Ensemblewettbewerb 2026 der Städtischen Musikschule Potsdam

Musikalischer Nachwuchs begeistert am Campus Stern

Am Sonnabend, dem 9. Mai 2026, traten Kinder und Jugendliche der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ zum Ensemblewettbewerb am Campus Stern in der Galileistraße an. Insgesamt zehn Ensembles – vom Trio bis zum Quintett – stellten sich der Jury und präsentierten ihr Können.

Vielfältiges Programm auf hohem Niveau

Die Teilnehmenden im Alter von 7 bis 15 Jahren boten ein abwechslungsreiches Programm: Neben Popmusik-Beiträgen verschiedener Bands waren auch klassische Ensembles mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten zu hören. Gefordert waren Stücke unterschiedlichen Charakters, die jedoch nicht zwingend aus verschiedenen Epochen oder Stilrichtungen stammen mussten.
Auch die Auswahl der Musikstücke fand großen Anklang beim Publikum: Sie wirkte individuell auf die Ensembles zugeschnitten und unterstrich deren jeweilige Stärken.

Mitglied Birgit Fleischmann in der Jury.

Bewertung und Auszeichnungen

Eine fachkundige Jury, unterstützt durch eine Vertreterin des Vereins KULTURSTADT POTSDAM e. V., bewertete die Darbietungen nach einem festgelegten Punktesystem. Kriterien waren die musikalische Qualität, das Zusammenspiel innerhalb der Ensembles sowie der Gesamteindruck. Insgesamt wurden neun erste Preise und zwei zweite Preise durch die Jury vergeben sowie zusätzlich drei Sonderpreise.

Engagement des Vereins

Die Preisgelder wurden vom Kulturstadt Potsdam e. V. gestiftet. Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche Vereinsmitglieder vor Ort: Sie sorgten mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee für das leibliche Wohl, unterstützten als Saaldienst den reibungslosen Ablauf und dokumentierten den Wettbewerb fotografisch. So wurde der Wettbewerb auch zu einem lebendigen Gemeinschaftserlebnis im Vereinsleben.

Festliches Abschlusskonzert

Den Höhepunkt des Tages bildete das Abschlusskonzert mit Preisverleihung am Abend des 9. Mai 2026 im Friedenssaal des Großen Waisenhauses Potsdam.
Die Vereinsvorsitzende Fides Mahrla würdigte in ihrem Grußwort das Engagement und die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker. Sie hob hervor, dass das Zusammenspiel im Ensemble – geprägt von Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Freude – besonders beeindruckend gewesen sei. Gerade im Vergleich zu früheren Solistenwettbewerben wurde das gemeinsame Musizieren als großer Gewinn erlebt.

Preisträger im Ensemblewettbewerb der Musikschule Potsdam

Ein Tag voller Musik und Begegnungen

Der Ensemblewettbewerb 2026 war ein rundum gelungener Tag – geprägt von musikalischer Vielfalt, lebendiger Gemeinschaft und der spürbaren Begeisterung junger Talente. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen besonderen Tag voller Musik, Begegnungen und künstlerischer Energie.

 

 

 

 

 

Auf den Spuren von Franz Benda

Beim Mai-Vereinstreff stellte Dr. Klaus Harer, Referent für Musik und Osteuropa beim Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam, eine außergewöhnliche Persönlichkeit vor: „Franz Benda – Flüchtling aus Böhmen und Violinvirtuose am Hof König Friedrichs II.“

Wer war Franz Benda?

