Auf dem Babelsberg

In der Reihe Kultur zum Anfassen führte Regina von Berlepsch am 26. April 2022 über den Forschungscampus Babelsberg des Leibniz-Instituts für Astrophysik. Die Wissenschaftlerin und Leiterin der Institutsbibliothek hat Jahrzehnte auf dem Campus gearbeitet und an seiner Entwicklung teilgenommen. Sie ermöglichte uns einen sehr persönlichen Einblick in die Forschungsgeschichte und erklärte die Bedeutung der Sterne für das Kalendermachen. Das Privileg des Kalendermachens erforderte die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Astronomie und die Gründung der Königlichen Sternwarte zu Berlin.

Als Leiterin der Institutsbibliothek berichtete uns Regina von Berlepsch über die Geschichte der wissenschaftlichen Literatur über das Planetensystem. Ihre Bibliothek beherbergt Erstausgaben von Galileo Galilei, Tycho Brahe und Albrecht Dürer sowie die berühmten Rudolfinischen Tafeln von Johannes Kepler aus dem Jahr 1627 – gut geschützt hinter Glas. Wir erfuhren, dass trotz Digitalisierung der Erhalt der Originale eine wichtige Aufgabe ist. Manchmal sind sogar die Kritzeleien früherer Leser am Buchrand ein Gegenstand für die Forschung – wenn es sich dabei um prominente Forscher handelte.  

Beim Rundgang auf dem Gelände erläuterte unsere Begleiterin Aufgabe und Geschichte der zahlreichen Gebäude. Das Gelände direkt am Park Babelsberg war ein Geschenk Kaiser Wilhelm II.
Das heutige Humboldthaus war ab 1913 neuer Sitz der Berliner Sternwarte, die aus der immer größer werdenden Großstadt unter den damals noch ungestörten Babelsberger Nachthimmel zog. Heute ist das gesamte historische Ensemble der Sternwarte Babelsberg Teil des UNESCO-Welterbes und ein attraktiver Arbeitsplatz für über 100 Wissenschaftler. Wir verabschieden uns mit der symbolischen Übergabe der mit über 100 Euro gefüllten Tageskasse als zweckgebundene Spende an den Förderverein der Wissenschaftseinrichtung für die Restaurierung des Babelsberger Meridiankreises, dabei handelt es sich um ein historisches Messinstrument zur Messung von Sternörtern.

 

 

Vorfreude auf die Landesgartenschau in Beelitz

Inspiriert vom Vortrag des Pressesprechers der Laga Beelitz 2022, Enrico Bellin, beim virtuellen Februar-Vereinstreff, sind meine Frau und ich am Sonntag über das künftige LAGA-Gelände in Beelitz spaziert. Es liegt nur wenige hundert Meter südlich der Altstadt.

Das Gebiet wird durch die Mühlenstraße geteilt. Zunächst ging es vorbei an einem, idyllisch an einem kleinen See gelegenen, schmucken Pavillon in Richtung Westen. Zwar gab es jahreszeitlich bedingt keine Blumenpracht zu bewundern, den Blick auf die freie Feldflur fanden wir auch jetzt schon sehr reizvoll. Am Ende des Geländes liegt in Erinnerung an die ersten Slawen, die sich vor etwa 1100 Jahren in der Region niedergelassen haben, das kleine Slawendorf. Der Weg auf die andere Seite, in den größeren Teil der Landesgartenschau, führt am restaurierten Mühlenmuseum und einzelnen Schrebergärten vorbei Richtung Osten. Hier finden sicher ab Mitte April die meisten Veranstaltungen statt. Der große Kinderspielplatz wird schon jetzt stark frequentiert. In diesem Bereich wird der schmale Fluss Nieplitz in die Parklandschaft mit einbezogen. Unser Weg führte am „gestrandeten“ Schiff BEEThoven und einem wunderschönen Pavillon vorbei. Beides wird künftig als Café bzw. in den Abendstunden als Cocktailbar dienen.
Wenn mit dem Frühling die Blumen blühen, wird sich natürlich erst der volle Zauber der Gartenschau entfalten. Die bereits aufgestellten Skulpturen, Pavillons und die errichteten Gebäude vermitteln schon jetzt den Eindruck eines gelungenen Konzepts. Durch die Nähe zur Altstadt wird das Gelände bestimmt auch nach der LAGA gerne von den Beelitzern und ihren Besuchern als Naherholungsgebiet genutzt werden.

