Auf der Baustelle des zukünftigen Kreativ Quartiers Potsdam

Mit großer Spannung erwarteten die Teilnehmer an der Baustellenführung den Projektentwickler des Kreativ Quartiers Potsdam, Christopher Weiß, am 13. Mai 2024 vor dem Unicorn Workspace auf dem Kutschstall-Hof.

Der Platz vor dem HPBG war wie so oft leer und verwaist. Genau hier setzte der Geschäftsführer der Glockenweiß GmbH an. Er will mit der Entwicklung des Kreativ Quartiers für Fußgänger und Radfahrer eine neue Achse zwischen Hauptbahnhof, Neuen Markt, Kutschstall bis hin zur Plantage und Richtung Innenstadt schaffen. Er wünscht sich ein lebendiges Quartier.

Aus einem im Jahr 2019 vom Sanierunsträger Potsdam ausgelobten konzeptbasierten Bieterverfahren ging sein Konzept in Zusammenarbeit mit Partnerfirmen als Sieger hervor. Es sieht für das gesamte Areal eine dreiseitige Blockrandbebauung sowie im Inneren frei stehende Gebäude vor. Im Zusammenspiel von Gebäuden und Freiflächen entsteht ein kleines „Village“, was den unterschiedlichen Nutzungen gerecht wird. Das Büro &MICA wurde Gewinner des anschließenden Realisierungswettbewerbs.

Bezahlbare, moderne Räume für Kreative

Bis 2026 entsteht ein lebendiger Ort für die Kultur- und Kreativwirtschaft. In sieben Gebäuden und auf insgesamt 25.000 qm entstehen Büros, Ateliers, Studios, Läden, Proberäume, Cafés und Apartments. Von den 25.000 qm Mietfläche sind 16.000 qm für die Kultur- und Kreativwirtschaft vorgesehen, davon etwa die Hälfte, also 8000 qm, mietpreisgebunden. Die nutzungs- und mietpreisgebundenen Flächen starten mit einer Anfangsmiete von 9 EUR/Quadratmeter netto kalt. Das ist für den Investor bindend und im Grundbuch eingetragen. Ein Angebot für die Kreativen, aus dem Rechenzentrum umzuziehen.

Ehemaliger Lange Stall

Hinter der Prachtfassade des Südportals des ehemaligen Langen Stalls wurde mittlerweile die tiefe Baugrube geschlossen. An dieser Stelle wird der Zugang von der Breiten Straße zum zukünftigen Kreativ Quartier Potsdam erfolgen. Geplant ist eine große, offene Eingangshalle für Ausstellungen und Veranstaltungen. Ursprünglich bestand die Idee, für das Potsdam Museum eine Außenstelle zur Präsentation der städtischen Kunstwerke einzurichten. Dafür gab es leider kein Interesse der Landeshauptstadt.

In wenigen Wochen wird der Garnisonkirchturm mit seiner Ausstellung und der Aussichtsplattform eröffnet und zahlreiche Besucher anziehen. Vom Turm bietet sich ein hervorragender Überblick über das künftige Kreativ Quartier.

Das große, aufsteigende Dach mit der sogenannten »Supergaube« in Richtung Plantage ist bereits erkennbar. Die Dachform ist eine moderne Interpretation des historischen Langen Stalls, der vorwiegend für die mietpreisgebundenen Flächen vorgesehen ist.

Der Lange Stall wurde im Jahr 1734 anstelle eines Vorgängerbaus nach den Plänen von Pierre de Gayette als Exerzier- und Reithalle in Fachwerkbauweise errichtet. Er erstreckte sich von der Breiten Straße, entlang der Plantage bis zur Straße Am Kanal (der heutigen Yorckstraße). Der Stall war 167 Meter lang, 23 Meter breit und hatte eine freitragende Deckenkonstruktion. In der Nacht von Potsdam 1945 ist das Gebäude abgebrannt. Nur das südliche Portal blieb erhalten und gehört der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Wird das Rechenzentrum Potsdam abgerissen?

