden.

Weitere Informationen, Bilder und Videos über die Nowaweser Weberstube sind im Potsdam-Wiki zu finden.

Foto: Andreas Huxol und Fides Mahrla (Kulturstadtverein) im Saal des Restaurants Theo & Logos © Bolko Bouché

Jutta Michelsen und Bolko Bouché mit Bouché-Champagner

Neujahrsempfang 2026 in der Französischen Kirche

Zum Neujahrsempfang des Kulturstadtvereins trafen sich die Vereinsmitglieder am 17. Januar 2026 in der Französischen Kirche – der Empfang war zugleich die Auftaktveranstaltung für eine kleine Themenreihe des Vereins „Internationale Impulse für Potsdam“. Den Einstieg gestaltete Vereinsmitglied Bolko Bouché mit seinem Festvortrag: „Von Bonnay nach Berlin – die Gärtnerfamilie Bouché, ein Beispiel erfolgreicher Ansiedlungspolitik.“

Gewollte Peuplierung

Jutta Michelsen, Vereinsvorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Versailles, verwies in ihrer Anmoderation auf die Flucht der französischen Calvinisten nach dem Edikt von Fontainbleau 1685. Nur drei Wochen später beantwortete Kurfürst Friedrich Wilhelm die einsetzende Verfolgung mit seinem Edikt von Potsdam. Er lud die Geflüchteten mit konkreten Versprechungen nach Brandenburg ein und schickte ihnen Gesandte nach Hamburg, Amsterdam, Köln und Frankfurt a.M. entgegen. Sie ermöglichten den Flüchtlingen mit Geld und Pässen die Weiterreise nach Brandenburg. Die Aufnahme von etwa 20.000 Hugenotten in Brandenburg sollte ihre Not lindern und hatte zugleich ein wirtschaftspolitisches Ziel. Brandenburg litt noch immer unter dem Bevölkerungsschwund durch den 30-jährigen Krieg und war auf die Zuwanderung angewiesen – Peuplierung hieß das damals.

Zu den Privilegien der hugenottischen Einwanderer zählten eigene Lehrer, eigene Pfarrer, sogar eigene Richter. Sie sprachen im Alltag französisch, heirateten untereinander und gaben ihren Kindern französische Vornamen. Erst in der dritten Generation sprachen sie perfekt deutsch. Als aber Napoleon 1806 Berlin besetzte und zum Empfang lud, erklärte der Gemeindesprecher ihm, dass die Hugenotten gute preußische Staatsbürger geworden seien.

4500 Hugenotten kamen nach Berlin, ein Viertel der Berliner Bevölkerung sprach nun französisch. Das bedeutete einen Kulturwandel, der zu erheblichen Widerständen führte. Aber die Hugenotten veränderten Wirtschaft und Kultur zum Positiven.

Gärtnerfamilie Bouché

Unter den Einwanderern in Berlin waren 28 Gärtnerfamilien. Ihr hoher Anteil unter den Zuwanderern ist auch im calvinistischen Glauben begründet, wonach der Garten Teil der Schöpfung Gottes ist und Gartenarbeit als gottgefälliges Werk angesehen wird. Mit den Hugenotten kamen viele neue Obst- und Gemüsesorten nach Berlin.

Bolko Bouché berichtete über seine Vorfahren. Fünf Generationen Bouchés bewirtschafteten Gärten in der Stralauer Vorstadt. Stammvater aller Berliner Bouchés war David Bouché, der mit seiner Ehefrau um 1687 in Berlin eintraf. Der mittellose Einwanderer erhielt vom Staat ein Wohnhaus und ein Stück Gartenland, das teilweise Sand, teilweise Moorboden war. Durch harte Arbeit machte er es fruchtbar, erwarb er sich Vertrauen und konnte 1704 von Landsleuten das Geld für eine eigene Gärtnerei borgen.

Die Bouchés betrieben über fünf Generationen Gartenbau in Berlin, sie waren aber auch Botaniker, Gartengestalter und -inspektoren, zum Beispiel auf der Pfaueninsel, für den Treptower Park oder im Botanischen Garten. 1863 betrieben drei Bouché-Nachfahren eigene Gärtnereien, dann wurden die Flächen für die Bebauung der wachsenden Stadt gebraucht. Nach und nach verkauften sie die Grundstücke mit Gewinn und waren nicht mehr ortsgebunden. Damit war die Zeit der Diaspora beendet.