Die LAGA öffnet am 14. April 2022 für 200 Tage. Weitere Informationen hier.

Text und Fotos: Clemens Pusch

Beim Dezember-Vereinstreff war Christoph Olschewski, der Leiter der Arche Potsdam, bei uns im Chat und berichtete über die Arbeit mit den Kindern in Drewitz. Dort werden im Durchschnitt nicht nur 50 bis 80 Mittagessen täglich an bedürftige Kinder ausgeteilt, sondern auch Lern- und Freizeitangebote ermöglicht. Die Kinder erfahren Zuspruch und Ermunterung. Neben den Festangestellten gibt es mehr als 20 Ehrenamtliche, die sich um die Sorgen und Nöte der Kinder kümmern. Sie stärken und fördern das Selbstwertgefühl, die Selbstverantwortung, sowie die Talente und Potentiale jedes Einzelnen. Spontan gab es aus den Reihen unserer Teilnehmer Vernetzungs- und Unterstützungsangebote, wie zum Beispiel von Rita Reifenberg-Pusch zu Kultür Potsdam, Georg Maus zum Kinder- und Jugendtelefon, Peter Hahnel mit Erfahrung und Zeit für Kochkurse und von Monika und Prof. Dr. Bernd Rosenkranz zum Kinderprojekt Manenberg in Kapstadt. Vielen Dank für diese spontanen, guten GABEN.

Christoph Olschewski wies bei der Gelegenheit auf vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten für die Arche Potsdam hin. Eine kleine Zusammenfasschung schicke er uns per E-Mail, die wir nachfolgend zitieren:

Sachspenden:
Ø Hier sind wir z.B. mit einer Amazon-Wunschliste als Arche Potsdam aufgeführt.
Ø Weiter unten, indem man auf die Bilder klickt wie ‚Spielzeug‘ , ‚Lebensmittel‘,…sind wir ebenfalls in fast allen Rubriken als Standort Potsdam hinterlegt.
Ø Gebrauchte, gewaschene Kinderkleidung ist bei uns herzlich willkommen. Gerade Winterjacken und Schneeanzüge/-hosen werden aktuell benötigt.
Ø Auch weitere Sachspenden. Hierzu rufen Sie uns am besten an unter der 0331 – 64 74 65 20

Lebensmittel:
Ø Damit die Kühlschränke auch zur Advents- und Weihnachtszeit gefüllt sind, nehmen wir ab sofort Lebensmittel, gerne auch Haltbare, von Mo.-Fr.,10-17 Uhr entgegen wie H-Milch, Reis, Nudeln, Saucen, Säfte, Stollen, Kekse, Aufstriche, Müsli, Tee, Käse und Geflügelwurst (Mindeshaltbark.dat. beachten) ….alles, was eine mehrköpfige Familie so benötigt. Bitte ohne Schwein/ tierische Gelantine bei Süßigkeiten, damit wir unkompliziert allen Familien einfach helfen können. Quarantänen, die ganztägige Versorgung der Kinder einhergehend mit steigenden Lebensmittelpreisen mitsamt den Auswirkungen der Pandemie auf Beruf und Gehalt belasten unsere Familien sehr.

Geldspenden:
Hier ist es wichtig, unser Potsdamer Konto zu verwenden, damit die Spende auch für unseren Standort verbucht und somit unserer Tätigkeit zu Gute kommt! Sofortspenden-Formular auf unserer Homepage (mitsamt Ausfüllfeldern wie Adresse für Spendenbescheinigung,…):
Oder manuell:
Empfänger: Die Arche
IBAN: DE51 1002 0500 0003 0301 01
BIC: BFSWDE33BER
Kreditinstitut: Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Zweck + Name und Adresse für Ihre Spendenbescheinigung

Kinder spendeten für Kinder noch vor dem Fest Spiele, Winterkleidung und Lebensmittel.