Das weiß momentan niemand, es gibt viele unterschiedliche Aussagen. Es wurde nicht, wie ursprünglich im Investorenvertrag mit der Stadt festgehalten, zum 01.01.2024 zurückgebaut. Von der Politik wurde eine Verlängerung des Erhalts des Rechenzentrums bis Januar 2026 beschlossen. Was danach passieren soll, wird die Stadtpolitik in einer für 2024/2025 geplanten Machbarkeitsstudie ergründen.

Interessenten können gern den Newsletter vom Kreativ Quartier abonnieren und sich über den weiteren Verlauf informieren lassen: Anmeldung auf der Webseite

KAPmeets Tabea Zimmermann

„Voilà Viola“ stand über dem Konzert der Kammerakademie unter Leitung der Solistin Tabea Zimmermann am 27. April 2024, das Mitglieder des Kulturstadtvereins besuchten. Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als „Musikerin mit dem Instrument Bratsche“ und wird weltweit für ihr tiefes musikalisches Verständnis und die Natürlichkeit ihres Spiels gefeiert. Viele Konzertbesucher nutzten die kleine Konzerteinführung mit der Geschäftsführerin Adrianna Kussmaul und der KAP-Cellistin Alma-Sophie Starke. Eine kluge Entscheidung, denn es kam ein besonderes Programm zur Aufführung. Im Mittelpunkt des Konzertabends stand der Berliner Komponist Paul Hindemith (1895 – 1963), der selbst Bratschist war und unzählige wegweisende Werke für das Instrument schrieb und es stets als Soloinstrument exponierte.

Die Bratsche (der Name kommt aus dem Italienischen, viola da bracio = Armgeige) fristete lange Zeit ein Mauerblümchendasein neben dem Klang der Violinen. So schrieb Hector Berlioz 1844 in seiner Instrumentationslehre, dass „der Ton ihrer tiefen Saiten einen eigentümlichen, herben Klang hat, während ihre Töne in der Höhe einen traurig-leidenschaftlichen Charakter annehmen“. Gleich zu Beginn spielte Tabea Zimmermann die Solosonate op. 25 Nr. 1 von Hindemith und lieferte einen anspruchsvollen Beweis für die beschriebene Charakteristik.

Bei der Kantate „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) kamen zur Bratsche, Fagott, Streicher und Cembalo hinzu, während bei der anschließenden „Trauermusik“ von Hindemith das Streichorchester mit Solo Viola zum Klang kam. Zu deren Entstehungsgeschichte erzählte die Künstlerin beim Nachgespräch im Foyer, dass sich Hindemith 1936 gerade auf Konzertreise in London befand, um den „Schwanendreher“ persönlich uraufzuführen, als König Georg V. zwei Tage vor dem Konzert starb. So komponierte Hindemith, der stets schnell arbeitete, innerhalb von wenigen Stunden die Trauermusik für Viola und Streichorchester. „Er habe sehr schnell getrauert“, soll sein Kommentar gewesen sein.

Die Meditation über Bachs Choral „Vor deinen Thron tret ich hiermit“ von Sofia Gubaidulina (*1931), die das Werk als Synthese östlicher und westlicher Tradition versteht, gehört zum Genre der experimentellen Musik. Die Musiker spielten es mit Esprit und Hingabe, die Zuhörer ergründeten 13 Minuten deren Faszination.

Nach der Pause wurde die Serenade Nr. 2 A-Dur op.16 von Johannes Brahms (1833-1897) mit Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagott, Hörnern und Streichern aufgeführt. Die fünf Sätze der Serenade erinnern mit ihrem überwiegend freundlich-gelassenem und lyrisch-poetischem Tonfall an vergangene Zeiten.