Spende für den Gemeindegarten

Die Französisch Reformierte Gemeinde Potsdam gestaltete mit Orgelspiel, einem kleinen Chorkonzert und der Begrüßung durch Presbyteriumsmitglied  Dr. Martin Peske einen würdigen Rahmen für den Empfang. Kulturstadt-Vereinsvorsitzende Fides Mahrla informierte über das Jahresprogramm 2026 und die geplanten Beiträge im Themenjahr „Internationale Impulse für Potsdam“. So ist eine Radtour zum Hugenottengarten nach Langerwisch geplant aber auch eine Spurensuche der Einwanderer aus Holland, Böhmen, Belgien, Italien, Russland u.v.m.

Unser Verein bedankte sich bei den Gastgebern mit einem Spendenscheck über 500 Euro. Das Geld ist für neue Pflanzen im Gemeindegarten  – dem ehemaligen Hugenottengarten –  in der Gutenbergstraße 77 vorgesehen.

Fotos (wenn nicht anders markiert): Olaf Gutowski

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl

Am 5. November 2025 fand die turnusmäßige Mitgliederversammlung mit Neuwahlen des Vorstands statt. Vereinsvorsitzende Fides Mahrla bedankte sich für die Arbeit des alten Vorstands.

Als neue Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Vorsitzende Fides Mahrla, stellv. Vorsitzender Matthias Finken, Schatzmeister Dr. Frank Dietrich, Beisitzer Dagmar Christl, Karin Hennig, Olaf Gutowski, Bolko Bouché. Die Wahl erfolgte für jeden Vorstand einzeln und in offener Abstimmung. Alle Vorstände wurden einstimmig gewählt mit jeweils einer Enthaltung, des Kandidaten selbst.

Im Bericht des Vorstands fasste Fides Mahrla die Aktivitäten seit 2022 zusammen. Sie sagte: „Ein großes Plus unseres Vereins ist die hohe Beteiligung an den Veranstaltungen. Das gemeinsame Erleben von Stadtgeschichte und das Kennenlernen engagierter Menschen steht bei uns im Mittelpunkt..Viele Angebote waren sogar ausgebucht, manchmal mit Wartelisten – ein schönes Zeichen, dass unsere Themen ankommen.“

In ihrem Ausblick bedankte sie sich im Namen des Vorstands für große Vertrauen. Sie wandte sich mit der Bitte an die Mitglieder, den Vorstand aktiv zu unterstützen, so dass die Arbeit auf breitere Schultern verteilt wird. Jeder entscheidet selbst, was er machen möchte und wie viel Zeit er dafür aufwendet. Es geht um kleine Aufgaben, zum Beispiel:

  • Newsletter gegenlesen
  • Artikel „Verein des Monats“ für die Seite Kulturerben-Potsdam.de schreiben
  • Fotos für Potsdam-Wiki machen

Dem Kulturstadt Potsdam e.V. gehören aktuell 144 Mitglieder an. Der Verein ist in Potsdam bekannt als Multiplikator für Kultur. Er unterhält Potsdam-Wiki, lädt monatlich zum „Willkommen in Potsdam“ ein und ist Netzwerkpartner für die Kulturerbenvereine in Potsdam. Höhepunkt unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet ist das jährliche Fest der Kulturerben, mit dem das ehrenamtliche Engagement der über 40 Denkmalvereine in Potsdam gezeigt und anerkannt wird. Wir wollen unsere Aktivitäten fortsetzen und sie weiter ausbauen, was eine Menge Kraft erfordert. Neue Ideen und aktive Mitarbeit sind immer willkommen.

Foto: Caroline Vilbrandt

Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt

Bernd Rubelt spricht über Potsdam im Wandel

Zum Abschluss unseres Jahresthemas 2025 sprach Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, am 10. Oktober in der Wissenschaftsetage über „bewahren – erneuern – entwickeln: Potsdams Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten“.

Chancen der Stadtentwicklung

Zu Beginn präsentierte Rubelt eine Karte zur Bevölkerungsentwicklung wachsender Metropolen (2021–2045) und zeigte damit die Dynamik, die Potsdam in den kommenden Jahren erwartet. Die Stadt punktet mit ihren natürlichen Gegebenheiten, gewachsenen Strukturen und einer hohen Lebensqualität. Besonders eindrucksvoll war eine Netzwerk-Grafik, die 134 Bildungs- und Wissenschaftsstandorte in Berlin und Brandenburg miteinander verband.