Die Kinder der Arche in Potsdam-Drewitz freuen sich über die gute Gaben.

Sanssouci-Konzert Fantazye mit Weltpremiere

Zum 20-jährigen Jubiläum der Kammerakademie Potsdam schenkte das Orchester dem Publikum am 24. Oktober 2021 ein mitreißendes Hörerlebnis. Beim Auftakt der Reihe „Sanssouci-Konzert“ in der Friedenskirche gestaltete Noah Bendix-Balgley, selbst Klezmer-Geiger und erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, ein Programm zwischen Klassik und Klezmer mit Werken von Gideon Klein und Leó Weiner, gemeinsam mit den Potsdamer Musikern.

Der Höhepunkt des Konzertabends war die Uraufführung seines eigenen Violinkonzerts „Fidl-Fantazye: A Klezmer Concerto“, das sich genau an der Schnittstelle von jüdischer Musik und klassischer Formensprache bewegt. Eingängige Melodien, tänzerische Rhythmen und mitreißende Energie sind die typischen Markenzeichen der Klezmer-Musik, wie sie seit Jahrhunderten bei Hochzeiten und Volksfesten gespielt wird. Seit jeher waren Geigen, Kontrabass, Cello und Flöten beteiligt, später häufig Klarinetten und auch ganze Orchester.

Im Anschluss an das Konzert erlebten wir eine kurzweilige Klezmer-Session mit Noah Bendix-Balgley (Violine) und seinem Freund und früheren Lehrer Alan Bern (Akkordeon), gewürzt mit kleinen Anekdoten. So erzählte zum Beispiel Alan Bern, dass er 1991 nicht geahnt hat, dass der damals siebenjährige Noah solch ein Weltklasse-Talent werden würde.

Begeistert äußerte sich am Abend in der Verein-WhatsApp-Gruppe unser Mitglied Irmgard Hratzki. „Es war ein Erlebnis. Klenzmer ist Lebensfreude pur“, schrieb sie.

Tipp für alle, die nicht dabei sein konnten: Der rbb hat das Konzert aufgezeichnet und sendet es am 2.12.2021 um 20:04 Uhr in der Sendung „rbbKultur Radiokonzert“.

Führung über den Südwestkirchhof Stahnsdorf

Nach fünf Jahren Pause war wieder einmal der Südwestkirchhof in Stahnsdorf Ziel des Kulturstadtvereins. 2021 sind viele Neumitglieder dabei, die Gerhard Petzholtz, der selbst 28 Jahre auf dem Friedhof arbeitete und wohnte, mit viel Hintergrundwissen und spannenden Geschichten informierte. Ein Teil der Gruppe traf sich am Campus Griebnitzsee und radelte gemeinsam auf der verlängerten Stahnsdorfer Straße, dann Alten Potsdamer Landstraße zum Kirchhof, der andere Teil nutzte die direkte Buslinie vom Potsdamer Hauptbahnhof oder eine Mitfahrgelegenheit im PKW.

Der Südwestkirchhof Stahnsdorf gehört neben Venedigs Toteninsel San Michele, dem Wiener Zentralfriedhof und Père Lachaise in Paris zweifellos zu den „Top Ten“ der europäischen Begräbnisstätten. Er ist ein Ort der Superlative: der größte Waldfriedhof Deutschlands, er beherbergt bedeutende Denkmäler der Bestattungskunst, die letzten Ruhestätten herausragender Persönlichkeiten und eine einzigartige Begräbniskapelle im Stile norwegischer Holzkirchen mit Jugendstilelementen.