Beim Gespräch nach dem Konzert im Foyer des Nikolaisaals beantwortete Tabea Zimmermann die kurzweiligen Fragen von rbb-Moderatorin Anja Herzog mit Herzblut und Sympathie. So zum Beispiel, ob es nicht schwer wäre, auf der Bratsche musizieren zu lernen. „Gar nicht“, kam prompt die Antwort von der Südbadenerin. Es hänge einzig und allein von der Qualität des Musiklehrers ab. Es müsse zum Erlernen eines Instrumentes die beste Lehrkraft gefunden werden.

Ganz nebenbei erfuhren die Zuhörer, dass die Künstlerin Präsidentin der Schweizer Hindemith-Stiftung ist und ein besonderes Interesse daran hat, dass Hindemith-Kompositionen zur Aufführung gelangen, um über die fälligen GEMA-Gebühren die wissenschaftliche Aufarbeitung des Gesamtwerkes finanzieren zu können. Gut, dass wir unseren kleinen Beitrag dazu geleistet haben.

Foto: Marco Borggreve

Potsdam und Versailles – zwei schöne Schwestern

Beim Vereinstreff am 3. April 2024 stellte Jutta Michelsen, Vorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Versailles e.V., die Entwicklung und die Vereinsaktivitäten der Städtepartnerschaft vor. Seit mehr als zehn Jahren bietet der Verein attraktive Angebote für Mitglieder und Interessierte an.

Die Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Versailles hat eine lange Vorgeschichte. So gründete sich noch vor der deutschen Wiedervereinigung in Potsdam im Juni 1990 die Deutsch-Französische Gesellschaft, die mit Veranstaltungen und Reisen fundierte Kenntnisse über Frankreich vermittelte. Es gab sogar erste Kontakte nach Versailles,  man regte eine Städtepartnerschaft an, aber die Zeit war dafür noch nicht reif – Versailles hatte bis dahin Anfragen aus aller Welt stets abgelehnt und Potsdam war bereits seit 1974 mit Bobigny verbunden. Bobigny liegt drei Kilometer nordöstlich von Paris, zehn Kilometer vom Zentrum der französischen Hauptstadt entfernt. Der Austausch zu DDR-Zeiten beschränkte sich auf einseitige Besuche der Franzosen in Potsdam. Die Partnerschaft zu Bobigny wird derzeit leider nicht aktiv gelebt.

2013, zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags durch de Gaulle und Adenauer, gaben die Versailler ihre Zurückhaltung auf. Im September 2013 unterschrieben die Bürgermeister von Potsdam und Versailles eine Absichtserklärung und im Juni 2016 wurde der Partnerschaftsvertrag schließlich offiziell unterzeichnet. Auf bürgerschaftlicher Seite war damals Oliver Germer die treibende Kraft – er war Elternvertreter an der Goethe-Grundschule, die bereits enge Kontakte zu einer Grundschule in Versailles unterhielt.  Beide Städte passen offensichtlich ideal zusammen: sie befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptstadt-Metropolen und stehen sich bei Anzahl und Pracht der Gesamtkunstwerke, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, in nichts nach.

Seitdem entwickelte sich ein reger Austausch zwischen den Bürgern der Partnerstädte, die sich wechselseitig besuchen und dabei die Sprache, die Kultur und die Geschichte des jeweils anderen kennenlernen und eine wunderbare Gastfreundschaft erfahren. Der Freundeskreis Potsdam-Versailles e.V. vermittelt Kontakte zwischen Organisationen, Institutionen und Bürgern beider Städte. Er vermittelt Schulpartnerschaften für Potsdamer Schulen, organisierte zwei Bürgerreisen 2014 und 2015 und unterstützt die Stadtverwaltung bei der Vorbereitung von Treffen der beiden Bürgermeister. Viele herzliche Freundschaften sind in den wenigen Jahren entstanden!

Finanziell hilfreich ist dabei der Deutsch-Französische Bürgerfonds, der Gruppen fördert, die sich mit Projekten aktiv für eine starke europäische Zivilgesellschaft einsetzen.

Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig zum Austausch und zur Planung neuer Aktivitäten. Interessierte sind dabei jederzeit herzlich willkommen – eine kurze E-Mail genügt, betonte Jutta Michelsen zum Schluss ihres Vortrags. Die nächsten Termine sind auf der Webseite des Vereins zu finden.