Wissenschaft in der Metropolregion

Potsdam verfügt bereits über drei bedeutende Wissenschafts- und Innovationscluster:

  • Life Sciences & Bio Tech auf dem Campus Golm
  • Medien, IT, Film und KI in Babelsberg, Griebnitzsee und Jungfernsee
  • Klima- und Erdwissenschaften auf dem Telegrafenberg

In den kommenden Jahren entstehen weitere Leuchttürme: Die Hasso-Plattner-Stiftung entwickelt den Campus Griebnitzsee zu einem europaweit führenden Standort für digitale Wissenschaften. Gleichzeitig entsteht am Brauhausberg ein neuer Universitätsstandort – unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude.

„Potsdam hat das Potential, zu einem globalen Ort der Innovation zu werden, an dem Visionen für die Zukunft Wirklichkeit werden.“  Hasso Plattner

Entwicklung folgt der Infrastruktur

Rubelt betonte, dass erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung nur gelingen kann, wenn Verkehrsplanung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und öffentliche Räume als Einheit gedacht werden. Dazu gehören ebenfalls Analysen und Maßnahmen zu:

  • Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums
  • Weiterentwicklung der Innenstadt
  • Zukunft der Plattenbauquartiere
  • Reduzierung der Versiegelung
  • Erhalt von Grünvolumen
  • Anpassung an den Klimawandel

Jahresthema 2025 Stadtentwicklung

Die Mitglieder des Kulturstadtvereins setzten sich 2025 mit der Stadtentwickung Potsdams auseinander. Unsere Partner dabei waren Kirchenhistoriker Andreas Kitschke, der ehemalige Oberbürgermeister Jann Jakobs, die Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam Sigrun Rabbe, der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V. Willo Göpel, der Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren Carsten Hagenau, Stadtführer Robert Leichsenring, der Grafiker und Autor Olaf Tiede sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt. Allen ein herzliches Dankeschön spannende Vorträge und erhellende Erkenntnisse.

Matthias Finken (links) mit Alexander Richter.

Stammtisch zum Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä

Am 1. Oktober war Alexander Richter, der Vorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Jyväskylä. zu Gast bei unserem Vereinsstammtisch. Matthias Finken, stellvertretender Vorstandsvorsitzender beim Kulturstadt e.V. begrüßte unseren Referenten auf Finnisch. Er hatte aus beruflichen Gründen fünf Jahre in Finnland gelebt. 

Alexander Richter fand seinen persönlichen Zugang zum Land der 1000 Seen über die finnische Literatur. Er ist seit vielen Jahren ein großer Finnland-Fan und organisiert auch alle zwei Jahre eine Bürgerreise in Jyväskylä.

Gastgeschenk 2019 war ein Apfelbäumchen, das mit einer großen Ehrentafel versehen in Jyväskylä gepflanzt wurde. Das Gegengeschenk aus Jyväskylä kam 2021: ein Apfelbäumchen, ein punakaneli – roter Zimtapfel! Es wurde im Volkspark gepflanzt und mit einem kleinen Plastikschild versehen, das inzwischen kaputt ist.

Im Herbst 2027 ist wieder eine Bürgerreise nach Jyväskylä geplant. Thema: Design und Genuss. Jyväskylä ist die Heimatstadt des bekannten Architekten Alvar Aalto.  

Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä:
Im Jahre 1992 gründete sich der Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä, um die bereits 1985 vereinbarten Beziehungen beider Städte mit Leben zu erfüllen. Seither gab es Bürgerreisen, Informationsveranstaltungen, Austausche auf musikalischer und künstlerischer Ebene und Lesungen finnischer Autoren. Hier profitiert Potsdam von der Nähe zu Berlin und der finnischen Botschaft.

Neue Interessenten sind beim Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä jederzeit willkommen.

Freundeskreis  Potsdam-Jyväskylä

Foto: Matthias Finken (links) reicht nach der Begrüßung das Mikrofon an Alexander Richter weiter.

Innenstadtspaziergang mit Sigrun Rabbe

In unserem Veranstaltungszyklus „Die Stadtentwicklung der Potsdamer Mitte“ führte uns Sigrun Rabbe am 16. September über den Alten Markt, die Uferpromenade der Alten Fahrt und den Steubenplatz mit der Ringerkolonnade.