Grabstätten wie die des Auto- und Flugzeugingenieurs Edmund Rumpler, des Sohnes von Theodor Fontane, von Entertainer Dieter-Thomas Heck, von Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau oder ein expressionistisches Grabmal von Max Taut für Julius Wissinger stehen für die große Vielfalt.

Zufällig begrüßte Gerhard Petzholtz während der Führung den seit dem Jahr 2000 als „Rübchenkönig I“ geadelten Günter Duwe, der sich um das Teltower Rübchen verdient gemacht hat. Der heute 94-Jährige besuchte mit seinem Sohn den Friedhof und genoß das Treffen mit alten Bekannten.

Glücklicherweise konnten wir die imposante Holzkirche – trotz der Schließung wegen Tonaufnahmen – auch noch von innen besichtigen, indem die Musiker einfach eine Pause einlegten und den Erläuterungen des Ur-Urenkels Wilhelm von Türck lauschten. 

Nach der gemeinsamen Mittagsrast im Lokal Tick-Tack machten die Radler auf der Rückfahrt noch einen Zwischenstopp am Jagdschloß Stern.

Würdiges Gedenken

Im Rahmen von Auslandseinsätzen der Bundeswehr – u.a. auf dem Balkan und in Afghanistan – sind mehr als einhundert Soldaten und Soldatinnen gefallen bzw. ums Leben gekommen. Im Gedenken daran sind verschiedene Ehrenhaine durch Eigeninitiative betroffener Kameraden und Kameradinnen vor Ort entstanden, erklärte Stabsfeldwebel Michael Eichstaedt während einer Führung für den Kulturstadtverein im „Wald der Erinnerungen“.  Diese Ehrenhaine sind mit einfachsten Materialien aus der näheren Umgebung – ob Findling oder Mauerziegel – gestaltet und machen den Tod eines Kameraden, der plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, begreifbar und fassbar.

Im neu geschaffenen „Wald der Erinnerungen“ finden die bereits nach Deutschland zurückgeführten Ehrenhaine einen würdigen und endgültigen Ort. Die angebrachten Namenstafeln schaffen eine Atmosphäre zum „Innehalten“ und für Trauer und Erinnerung. Stabsfeldwebel Eichstaedt, der selbst fünf Auslandseinsätze (1053 Tage) erlebte, schilderte einfühlsam das Schicksal einzelner Kameraden, die auf unterschiedlichste Weise zu Tode kamen.

Der „Weg der Erinnerung“ beginnt vor dem Informationsgebäude und führt zunächst an acht Namensstelen vorbei durch das leicht hügelige Gelände bis zum „Ort der Stille“. Auf den Stelen sind die Namen der Toten der Auslandseinsätze chronologisch aufgeführt. Die bronzenen Letter der Namensbänder sind erhaben, so dass sie berührt und angefasst werden können.

Ein ganz besonderer Ort für individuelles und privates Erinnern ist der Friedwald für die Hinterbliebenen. Die toten Kameraden sind durchweg junge Menschen, die Hinterbliebenen sind Familien, Kinder, Frauen, Männer, die hier in würdevoller Umgebung um ihre Lieben trauern können.

Auf die Frage an die Teilnehmer, „Wer ermöglicht unseren Dienst?“ bekam Eichstaedt zögerlich Antwort. Alle möglichen Erklärungen, wie z.B. die Bundesregierung, unsere Steuern etc. kamen aus der Runde. An die Familien hatte niemand sofort gedacht. Betroffen und nachdenklich endete die Führung.

Der „Wald der Erinnerung“ ist eingebettet in den gewachsenen Baumbestand der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Potsdam-Schwielowsee, dem Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, er befindet sich auf einem rund 4.500 Quadratmeter großen Areal.

Am 24. September 2021 wird der Gedenkstein aus Mazar-e Sharif auf seinen endgültigen Platz verkrant. In Afghanistan ließen 59 deutsche Soldaten ihr Leben, davon fielen 35 durch Fremdeinwirkung.