Übersicht der Partnerstädte der Landeshauptstadt Potsdam – PDF

Havelländische Malerkolonie zeigt „Max Koch – Das Spätwerk“

Im Jahr 2008 wurde im letzten erhaltenen Kossätenhaus in Ferch ein Museum eröffnet, das inzwischen Mitglied in euroArt, einer Vereinigung europäischer Künstlerkolonien, geworden ist.  Im Mittelpunkt der Arbeit stehen regelmäßige wechselnde Ausstellungen, Fachvorträge und Führungen durch das Museum, die Pflege und Erweiterung der eigenen Sammlung sowie die Forschung zu Werken und Künstlern der Havelländischen Malerkolonie. Die Sammlung des Museums umfasst Werke der Künstler Karl Hagemeister, Arthur Borghard, Carl Kayser-Eichberg, Johannes Hänsch sowie Hans-Otto Gehrcke.

Das Museum wird durch die Mitglieder des Fördervereins Havelländische Malerkolonie e.V. ehrenamtlich betreut, die Gemeinde übernimmt lediglich die Betriebskosten, erklärte die Vereinsvorsitzende Carola Pauly den Teilnehmern der Führung am 19. Oktober 2023 durch die Ausstellung „Max Koch – Das Spätwerk“, die in Kooperation mit dem Potsdam Museum und seinem Förderkreis, sowie durch eine private Initiative des Max-Koch-Experten Heinz-Werner Lawo und weiterer privater Sammler entstand.

Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins für das Potsdam Museum und selbst Max-Koch-Sammler, führte durch die Sonderschau eines in Vergessenheit geratenen Künstlers.

Max Koch (1859-1930) war in Berlin ein sehr erfolgreicher Künstler, der vor allem für seine monumentalen Dekorationsmalereien in öffentlichen Gebäuden bekannt war. Als Professor unterrichtete er dieses Fach am Kunstgewerbemuseum bis in hohe Alter, daneben war er aber auch ein Multitalent. Er entwarf große Panoramen und Theatervorhänge, lieferte Vorlagen für Mosaiken und Gobelins sowie Illustrationen für Bücher. Seine Panoramen und Dekorationsmalereien sind fast vollständig vernichtet. Vieles ist also nur als Rekonstruktion wieder ins allgemeine Gedächtnis zurückzuholen.

Seine Liebe zum Wasser ließ Koch zum Wahlpotsdamer werden. Er bezog in der Berliner Vorstadt eine Villa am Tiefen See und ließ sich dort ein Motorboot zum Atelierboot, seinem „Malkasten“, umbauen. Max Koch malte so – als erster vom Wasser aus – Potsdamer Motive vom Stadtkanal, der Alten Fahrt sowie der umgebenden Havelländischen Seenlandschaften.

Aufgrund der großen Nachfrage wurde die Ausstellung bis zum 24. März 2024 verlängert. Weitere Informationen hier

 

Potsdamer Linien – Alltagsfotografien von Werner Taag

Das Potsdam Museum zeigt zur Zeit die Sonderausstellung „Potsdamer Linien. DDR-Alltagsfotografie von Werner Taag“. Kurator Robert Leichsenring, Stadtführer und freier Mitarbeiter am Potsdam Museum, führte die Mitglieder am 26. September 2023 durch die Ausstellung und erläuterte die (Stadt)Geschichten hinter den Bildern.

Spannend war bereits der Start im Foyer des Museums, wo das Vorderteil eines O-Busses von Skoda aus Tschechien zu sehen ist. Der Förderverein Historische Straßenbahn Potsdam e.V. erwarb das Ausstellungsstück von einem privaten Besitzer, der es jahrzehntelang als Bar in seiner Gartenlaube genutzt hat. Der Potsdamer Linienbus war davor in Dresden im Einsatz, worauf die braunen Mittelstreifen hindeuten. Ausgestattet mit einer Museums-Eintrittskarte und einem frisch gelochten Fahrschein durften wir in den Ausstellungsraum „einsteigen“.