Franz Benda ist heute noch im Potsdamer Stadtbild präsent: Seit 1992 trägt die frühere Friedrich-Kirch-Straße seinen Namen. Zudem erinnert seit 2022 eine Gedenktafel in der Karl-Liebknecht-Straße 15 an sein Leben und Wirken.
Geboren wurde Franz Benda als ältester Sohn von Johann Georg Benda und dessen Ehefrau Dorothea in Alt-Benatek (Benátky), etwa 40 Kilometer nordöstlich von Prag. Sein Vater war Leineweber und zugleich als Tanzmusiker tätig, während seine Mutter aus der bekannten Musikerfamilie Brixi stammte.
Bereits im Alter von neun Jahren begann Benda seine musikalische Laufbahn als Chorknabe am Benediktinerkloster der Nikolaikirche in Prag und besuchte die Jesuitenschule. Seine Ausbildung und Karriere führten ihn zunächst als Sänger an die Dresdner Hofkirche und zurück nach Prag. Später entwickelte er sich zum Violinisten.

Weg an den preußischen Hof

Entgegen der oft erzählten Vorstellung kam Benda nicht unmittelbar als Flüchtling aus Böhmen nach Preußen. Sein Weg führte ihn vielmehr quer durch Mitteleuropa: von Prag über Dresden, Wien, Hermannstadt und Breslau bis nach Warschau, Neuruppin und Rheinsberg.
Durch die Vermittlung von Johann Joachim Quantz erhielt er die Gelegenheit, dem preußischen Kronprinzen Friedrich vorzuspielen. Dieser engagierte ihn daraufhin sofort für seine Hofkapelle in Rheinsberg.
Benda blieb zeitlebens in der Gunst seines Dienstherrn, des späteren Königs Friedrich II. Auf dessen Veranlassung zog auch Bendas Familie nach Potsdam. Zwei seiner Brüder – Joseph und Johann – wurden ebenfalls Mitglieder der königlichen Kapelle. Sein Bruder Georg machte sich später als Hofkapellmeister in Gotha einen Namen, insbesondere durch seine Melodramen. Der Vater Johann Georg und Bruder Viktor betrieben in Nowawes eine Leineweberei.
> Weitere Lebensdaten werden demnächst auch im PotsdamWiki-Beitrag zu Franz Benda ergänzt und veröffentlicht.

Franz Benda“, Portraitstich 1756  

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

Über Bendas bewegtes Leben sind wir gut informiert, da er seine Lebensgeschichte selbst niederschrieb (datiert auf 1763). Diese Autobiografie wurde erstmals 1856 in der „Neuen Berliner Musikzeitung“ veröffentlicht und erschien 1967 erneut in der bis heute maßgeblichen Biografie von Franz Lorenz: „Franz Benda und seine Nachkommen“.
Das Originalmanuskript ist erhalten geblieben: Ein Nachfahre, Hans von Benda, übergab es dem Staatlichen Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Inzwischen ist es auch online einsehbar.
Bereits zu Bendas Lebzeiten fanden Teile seiner Selbstbiografie Verbreitung. Der Musikschriftsteller Johann Adam Hiller nutzte sie für seine 1766 erschienene ausführliche Lebensbeschreibung in den „Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend“.

Wirkung und Nachleben

Mit Franz Benda begann die erfolgreiche Musikertradition der Familie Benda in Berlin und Preußen, die über mehrere Generationen hinweg fortbestand.
Im 19. Jahrhundert waren Angehörige der Familie Benda in verschiedenen Berufen tätig; ein Familienzweig wurde später geadelt.

Deutsches Kulturforum östliches Europa in Potsdam

Dr. Klaus Harer studierte Slawistik und Musikwissenschaft in Marburg und war nach seiner Promotion bis zum Jahr 2000 in der Lehre tätig. Seit der Gründung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Jahr 2000 arbeitet er dort als Referent für Musik und Osteuropa.
Gern nehmen wir die Einladung an, dass sich interessierte Mitglieder bei einer gesonderten Veranstaltung über die Arbeit vor Ort in der Berliner Straße informieren können.

> Veranstaltungstermine, Podcasts sowie Publikationen des hauseigenen Verlags sind auf der Website des Kulturforums zu finden.

 

Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt

Bernd Rubelt spricht über Potsdam im Wandel

Zum Abschluss unseres Jahresthemas 2025 sprach Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, am 10. Oktober in der Wissenschaftsetage über „bewahren – erneuern – entwickeln: Potsdams Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten“.