Besucherinformation:  Tägliche Besichtigung zwischen 10 und 16 Uhr > weitere Informationen

29. August: Kulturerbenfest – wir waren dabei

Am 29. August konnten die Potsdamer Kulturerben ihr gemeinsames Fest auf den Alten Markt begehen. Die Potsdamer Kulturerben, das sind mehr als 50 Vereine und Initiativen mit rund 2600 Menschen, die sich ehrenamtlich für den Erhalt, die Pflege und die Vermittlung der zahlreichen Bau-, Garten- und Industriedenkmale unserer Stadt einsetzen. Das Fest der Kulturerben ist ein Forum zum Austausch von Ideen rund um das Engagement in der Denkmalpflege. Hier präsentierten die Kulturerben ihre Erfolge vor den Potsdamer Bürgern.

Organisiert wurde das Fest vom Kulturstadt Potsdam e.V. zusammen mit der Denkmalpflege der Stadt Potsdam. Mit vor Ort waren Matthias Finken und unser Kulturerben-Organisationsteam, Vereinsvorsitzende Fides Mahrla und als Betreuer am eigenen Kulturstadt-Stand Brigitte Schneider, Hsiu-Mei und Ralf Cabos sowie Karin Genrich.

Der Kulturstadtverein koordiniert das Kulturerben-Netzwerk und unterstützt die Vereine bei der Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliedergewinnung. Oberbürgermeister Maik Schubert eröffnete das Kulturerbenfest und dankte den Aktiven für ihr Engagement.

Mehr Sein als Schein – das war das Motto des Kulturerbenfestes. Es bedeutet ohne viel Aufsehen ein Stück Potsdamer Kulturerbe in Obhut zu nehmen und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. Dieses Motto spiegelte wunderbar das Selbstverständnis der Kulturerben wider.

An 20 Ständen erzählen die Kulturerben die Geschichte ihrer Denkmale, sie berichteten über historische Handwerkstechniken und kamen mit den Potsdamern ins Gespräch. Für das bunte Rahmenprogramm sorgten unter anderem das Jazz Quartett des Landespolizeiorchesters Brandenburg, die Tanzakademie Erxleben mit einer Präsentation der Potsdamer Tugenden durch Kaspar v. Erffa und die Coverband PUSSYTRAKTOR.

Video Kulturerbenfest von Vorstandsmitglied Olaf Gutowki

Volkspark Potsdam für das Bornstedter Feld

Der Volkspark prägt den neuen Stadtteil Bornstedter Feld mit bald 14.500 Einwohnern. Das haben wir bei einer sehr interessanten Führung von Sigrun Rabbe erfahren. Sie selbst hat die Entwicklung des Parks und des Bornstedter Feldes als neues Wohnquartier Potsdam in verantwortlicher Position bei der Pro Potsdam als Landschaftsplanerin seit 1996 eng begleitet.

Wandel durch die BUGA 2001

Der Volkspark wurde anlässlich der Bundesgartenschau, die 2001 in Potsdam stattfand, errichtet. In Ergänzung und zur Entlastung der historischen Parkanlagen war es Ziel, durch Konversion der hoch belasteten ehemaligen russischen Militärflächen, eine neue, zeitgemäße Parkanlage zu schaffen, die für alle aktiven Freizeitnutzungen offensteht und den Mangel an tatsächlich nutzbarem Grün in Potsdam beseitigt.

Ökologie hat oberste Priorität

Als grünes Herz des neuen Stadtteils Bornstedter Feld ist der Park eng mit den neuen Wohnquartieren verzahnt. Und sorgt dafür, dass in der ökologischen Bilanz die grüne Null für den Entwicklungsbereich steht. Er bietet darüber hinaus inzwischen jährlich ca. 400 000 Besuchern Erholung, Freizeit, Sport und Entspannung. Eine durchdachte Aufteilung mit Wald-, Sport-, Freizeit und Biotopflächen eröffnet eine Menge Möglichkeiten, die Natur unmittelbar im Wohngebiet zu genießen.