Die Sonderschau zeigt Aufnahmen des Potsdamer Amateurfotografen Werner Taag (1915 – 1998) aus den Jahren zwischen 1949 und 1989, ergänzt durch ausgewählte Ausstellungsobjekte. Als langjähriger Mitarbeiter der Potsdamer Verkehrsbetriebe war der leidenschaftliche Bildchronist immer mitten im städtischen Geschehen unterwegs und selbst aktiv am Aufbau der Stadt beteiligt. Taag dokumentierte den Wandel der Stadt und ihrer Bewohner über rund fünf Jahrzehnte hinweg. Dabei sind u.a. im Jahr 1958 auffällig viele Abrisse in Potsdam zu beobachten.

Robert Leichsenring ist als Vorsitzender des Fördervereins „Historische Straßenbahn Potsdam e.V.“ ein kompetenter und zugleich begeisterter Kenner des Potsdamer öffentlichen Nahverkehrs. Details auf den Fotos erschließen sich oft nur durch seine Erläuterungen. So bedeutet das „Z“ an der Frontseite der Straßenbahn, dieser Waggon kann nur mit Zeitkarte benutzt werden. „OS“ bedeutet, Zug ohne Schaffner und „E“ Entwerter, der Fahrschein muss vorher gekauft werden. Bis dahin konnte der Fahrschein beim Schaffner erworben werden.

Für Potsdam ist es ein Glücksfall, dass der Nachlass von Werner Taag erhalten blieb. Dank des Engagements des Fördervereins des Potsdam Museums und der Unterstützung zahlreicher Spender konnte die mehrere zehntausend Motive umfassende Sammlung 2018 erworben und in den darauffolgenden Jahren erschlossen werden.

Die Sonderausstellung ist noch bis 28. Januar 2024 geöffnet.

Text und Foto: Fides Mahrla

Dänische Komödie „Jeppe vom Berge“ im Heckentheater

Jedes Jahr im Sommer erwacht das Heckentheater im Park Sanssouci zu neuem Leben und beschert dem Publikum zauberhafte Theatermomente. Am 28. Juli 2023 schien das Regenwetter das Erlebnis zu trüben. Doch pünktlich zum Vorgespräch klarte sich der Himmel auf und die Schauspieler Willi Händler und Sibylla Rassmusen begrüßten unsere Gruppe, während auf der Bühne die letzten Regenpfützen weggefegt wurden.

Ludvig Holberg – der „dänische Molier“

Die Komödie „Jeppe vom Berge oder eine Nacht im Paradies“ des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg wurde 1722 in Kopenhagen uraufgeführt und gehört bis heute zu den Lieblingsstücken des dänischen Publikums, während es in Deutschland weitestgehend unbekannt blieb. Holbergs Komödien handeln von Menschen, die die Vernunft ablehnen und sich von einer skurrilen Passion oder Schwäche leiten lassen. Die Komik wird durch Intrigen oder eine Narretei erzeugt, die gegen die Hauptperson ins Werk gesetzt wird, um sie von ihren Schwächen zu kurieren. Holbergs Komödien haben ihre Wurzeln in der Commedia dell’arte, die er bei seinem Italienaufenthalt kennengelernt hatte. Im Aufbau folgte er Molière, erläuterte Willi Händler im Vorgespräch.

Dänischer Humor sehr speziell

Im 18. Jahrhundert waren 80 Prozent der Dänen Sklaven, die von den Herrschenden ausgebeutet wurden, erklärte Sibylla Rasmussen, eine dänisch-deutsche Schauspielerin, die im Stück als Nille – die Frau von Jeppe – auftritt, den Zuhörern. Die Bauern waren damals „dumm und faul“  und stark dem Alkohol verfallen, so ihr Kommentar. Überrascht war die Dänin, als sie das Stück im Deutschen las. „Im Dänischen erzeugt die Sprache eine humoristische Vielfalt, die im Deutschen verblast und hart klingt“, sagte die Schauspielerin.