Chancen der Stadtentwicklung

Zu Beginn präsentierte Rubelt eine Karte zur Bevölkerungsentwicklung wachsender Metropolen (2021–2045) und zeigte damit die Dynamik, die Potsdam in den kommenden Jahren erwartet. Die Stadt punktet mit ihren natürlichen Gegebenheiten, gewachsenen Strukturen und einer hohen Lebensqualität. Besonders eindrucksvoll war eine Netzwerk-Grafik, die 134 Bildungs- und Wissenschaftsstandorte in Berlin und Brandenburg miteinander verband.

Wissenschaft in der Metropolregion

Potsdam verfügt bereits über drei bedeutende Wissenschafts- und Innovationscluster:

  • Life Sciences & Bio Tech auf dem Campus Golm
  • Medien, IT, Film und KI in Babelsberg, Griebnitzsee und Jungfernsee
  • Klima- und Erdwissenschaften auf dem Telegrafenberg

In den kommenden Jahren entstehen weitere Leuchttürme: Die Hasso-Plattner-Stiftung entwickelt den Campus Griebnitzsee zu einem europaweit führenden Standort für digitale Wissenschaften. Gleichzeitig entsteht am Brauhausberg ein neuer Universitätsstandort – unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude.

„Potsdam hat das Potential, zu einem globalen Ort der Innovation zu werden, an dem Visionen für die Zukunft Wirklichkeit werden.“  Hasso Plattner

Entwicklung folgt der Infrastruktur

Rubelt betonte, dass erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung nur gelingen kann, wenn Verkehrsplanung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und öffentliche Räume als Einheit gedacht werden. Dazu gehören ebenfalls Analysen und Maßnahmen zu:

  • Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums
  • Weiterentwicklung der Innenstadt
  • Zukunft der Plattenbauquartiere
  • Reduzierung der Versiegelung
  • Erhalt von Grünvolumen
  • Anpassung an den Klimawandel

Jahresthema 2025 Stadtentwicklung

Die Mitglieder des Kulturstadtvereins setzten sich 2025 mit der Stadtentwickung Potsdams auseinander. Unsere Partner dabei waren Kirchenhistoriker Andreas Kitschke, der ehemalige Oberbürgermeister Jann Jakobs, die Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam Sigrun Rabbe, der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V. Willo Göpel, der Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren Carsten Hagenau, Stadtführer Robert Leichsenring, der Grafiker und Autor Olaf Tiede sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt. Allen ein herzliches Dankeschön spannende Vorträge und erhellende Erkenntnisse.

„Die drei Musketiere“ im Heckentheater

Sommer in Potsdam – das heißt auch: Sommertheater mit dem Poetenpack!

In diesem Jahr wurde gefochten, geflirtet und geflunkert – mit breitkrempigen Hüten, bunten Federn und wehenden Hemdsärmeln im rasanten Fechtgetümmel. Regisseurin Sonja Wassermann bleibt der berühmten Vorlage von Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ in ihren Grundzügen treu, bringt sie aber mit feinem Gespür ins Hier und Heute.
Die Geschichte spielt im vorrevolutionären Frankreich und bietet alles, was ein unterhaltsamer Theaterabend braucht: Spannung, klar gezeichnete Charaktere, temporeiche Kampfszenen und viel Sprachwitz. Das Ergebnis: ein spritziges Bühnenspektakel – überraschend, temporeich und höchst amüsant.