Sie ist Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam und als solche für die Entwicklung der Quartiere rund um den Alten Markt zuständig. Aufgabe des Sanierungsträgers ist über die städtebauliche Entwicklung hinaus die Planung und Umsetzung von Straßen, Plätzen, Grünflächen und Promenaden mit hoher Gestalt- und Aufenthaltsqualität.

Der Sanierungsträger verantwortet dabei den Fördermitteleinsatz aus der Städtebauförderung. Seit über 25 Jahren ist der Alte Markt dabei ein Schwerpunkt. Sigrun Rabbe erklärte uns die Stadt aus Planerperspektive. Sie erzählte vom Straßenpflaster und Verlegemustern der Steine, dem Regelwerk des Pflasterleitfadens und die Herausforderungen der Höhenentwicklung zurück auf das historische Niveau. Immer wieder mit ironischem Unterton, wenn sie die eigene Fachsprache zitiert: Zum Beispiel, dass die Abgrenzung des Havelufers kein Geländer braucht, wenn sich dort ein „Bootsanleger für muskelbetriebene Wasserfahrzeuge“ befindet.

Sigrun Rabbe sprach über die Planung für die Blockbebauung an der Bibliothek, das komplizierte Vergabeverfahren für die Grundstücke und Unwägsamkeiten – Munitionsfunde, Bodenarchäologie und den schwierigen Baugrund- in der Innenstadt. So stand der inzwischen abgerissene „Staudenhof“ auf 959 massiven Betonpfeilern, die in der Baugenehmigung nicht verzeichnet waren. Sie werden drinbleiben und müssen bei der Fundamentierung des Neubaus berücksichtigt werden.

Am letzten Punkt des Rundgangs noch ein Fachwort: Die Ringerkolonnade, ein Denkmal, wurde translosziert, nämlich vom Neptunbassin an den geplanten Steubenplatz. Vielleicht wird bald auch Steuben translosziert.

Seit 1996 arbeitet Sigrun Rabbe in und für Potsdam, betreute die Entwicklung des Bornstedter Feldes sowie die Sanierung des Holländischen Viertels und der 2. Barocken Stadterweiterung. Es ist seit fast 30 Jahren ihre Arbeit, eine Arbeit die auch Herzenssache für sie ist. Das finden die Kulturstadt-Mitglieder ganz großartig, wie unsere Vereinsvorsitzende Fides Mahrla unterstrich.

Bolko Bouché

Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V.

Potsdamer Stadtschloß: Verein sammelt für Fassadenschmuck

Beim Kulturstadt-Stammtisch am 3. September 2025 berichtete Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V., über das Engagement seines Vereins. Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion des historischen Fassadenschmucks am Landtagsneubau. Dabei geht es überwiegend um Neuanfertigungen.

Der Verein hatte sich bereits für die Wiedererrichtung des Fortunaportals (1999/2002) und den Bau des brandenburgischen Landtags im rekonstrukierten Stadtschloß (2003/2005) eingesetzt. Aktuell arbeiten die rund 200 Mitglieder daran, den Skulpturenschmuck des Schlosses zu vervollständigen. Der Bau soll wieder mit insgesamt 118 Sandsteinfiguren verziert werden. Sie werden anhand von Fragmenten oder Fotografien neu modelliert und in Sandstein gehauen.

Als Vereinsvorsitzender ist Willo Göpel der wichtigste Spendensammler seines Vereins. Rund 70.000 Euro kostet die Herstellung einer einzigen Figur. Etwa ein Drittel der Figuren steht bereits an seinem Platz, und  jedes Jahr sammelt der Verein Spenden für ein bis zwei weitere. Göpel betonte, dass die detaillierte Kenntnis der Figuren Teil seiner Spendenstrategie sei: Sponsoren sollen für eine konkrete Skulptur begeistert werden. „Man muss einen Sponsor über das Motiv gewinnen. Aber nur jede zehnte Idee funktioniert“, erklärte er.

Zu den Arbeiten gehört auch die Rekonstruktion der Putten an der Fahnentreppe. Auf historischen Abbildungen sind sie ohne Instrumente dargestellt, doch Göpel verweist auf Fingerhaltungen, die auf Musikinstrumente schließen lassen. Vermutlich hielten die Figuren ursprünglich hölzerne Instrumente, die im Laufe der Zeit verloren gingen.

Ein nächster Schritt ist für den 16. September um 11:00 Uhr geplant: Dann sollen die Figuren Atalante und Hippomenes im Schlosshof aufgestellt werden – sichtbar vom Alten Markt in der Achse der Anna-Flügge-Straße.