Amüsanter Schwank mit aktuellen Bezügen

Die Vermutung, Holberg habe mit dem kraftvollen Stück zeigen wollen, was passiert, wenn ein Unterdrückter in eine Machtposition kommt, stimmt nur halb. Ohne für eine der Figuren des Stücks Partei zu ergreifen, entwickelt der Dramatiker ein höchst unterhaltsames soziales Experiment. Mit der Aussage, dass es nichts bringt, „das Unterste zuoberst zu kehren“ und einem Bauern das Zepter zu überlassen. Ein intelligentes Vergnügen für die Zuschauer, die so immer wieder neu mit Sympathie und Ablehnung auf die Akteure schauen können.

Weitere Termine im Sommertheater des Poetenpacks sind hier zu finden.

Zeitreise ins Mittelalter

Unser Mitglied Dyprand von Queis organisierte die Radtour am 15. Juli 2023 zum Museumsdorf Düppel in Berlin-Zehlendorf. Treffpunkt war die „Nike“ an der Glienicker Brücke. Dort erhielten die Teilnehmer das Briefing über den Weg, der uns über Klein Glienicke, Griebnitzsee, Königsweg entlang des Berliner Mauerwegs bis zum Freilichtmuseum führte. Trotz der hohen Temperaturen hatten sich die Meisten entschieden mitzukommen und es nicht bereut. So wurden zahlreiche Zwischenstopps zum Trinken eingelegt. Glücklicherweise führte der Radweg überwiegend durch schattige Waldgebiete.

Von der Tonscherbe zum mittelalterlichen Dorf

Am Freilichtmuseum begrüßten wir weitere Teilnehmer, die per PKW/ÖPNV zur Führung dazukamen.
Dabei erfuhren wir, dass ein Jugendlicher 1939 im heutigen Landschaftsschutzgebiet am Krummen Fenn im Ortsteil Düppel mittelalterliche Tonscheren fand. Erst weit nach dem 2. Weltkrieg wurden ab 1967 die Überreste einer Dorfanlage aus dem 12. Jahrhundert freigelegt.  Diese Zeitepoche war in der Region um Berlin von der Besiedlung slawischer Gebiete durch Einwanderung aus dem Westen und der Gründung der Mark Brandenburg geprägt. Die Archäologen schätzen, dass 80 bis 120 Menschen in dieser Siedlung gelebt haben. Mitglieder des Fördervereins Museumsdorf Düppel errichteten ab 1975 das Freilichtmuseum, seit 1995 gehört der Erlebnisort zum Stadtmuseum Berlin.

Geschichte live erleben

Durch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder lässt sich das Mittelalter hautnah nacherleben, erklärte uns die Führerin. So stellen sie in historischer Kleidung den ländlichen Alltag des Mittelalters mit Handwerk und Gebräuchen als lebendige Geschichte dar. Neben alten Nutzpflanzenarten kann man auch typische Nutztiere sehen, darunter Ochsen, nach historischem Vorbild gezüchtete Düppeler Weideschwein und die Skudde, eine vom Aussterben bedrohte Schafsrasse.

Das Museumsdorf ist von Frühjahr bis Herbst an jedem Wochenende geöffnet, sowie täglich in den Ferien. Die Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm für Menschen jeden Alters, doch besonders für Kinder.

Mittagsrast und Rückfahrt über die Schleuse Kleinmachnow

Nach der Führung stärkten wir uns bei Flammkuchen, Kartoffelpuffer oder Würstchen und einem kühlen Getränk in der lokalen Gastronomie. Auf der Rückfahrt machten wir einen Zwischenstopp an der Schleuse Kleinmachnow, die auf Initiative des Landrates Ernst von Stubbenrauch (1853-1909) zur Verbesserung der Abwasservorflut in der Region Teltow und für die Schifffahrt als Südumfahrung Berlins errichtet und 1906 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde.
Das letzte Drittel des Weges führte uns vorbei am Südwestkirchhof direkt zum Eisessen in Griebnitzsee. Hier trennten sich die Wege.