Hauen, Stechen und Lachtränen im Heckentheater

Der schüchterne d’Artagnan will raus aus dem Dorf – und rein ins Abenteuer. Er träumt von einer Karriere als Innenrevisor bei der „Königswusterhausener“, doch die Eltern würden ihm lieber ein Haus neben dem eigenen bauen. Papa rät ihm schließlich: auf nach Paris, Muskatnuss soll er werden!
Gleich zu Beginn fällt die Dramaturgin der Sense von Mutter Natur zum Opfer – was dazu führt, dass die Darsteller nun selbst den Erzählfaden weiterspinnen müssen. Und das tun sie mit Bravour: Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen in rasantem Rollenwechsel mehr als 20 Figuren – mit Witz, Tempo und sichtlicher Freude am Spiel.
Das Publikum folgt begeistert. Es wird gelacht, getuschelt („Herrlich!“), und wenn ein Duell plötzlich zum Duett wird, ist niemand überrascht. Wenn Athos über „immer noch 19 Prozent“ auf dem Kneipenbon klagt oder König Louis XIII. meint, Demokratie sei „furchtbar langweilig“, blitzt herrlicher Zeitgeist-Humor auf.
Die Charaktere sind bewusst überzeichnet, mit viel Ironie und einem charmanten Augenzwinkern gespielt. Kein Moment ist vorhersehbar – selbst wenn man den Stoff kennt. Und sollte einmal ein Haiangriff in der Straße von Dover drohen, wird dieser elegant pantomimisch gelöst.
Das Publikum bedankt sich mit begeistertem Applaus und Standing Ovations – und das vollkommen zu Recht.

The same procedure as every year

Seit unserem ersten Besuch beim Poetenpack im Jahr 2006 – damals noch auf dem Q-Hof in der Lennéstraße – gehört das traditionelle Vorgespräch fest zum Ritual. In diesem Jahr stimmten Dramaturg Willi Händler und Schauspieler Nikolai Arnold die Mitglieder auf die Neuinszenierung ein – informativ, humorvoll und kurzweilig.
„Einer für alle – alle für einen!“ ist ein Klassiker des Mantel-und-Degen-Genres mit über 20 Rollen, die hier im fliegenden Kostümwechsel von nur sieben Darstellern gespielt werden. Neu in diesem Jahr: Die Fechtszenen wurden erstmals unter Anleitung eines professionellen Kampfchoreografen einstudiert.
Das Poetenpack bespielt regelmäßig Bühnen in Potsdam (Zimmerstraße & Heckentheater) sowie in Magdeburg. Umso mehr freut sich das Ensemble über wachsende Unterstützung aus dem Freundeskreis. Wer mehr über Fördermöglichkeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen [hier].

Potsdam, am 2. August 2025

Atelierbesuch bei Bernd Blase – Zwischen Traum, Kunst und Coaching

Ein Atelierbesuch bei unserem Vereinsmitglied Bernd Blase ist mehr als nur ein Blick auf Leinwände – es ist eine Reise in eine faszinierende Gedankenwelt, die sich zwischen Traum, Klang und Farbe bewegt. Seit 1974 widmet sich Bernd Blase der Malerei, doch erst seit 2014 entstehen seine Werke aus bewussten Träumen der Nacht. Sie sind Ausdruck innerer Bilder, Reflexionen und immer auch ein Experiment. Diese surrealen Bildwelten, oft vieldeutig und offen für Interpretationen, ordnet er einem eigens geprägten Stilbegriff zu: dem „Inproeliolismus“ – abgeleitet aus dem lateinischen in proelio, „in der Schlacht“. Gemeint ist der kreative, manchmal auch schmerzhafte Prozess des künstlerischen Ringens um Ausdruck, Sinn und Form.

Atelierbesuch am 20. Juni 2025 – Foto: Bernd Blase

Blase, ein überzeugter Autodidakt, zitiert Wilhelm Busch: „Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“ Getreu diesem Motto vermeidet er bewusst den Mainstream und das bloße Wiederholen bereits Dagewesenen. Jedes seiner Werke ist ein Experiment – offen für Veränderung, solange es nicht in einem Rahmen hinter Glas konserviert wird.

