Beim Juli-Vereinstreff führte Dr. Silke Kiesant, Kustodin der Skulpturen- und Uhrensammlung der SPSG, die Mitglieder in die Kunst der Uhrmacher des 18. Jahrhunderts ein. Friedrich II. bezog bereits in den 1740er Jahren hochwertige Uhren aus Frankreich zur Ausstattung der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam sowie für das Schloss Sanssouci. Dabei orientierte sich der preußische König geschmacklich wiederholt am Dresdner Hof.
Obwohl schon um 1700 hugenottische Familien mit Uhrmachertradition in die brandenburgisch-preußische Residenzstadt gekommen waren, bestand bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ein deutlicher Fachkräftemangel. Daher wurden im Kanton Neuenburg in der französischen Schweiz gezielt Uhrmacherfamilien angeworben. Rund 20 Urmacher folgten dem Ruf und durften ihre Werkzeuge mitbringen, mussten jedoch Materialien aus heimischer Produktion verwenden.
Der Schweizer Uhrmacher Johann Rudolph Fischer
Der Name Johann Rudolph Fischer erscheint erstmals im Taufregister von Sankt Jakob in Köthen: 1738 wird dort die Taufe seiner Tochter Charlotte Juliane verzeichnet. Bemerkenswert ist, dass Fürst August Ludwig von Anhalt-Köthen persönlich als Pate auftrat. Fischer wird bereits hier als „hoch privilegierter Uhrmacher“ bezeichnet und steigt später zum fürstlichen Hofuhrmacher auf.
Nach dem Tod August Ludwigs im Jahr 1755 geht Fischer nach Potsdam, wo er unter Friedrich II. zum königlich-preußischen Hofuhrmacher wird und ein Wohnhaus am Berliner Tor erhält. Der um 1713 in Basel geborene Fischer stirbt am 30. Juni 1778 in Potsdam.

Bodenstanduhr mit ehemals Harfenwerk von J.R. Fischer
Besonders beliebt waren bei Friedrich II. die Musikspieluhren mit einer hoch komplizierten Mechanik. Auch diese Prachtuhr gehört zu den Meisterwerken von Johann Rudolph, die ursprünglich über ein Harfenwerk verfügte.
Die reich verzierte Standuhr gliedert sich in Sockel, Pendelkasten und Kopf und ist mit aufwendigen, feuervergoldeten Gelbgussornamenten im Stil des Rokoko ausgestattet. Typisch sind Rocaillen, Blumenmotive und Akanthusblätter. Auffällig ist die Signatur des aus Paris stammenden Vergolders Nicolas Morel.
Friedrich II. ließ die Uhr für das Chinesische Haus im Park Sanssouci anfertigen, dessen Innenausstattung nach dem Siebenjährigen Krieg ab 1763 vollendet wurde. Zeitgleich entstand im Neuen Palais eine nahezu identische Uhr desselben Typs. Während sich dieses Exemplar harmonisch in das Interieur einfügt, wirkte die Uhr im Chinesischen Haus vermutlich als stilistischer Fremdkörper – möglicherweise war ursprünglich ein anderer Aufstellungsort vorgesehen.
Königliche Uhrenmanufakturen
1765 kam der aus dem damaligen Fürstentum Neuenburg stammende Abraham-Louis Huguenin (1733-1804) in die preußische Hauptstadt. Dieser Schweizer Uhrmacher war berühmt für seine Pendulen mit Carillon und Flötenwerk, aber auch mit kalendarischen und astronomischen Indikationen. König Friedrich II. ernannte ihn zum Generalinspekteur der Uhrmacherei in Berlin und übertrug ihm die Leitung der dortigen Königlichen Uhrenmanufaktur. Außerdem entstand auf Anordnung Friedrichs II. in Friedrichsthal bei Oranienburg eine Manufaktur, die auf die Herstellung von mechanischen Einzelteilen für Uhren, besonders für Email-Zifferblätter, spezialisiert war. Der König verfolgte damit das Ziel, die Produktion im eigenen Land zu stärken und sich von Importen unabhängiger zu machen.
In diesem Zusammenhang siedelten 20 Uhrmacher mit ihren Familien im Jahr 1782 aus der französischen Schweiz nach Friedrichsthal über und bezogen eigens für sie errichtete Wohnhäuser. Der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus: Für die gefertigten Uhren fand sich im damaligen Preußen nur ein begrenzter Absatz, sodass die Berliner Uhrenmanufaktur schon 1770 geschlossen und die Produktion in Friedrichsthal Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurde. Heute erinnern vor allem die Kolonistenhäuser an der Friedrichsthaler Chaussee an diese kurze Phase der Ansiedlung.
Zuwanderer gaben Impulse für die heimische Entwicklung
Silke Kiesant fasste ihren Vortrag wie folgt zusammen: Ohne die landesherrliche Protektion im Bereich der Luxusgüterproduktion und ohne Friedrichs ausgeprägtes Interesse an Musikspieluhren wäre diese Entwicklung kaum denkbar gewesen. Die angeworbenen Schweizer und französischen Uhrmacher brachten wertvolles Fachwissen ins Land, während einheimische Handwerker in den Manufakturen ausgebildet wurden und so nachhaltig von diesem Wissenstransfer profitierten.
Foto: Fischer, Johann Rudolph: Bodenstanduhr, ehemals mit Harfenwerk, 1763/1764, V 19., CCBY ©Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/ Ziebe, Oliver (Berlin, 2020)