Ein großes Dankeschön gilt Dyprand von Queis, der uns nicht nur sicher geführt, sondern auch unterwegs auf die eine oder andere Besonderheit hingewiesen hat. Alle Teilnehmer sind wohlbehalten in Potsdam angekommen. Die Tour-Aufzeichnung mit der App Komoot (einem Potsdamer Start-Up) wies eine Strecke von 32,6 km und eine Fahrzeit von 2:37 h aus.

Potsdamer Traumschlösser – die nie realisiert wurden

Der gebeugte Atlas auf dem Alten Rathaus gehört seit 1776 zu Potsdams Stadtbild. Doch die vergoldete Figur auf der Turmkuppel hätte fast ein Pendant bekommen. Entwürfe von 1913 sahen einen zweiten Turm mit einem zweiten Atlas auf dem Rathaus vor. Über dieses und weitere Luftschlösser berichtete der Stadtführer und Potsdam-Kenner Robert Leichsenring am Montag, dem 5. Juni 2023, in der Angerkirche beim Vereinstreff.

Eine andere Geschichte handelt von dem riesigen Schloss Belriguardo für Friedrich Wilhelm IV. auf Hermannswerder. Ab 1819 skizzierte er etwa 60 Entwürfe für sein Traumschloss, das in direkter Linie vom Schloss Sanssouci über die Havelbucht auf dem Tornow gebaut werden sollte. Die Blätter werden in der Plankammer von Sanssouci aufbewahrt. Auch von Schinkel (1823) und Persius (1828) gibt es Zeichnungen für ein Schloss nach antikem Vorbild. Am Ende fehlte das Geld für die Umsetzung.

Pläne über Pläne wurden für Potsdam über die Jahrhunderte gemacht. Viele blieben jedoch „Potsdamer Traumschlösser“, so auch die Höhenstraße vom Belvedere auf dem Klausberg bis zum Mühlenberg, wo ein gigantisches Denkmal für Friedrich dem Großen, 100 Jahre nach seinem Tod, entstehen sollte.

Robert Leichsenring überraschte und begeisterte die Zuhörer mit diesen unbekannten Zeichnungen und Plänen gleichermaßen. Es war ein spannender Abend.

Fest der Kulturerben auf dem Alten Markt

Am Sonntag, dem 4. Juni 2023, stellten sich beim Fest der Kulturerben rund 50 Vereine und Initiativen vor, die ein Bau-, Garten- oder technisches Denkmal bewahren, schützen und nutzen. Das Kulturerbenfest 2023 war Teil einer großen Sommerveranstaltung der Stadt Potsdam mit dem Motto: „Wir feiern unsere Stadt“. Zu den Aktivitäten rund um den UNESCO-Welterbetag gehörten u.a. eine UNESCO-Radtour am Vormittag, ein Orgelkonzert, das Filmfestival im Kutschstall und der Jahresempfang des Oberbürgermeisters. Der UNESCO–Welterbetag stand unter dem Motto „Unsere Welt. Unser Erbe. Unsere Verantwortung.“ Der Klimawandel ist eine der Bedrohungen für das Welterbe. Darum widmeten wir beim Fest der Kulturerben den Potsdamer Park- und Grünanlagen besondere Aufmerksamkeit.

Der Nachwuchs war das zentrale Thema unseres Kulturerbenfestes. Wir warben an diesem Tag um personellen Nachwuchs für unsere Vereine, aber auch für „grünen“ (pflanzlichen) Nachwuchs in unseren Parks. Das Fest bot allen Vereinen und Besuchern ein inspirierendes und vielfältiges Programm mit diversen Aktionen an den Ständen und auf der Bühne. Besucher konnten Seemannsknoten lernen, kleine Körbe flechten, eine Kirche basteln und historische Handwerkstechniken (Schnitzen, Vergolden) selbst ausprobieren. Aktuelle Projekte aus den Vereinen stellte Sabine Ambrosius vor, der Oberbürgermeister sprach den Ehrenamtlichen seinen Dank aus, Musik- und Showakts sorgen für gute Stimmung.