Vom Koch zur Kunst: Ein außergewöhnlicher Werdegang

Seine Biografie ist ebenso vielfältig wie seine Kunst. Den gelernten Koch führte der Weg über die Nouvelle Cuisine zur Musik und Komposition in Paris, wo er drei Jahre als Straßenmusiker und Maler lebte. In dieser Phase entstanden 22 Gemälde sowie 33 Lieder und Gedichte – alle Bilder wurden verkauft, um den Alltag zu finanzieren. Heute ist er als Komponist und Singer/Songwriter Mitglied der GEMA; seine Musik ist auf gängigen Portalen abrufbar.

Auch als Maler hat Blase Spuren hinterlassen: Einige seiner Werke sind an öffentliche und private Einrichtungen verliehen. Seine Ateliers in Potsdam und Wittichenau (Oberlausitz) sind kreative Rückzugsorte – Orte des Träumens, Arbeitens und Reflektierens.

Kunst trifft Coaching

Doch Bernd Blase ist nicht nur Künstler. Hauptberuflich wirkt er als Dozent, Hochschullehrer und Coach. Themen wie Qualitätsmanagement, Persönlichkeitsentwicklung und Rhetorik verbinden sich bei ihm mit einem tiefen Verständnis für das Menschsein – eine Synthese aus Philosophie, Kreativität und Praxis.

Filmisches Porträt eines Grenzgängers

Ein Filmteam hat ihn 2024 begleitet – entstanden ist ein eindrucksvolles Porträt eines Menschen, der Coaching, Kunst und Leben zu einer Einheit verschmelzen lässt. Der Film gibt Einblick in ein Schaffen, das sich jeder Kategorisierung entzieht:  Auf Youtube: Bernd Blase – Porträt eines vielseitigen Talents

Fazit: Ein Künstler, der Spuren hinterlässt

Bernd Blase ist ein moderner Renaissance-Mensch. Seine Bilder sind Fenster in eine Welt jenseits der Konventionen. Wer ihn besucht, begegnet nicht nur einem Künstler, sondern einem Impulsgeber, der Mut zur Veränderung macht – im Leben wie in der Kunst.

Die Rolle der sozialen Wohnungswirtschaft bei der Stadtentwicklung

Beim Vereinstreff am 4. Juni 2025 stellte Carsten Hagenau den Arbeitskreis StadtSpuren vor – ein bundesweit einmaliger Zusammenschluss sozial orientierter Wohnungsunternehmen in Potsdam. Gegründet 1997, vereint das Kooperationsprojekt zahlreiche kommunale und genossenschaftliche Akteure. Hagenau ist als Geschäftsführer der Projektkommunikation HAGENAU GmbH von Beginn an als Koordinator, Themengeber und Sprecher involviert.

Ein starkes Bündnis für Potsdam

Dem Arbeitskreis gehören folgende Unternehmen an:

  • ProPotsdam GmbH (kommunal)
  • GWG Bauverein Babelsberg eG
  • Gewoba eG Babelsberg
  • Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft eG
  • Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG
  • Studierendenwerk West\:Brandenburg
  • Wohnungsbaugenossenschaft 1903 Potsdam eG
  • Wohnungsbaugenossenschaft „Daheim“ eG
  • Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ Potsdam eG

Mit zusammen rund 34.000 Wohneinheiten decken die Mitgliedsunternehmen etwa 40 Prozent des Potsdamer Mietwohnungsmarkts ab – rund 70.000 Menschen leben in ihren Wohnungen. Seit Beginn der Kooperation wurden 1,6 Milliarden Euro in die Modernisierung, den Neubau und die Entwicklung von Wohngebieten investiert.

Anders als die Anderen

Im Unterschied zur renditeorientierten Privatwirtschaft verfolgen soziale Wohnungsunternehmen keine Gewinnerzielungsabsicht. Ihr gesetzlich verankerter Auftrag: Wohnraum bereitstellen – sicher, bezahlbar und langfristig. Die Genossenschaften handeln auf Grundlage ihrer Satzungen im Sinne ihrer Mitglieder, während die kommunale ProPotsdam GmbH der Stadt gehört und dem kommunalpolitischen Willen unterliegt. Das Studierendenwerk ist ein öffentlich-rechtlich verfasstes Unternehmen zur Versorgung Studierender.