Lernangebote im Schulgarten „Wilde Möhre“

Von den begehbaren Wällen, die durch ein Brückensystem verbunden sind, kann man die Parkanlagen aus verschiedenen Perspektiven erleben. Hier ist überall die Nutzung der Flächen erlaubt. Abgerundet wird das Angebot durch den Schulgarten, das grüne Klassenzimmer und Lernangebote, die sich harmonisch in den Park einfügen.

Wir hatten einen interessanten und abwechslungsreichen Nachmittag und hoffen, dass Potsdam sich immer daran erinnert, dass der Volkspark – so wie er ist – eine wichtige ökologische, soziale und Naturschutzfunktion hat und alle Begehrlichkeit an den Flächen abgewehrt werden.

„Ab in die Sommerfrische“ – Bezahlt wird hinterher

Seit 2006 beginnt das Sommertheater mit einem Vorgespräch zwischen Mitgliedern und Theaterleuten des Poetenpacks: zunächst im Q-Hof, dann im Heckentheater gleich neben dem Neuen Palais im Park Sanssouci.

Welches Stück kommt ins Programm?

Schauspieler Reiner Gabriel stand wie schon im Vorjahr Rede und Antwort über Aktuelles von der Theatergruppe Poetenpack und deren Sommerprogramm. Dabei sei die Auswahl eines unterhaltsamen Open-Air-Stückes alles andere als einfach, berichtete er, denn schnell lande man bei den Klassikern Shakespeares, Molieres oder Goldonis. Eine Antwort auf die Frage „Was hätten Sie gern?“, blieben wir ihm vorerst schuldig.

Auf dem Spielplan des Theatersommers Sanssouci 2021 steht das Stück „Ab in die Sommerfrische“, eine Komödie von Carlo Goldoni. Das Potsdamer Ensemble holt diese boshafte Satire aus dem 18. Jahrhundert über die Dekadenz der feinen Gesellschaft, die sich alljährlich aus Land in den Urlaub verzieht, in die Gegenwart.

Aus Drei mach Eins

Regisseur Kai O. Schubert komprimierte die drei Stücke Goldonis („Die Trilogie der Sommerfrische“, 1761). Und das funktioniert gut: Gezeigt wird besagte Sommerfrische in drei Akten: Süße Vorfreude, bittersüßer Aufenthalt und bittere Nachwehen. Auch 250 Jahre nach der Uraufführung hat die Trilogie das Zeug dazu, uns den Spiegel vorzuhalten. Denn: „Eine Gesellschaft, die auf Pump lebt, alle sind bankrott, alles kracht zusammen – das kommt mir alles sehr aktuell vor.“ (Claus Peymann). Immer nach dem Motto: „Bezahlt wird, wenn ich zurück bin“.

Koste es, was es wolle

Im Stück treiben zwei alteingesessene Familien sich und ihren Anhang in hysterische Hektik und in den Bankrott – nur um standesgemäß ihren Urlaub antreten zu können. Am Luxusdomizil angekommen, erwartet die Gesellschaft in sonniger Hitze die Tristesse jährlich wiederkehrender Rituale. Nur kein Stillstand. Spiel, Sex, Geld, Intrigen und hochdosiertes Wohlstandskalkül halten den dekadenten Mikrokosmos am Laufen – bis das letzte Herz vergeben, der letzte Ehevertrag unterzeichnet und der letzte Schuldschein unterschrieben ist. Dann heißt es: Ab nach Hause und auslöffeln, was man sich in der Sommerfrische eingebrockt hat!

Zum Schluß singen sie alle „What a wonderful world“ – dass dies zu bezweifeln ist, zeigt die Inszenierung deutlich. Auf sommerleichte Art mit einem begeisterten, dankbaren Publikum und zufriedenen (satten) Stechmücken.

7. Juli – Stammtisch zur Garnisonkirche

Unser 2. Stammtisch zur Garnisonkirche fand dieses Mal als hybride Veranstaltung statt. 20 Vereinsmitglieder trafen sich in der Nagelkreuzkapelle, weitere verfolgten die Vorträge zuhause am Monitor.