An unserem Stand füllten Mitglieder eine Mischung aus 40 verschiedenen Blumensamen von der Freundschaftsinsel in kleine Tüten und verschenkten 500 Stück an Interessierte. Begehrt waren auch wieder der handliche Ausflugsführer „Potsdamer Spaziergänge“ und die blauen Potsdam-Tragetaschen samt kleiner Überraschung. Wir konnten viele nette Gespräche führen und neue Kontakte knüpfen. Es hat viel Spaß gemacht, denn wir alle sind Kulturerben!

Zum Videofilm von gutfilm medienproduktion Olaf Gutowski

Sanssouci-Konzert „Il caro sassone“ der Kammerakademie Potsdam

„Viva il caro sassone!” – so feierte das begeisterte Publikum den „lieben Sachsen” Georg Friedrich Händel bei der Premiere der Oper „Agrippina” in Venedig im Jahre 1709. Die Zeit in Italien prägte den jungen Händel sehr: Er schrieb in dieser Zeit zwei Opern sowie zahlreiche Oratorien und Kantaten und lernte große Komponisten wie Corelli oder die Scarlatti-Brüder kennen.

Am 21. Mai 2023 brachte die Kammerakademie Potsdam unter Leitung des tschechischen Dirigenten und Cembalisten Václav Luks u.a. die Overtüre zu „Agrippina“ in der Friedenskirche zur Aufführung. Im Vorgespräch mit unseren Mitgliedern erklärte Luks die Idee zu diesem Programm im Rahmen der Sanssouci-Konzerte: „Für mich ist Händels Musik aus dieser Zeit sehr faszinierend, weil sie sich so von seinem Spätwerk unterscheidet, weil sie vollgeladen von italienischer Inspiration ist und weil Händel dort gelernt hat, mit der menschlichen Stimme umzugehen, wovon er sein ganzes Leben profitierte.” Der junge Händel ging nach seinem vierjährigen erfolgreichen Italienaufenthalt nach London und etablierte dort zuerst die italienische Oper, dann das englischsprachige Oratorium.

Václav Luks zählt als Gründer und Leiter des Prager Barockorchesters Collegium 1704 und des Vokalensembles Collegium Vocale 1704 zu den führenden Dirigenten und Interpreten im Bereich der historischen Aufführungspraxis. Unter seiner Leitung gastieren beide Ensembles auf berühmten Festivals und in bedeutenden Konzertsälen weltweit.

„Sein Interesse für die historische Aufführungspraxis ist ein wichtiger Treibstoff für die KAP“, sagt Chefdirigent Antonello Manacorda. „Schon seit der Gründung ist das Orchester offen dafür, mit Dirigenten wie Václav neue Interpretationsmöglichkeiten und Werke zu entdecken. Die Zusammenarbeit mit ihm in der Vergangenheit war sehr bereichernd und inspirierend.”

In den kommenden drei Spielzeiten kuratiert Václav Luks als künstlerischer Partner die Sanssouci-Konzerte, in der Saison 22/23 ist er zudem Artist in Residence bei der KAP.

Die Herzen des Publikums gewann die aus Rom stammende Sopranistin Roberta Mameli mit den Kantaten „Armida abbandonata“ und „Tu fedel? Tu constante?“von Händel. Sie gilt Dank ihrer großen Vielseitigkeit und ihres kristallklaren Tons als eine der besten Interpretinnen des barocken Repertoires. Roberta Mameli singt weltweit in großen Konzertsälen und Opernhäusern. Nun erlebten wir die charmante Sängerin, die kurzfristig für die verhinderte Siobhan Stagg eingesprungen ist, in der Friedenskirche von Sanssouci.