Diese demokratische Legitimation zeigt sich auch in der Kontrolle: Bei den Genossenschaften wählen die Mitglieder – direkt oder über Vertreter – die Aufsichtsräte. Bei der kommunalen Gesellschaft bestimmen die Stadtverordneten über deren Zusammensetzung. So bleibt der soziale Auftrag dauerhaft im Fokus.

Die Kunden und zugleich Auftraggeber sind die Mieterinnen und Mieter bzw. die Mitglieder der Genossenschaften. In den vom Arbeitskreis betreuten Wohnungen lebt ein Drittel der Potsdamer Bevölkerung – ein deutlicher Beleg für die gesellschaftliche Relevanz dieser Wohnungsunternehmen.

Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe

Im Arbeitskreis kooperieren Unternehmen, die im freien Markt durchaus Konkurrenten sind. Doch wer gutes Wohnen anbieten will, braucht auch ein funktionierendes Umfeld: Nahversorgung, Bildungseinrichtungen, Freizeitangebote, Infrastruktur. Deshalb setzen sich die Beteiligten gemeinsam für lebenswerte Quartiere und die stadtteilübergreifende Entwicklung ein – oft auch als Impulsgeber gegenüber der Stadtverwaltung.

Ob Straßenreinigung, Strompreise, Schulstandorte, öffentlicher Nahverkehr oder Supermärkte: Viele kommunale Entscheidungen haben unmittelbaren Einfluss auf die Wohnqualität. Die sozialen Wohnungsunternehmen vertreten dabei nicht nur ihre Mieter – sie gestalten die Stadt aktiv mit.

Investitionen in der Potsdamer Mitte

Passend zum Jahresthema „Stadtentwicklung im Herzen Potsdams“ beleuchtete Carsten Hagenau in seinem Vortrag die Aktivitäten der sozialen Wohnungswirtschaft in der Innenstadt – mit einem historischen Bogen von der Nachkriegszeit bis heute.

Bereits ab 1954 entstanden durch sogenannte „Aufbaustunden“ (AWG) neue Wohnquartiere, etwa im Bereich Burgstraße/Am Kanal. Genossenschaftsmitglieder konnten durch ihre Arbeitsleistung Wohnraum erhalten. Diese Quartiere wurden nach der Wende umfassend saniert und modernisiert, teilweise durch Neubauten ergänzt wie etwa im Französischen Quartier oder in unmittelbarer Nachbarschaft zur Französischen Kirche.

Ein aktuelles Beispiel für eine besondere Herausforderung ist das Engagement der Potsdamer Genossenschaften beim Wiederaufbau der Potsdamer Mitte im Karree zwischen Altem Markt und Friedrich-Ebert-Straße. Hier geht es um die Rekonstruktion historischer Straßenzüge und sogenannter Leitbauten, deren Fassaden dem historischen Stadtbild möglichst nahekommen sollten.
Dazu zählen der von Stadtbild Deutschland e.V. preisgekrönte Plögersche Gasthof und das ebenfalls prämierte Klingnersche Haus.

Möglich wurde dieses Engagement der Genossenschaften erst durch die Zusicherung eines Festpreises für die Grundstücke. Rund 80 Prozent der Flächen im Karree Anna-Zielenziger-Straße / Alter Markt / Anna-Flügge-Straße / Erika-Wolf-Straße wurden bebaut – mit einer Investitionssumme von mehr als 100 Millionen Euro.

Entstanden sind 79 Wohnungen, dazu Einzelhandelsflächen, gastronomische Einrichtungen sowie Räume für Bildung und Kultur. Von den 79 neu errichteten Wohnungen sind 13 Wohnungen belegungsgebunden (= 16,5 Prozent, 62 Wohnungen mietpreisgebunden, d.h. die Nutzungsentgelte liegen 10 Prozent unter dem Wert des jeweils gültigen Mietspiegels (= 78,5 Prozent). Macht zusammen 95 Prozent. Vier Wohnungen (= 5 Prozent) werden zu 25 Euro angeboten. Über das Gesamtangebot liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei bis zu 10,89 Euro.