Zu Gast waren die Wissenschaftler vom ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr): Oberleutnant Helene Heldt und Oberstleutnant Dr. John Zimmermann.

Helene Heldt sprach über die „Die Bedeutung der Garnisonkirche für die Stadt und für das Militär sowie der Tag von Potsdam 1933″. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Deutsche Militärgeschichte bis 1945und setzt sich in einer Dissertation mit dem Thema auseinander. Außerdem begleitet sie die Konzeptentwicklung für die Garnisonkirche als Europakirche mit fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dr. John Zimmermann ist seit 2019 Leiter des Forschungsbereichs Deutsche Militärgeschichte bis 1945 im ZMSBw. Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der Universität Potsdam.

Die Garnisonkirche als Militärkirche

Friedrich Wilhelm I. beauftragte den Bau einer Kirche für das Militär, da er überzeugt war, dass der Glaube die Soldaten „einhegen“ würde. Die erste Garnisonkirche war eine Fachwerkkirche – nach neun Jahren instabil und musste abgerissen werden. Die Garnisonkirche hatte eine Militär- und eine Zivilgemeinde sowie einen Pfarrer für das Militär und einen für die Bürger. Den militärischen Geist erkannte man an den 200 Trophäen (Fahnen) von besiegten Regimentern aus den verschiedenen preußischen Schlachten. Nach dem 1. Weltkrieg wurden sie durch die Fahnen der in Potsdam stationierten und nun demobilisierten Truppen ersetzt. Das demoralisierte die Vertreter des kaiserlichen Militärs doppelt.

Der Tag von Potsdam

Die Garnisonkirche in Potsdam wurde von der Stadt nach dem 21. März 1933 als „Geburtsstätte des Dritten Reiches“ vermarktet. Es gab sie auf einer Fünf-Mark-Münze und in der Tourismus-Werbung. Für die Nazis spielte die Garnisonkirche keine Rolle. Sie hatten auch kein Interesse an dem „Handschlagfoto“ von Reichskanzler Adolf Hitler und des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Goebbels nannte den Tag „Rührkommödie“ – aber er inszenierte ihn im Rundfunk als Massenereigenis. Die Stadt Potsdam hatte nach 1933 die Symbolik für ihr Marketing umgedeutet. John Zimmermann verwies auf die Darstellungen der Historiker Thomas Wernicke und Martin Sabrow, die im Tag von Potsdam eine Machtdemonstation des alten Kaiserreiches sehen.

Gründe für die Sprengung

Nach 1945 waren der Tag von Potsdam und die Garnisonkirche nicht mehr im Blickfeld der Bevölkerung. Die Militärgemeinde war aufgelöst. Die Evangelische Kirche und erst recht die Stadt waren mit dem Erhalt der Ruine und einem möglichen Wiederaufbau überfordert. 1968 erfolgte die Sprengung auf einen Mehrheitsbeschluss der Stadtverordneten. In der Zeit danach bis heute wurde wiederholt berichtet, dass die Sprengung auf Weisung der SED bzw. von Walter Ulbricht persönlich erfolgte. Dieses sei durch Quellen nicht zu belegen, sagte John Zimmermann. Zeitzeugenberichte wären von der Geschichtswissenschaft als subjektiv zu bewerten. Es bestehe besonders bei handelnden Personen die Tendenz zur Interpretation.

Aktuelle Interpretationen

Nach heutiger Mehrheitsmeinung wurde die Garnisonkirche gesprengt, weil die DDR-Oberen in ihr einen Hort des Preußentums und des Faschismus sahen. Die Werbung als „Geburtsstadt des Dritten Reiches“ und das Handschlagfoto von Theo Eisenhart in der New York Times werden als Beweis für diese Darstellung herangezogen – richtig ist die Aussage deswegen nicht. Für Potsdam war die Garnisonkirche ein Hemmnis für den Wiederaufbau von Wohnraum und für die Schaffung einer großzügige Straßenführung und musste deshalb weg.