Herausforderungen und Ausblick

Derzeit gefährden unkalkulierbar steigende Baukosten die Realisierbarkeit neuer Wohnprojekte. Umso dringlicher sei es – so Hagenau – dass Förderprogramme neu aufgelegt oder angepasst werden. Nur so kann die soziale Wohnungswirtschaft weiterhin bezahlbaren Wohnraum schaffen – auch in zentralen Lagen.

Zwischen Protest und Erneuerung – Stadtentwicklung im Wandel der Zeit

Im Rahmen unseres Jahresthemas „Die Stadtentwicklung im Herzen Potsdams“ stellte Saskia Hüneke in ihrem Vortrag am 16. Mai 2025 im Roten Salon des Wiener Cafés die Zielsetzungen der Stadtentwicklung als Teil der Friedlichen Revolution vor. Sie beleuchtete dabei die spannendsten Diskurse und Aushandlungsprozesse seit 1990. Die Gruppe ARGUS galt als eine wichtige Stimme in diesem Diskurs sowie das Stadt-Forum als Plattform für Beteiligung und Dialog.

Erhalt der Barocken Stadterweiterung

Im April 1988 gründete sich in Potsdam ARGUS – die Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung. Unter dem Dach des Kulturbundes der DDR organisiert, kämpften die Mitglieder gegen Umweltverschmutzung, beschäftigten sich mit dem Verfall im Gebiet der Zweiten Barocken Stadterweiterung und organisierten die ersten DDR-weiten Treffen von Umweltgruppen. Mit einem »Argusauge«, so der Name des zensierten Vereinsblatts, dokumentierten sie den massiven Verfall und Abriss der historischen Potsdamer Innenstadt. Der mutige Protest wurde unterstützt durch die parallel entstandene Potsdamer Gruppe des grün-ökologischen Netzwerkes Arche, deren Ausstellung »Suchet der Stadt bestes« im August 1989 in der Nikolaikirche gezeigt wurde. Gemeinsamer Erfolg: Am 1. November 1989 beschlossen die Potsdamer Stadtverordneten den sofortigen Abriss-Stopp, ein Runder Tisch des Bauens entstand. In der Folge wurden sehr schnell die Weichen zu einer „Behutsamen Stadterneuerung“ gestellt.

Potsdamer Kulturlandschaft

Als einzigartig beschreibt Hüneke den Potsdamer Stadtraum, der von den weit in die Stadtmitte führenden Parkanlagen und Grünräumen gekennzeichnet ist. So wurde bereits 1990 den „Schlössern und Parks von Potsdam und Berlin“ der UNESCO-Welterbetitel verliehen. Eine Verpflichtung, behutsam mit der umgebenden Stadtbebauung umzugehen und Landschaftsbilder zu erhalten. Als Negativbeispiele schilderte sie die vergeblichen Diskussionen um die Bebauung des Glienicker Horns, das seit der Fertigstellung die Landschaftsbilder zwischen Park Babelsberg und Havellandschaft beeinträchtigt.
Nur teilweise erfolgreich waren die Auseinandersetzungen um das Potsdam-Center am Hauptbahnhof, das zuerst als Stadtteil auf sieben Meter Höhe über den Bahngleisen gedacht, auch heute noch die Stadtlandschaft am Fluss dominiert. Nach zahlreichen Protesten wurde zunächst nur ein Drittel des Bauvorhabens unverändert realisiert, bleibt etwas Freiraum am Nordausgang erhalten.

Potsdams Mitte

Erste sichtbare Zeichen für die Innenstadtentwicklung waren der Abriss des Betonkerns des geplanten Hans-Otto-Theaters und der Bau des Fortunaportals durch eine Spende von Günther Jauch. Seitdem schreitet der öffentliche, teils konfliktreiche Diskurs um die „Wiedergewinnung der historischen Mitte“ weiter voran, konkretisieren Stadtverordnetenbeschlüsse wie der zum Landtag in der äußeren Gestalt des Stadtschlosses, begegnen sich darüberhinaus historisierende und moderne Neubauten in der alten Stadtstruktur.

Foto: Dortustraße im August 1989 © Norbert Blumer


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Stadtgeschichte zwischen Trümmern und sozialistischem Wiederaufbau

Der Mai-Stammtisch unseres Vereins bot einen besonderen Höhepunkt: Stadtführer Robert Leichsenring nahm uns mit auf eine eindrucksvolle Zeitreise durch die Stadtentwicklung Potsdams zwischen 1945 und 1989. Mit historischen Bildern und spannenden Hintergrundinformationen ließ er die dramatischen Veränderungen dieser Jahrzehnte lebendig werden.

Im Fokus seines Vortrags stand zunächst die Zerstörung Potsdams zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach schweren Bombardierungen und Straßenkämpfen im Jahr 1945 lagen zahlreiche historische Bauten in Trümmern: das Stadtschloss, die Nikolaikirche, das Rathaus, der Palast Barberini und viele Bürgerhäuser wurden schwer beschädigt oder zerstört. Die Überreste – Fassadenfragmente wie steinerne Skelette – prägten das Stadtbild der Nachkriegszeit.

In den ersten Jahren nach Kriegsende bestimmten Enttrümmerung und Wiederaufbau das Bild. Dabei nutzte man das aus den Ruinen gewonnene Steinmaterial als Baustoff, versuchte historische Elemente zu retten und kunstvollen Fassadenschmuck aus den Trümmern zu bergen.

Barock und Sozialismus: DDR-Architektur neu betrachtet

Leichsenring machte deutlich, dass die Architektur der DDR nicht ausschließlich durch Plattenbauten geprägt war. Bereits in den 1950er Jahren begann man, einzelne Gebäude im Stil der historischen Wohnhäuser zu rekonstruieren. Ein Beispiel dafür ist die Wilhelm-Staab-Straße – die erste Barockstraße der DDR. Ein weiteres interessantes Detail zeigte sich in der Yorckstraße 13: Über der Haustür prangt statt eines klassischen Putto ein Mädchen mit Pionierhalstuch – ein symbolischer Ausdruck der neuen Zeit.

Ein besonders anschauliches Beispiel für den Umgang mit historischen Überresten stellte das sogenannte „Ochsenkopfhaus“ dar. Das Direktionsgebäude der Gewehrmanufaktur von 1755/56 stand einst in der Dortustraße Ecke Breite Straße. Obwohl das Haus zerstört wurde, blieb einer der markanten Sandstein-Widderköpfe erhalten und ziert bis heute die Fassade des später errichteten Mietshauses.

Weitere Beispiele aus der Charlottenstraße, Dortustraße, Friedrich-Ebert-Straße und dem Platz der Einheit zeigten den Zuhörern, wie sehr die Stadtentwicklung dieser Zeit von Brüchen, aber auch von kreativen Lösungen geprägt war. Nach der Ära des sozialistischen Klassizismus wich die barocke Bautradition mehr und mehr dem industriellen Wohnungsbau. Anfangs plante man großzügige Grünflächen und offene Bebauung – etwa im Burgstraßenviertel –, doch später wurden Neubauviertel deutlich verdichtet. Das Wohnungsbauprogramm von 1973 zielte auf eine umfassende Lösung der Wohnungsnot bis 1990.

Verhinderte Planungen – gerettete Bauten

Leichsenring präsentierte zudem Stadtplanungen, die glücklicherweise nie umgesetzt wurden – unter anderem für das Holländische Viertel, die Hegelallee oder den Bassinplatz. Glück hatte auch der Marstall: Ursprünglich für den Abriss vorgesehen, konnte er durch die Initiative zur Einrichtung eines Filmmuseums gerettet werden. So wurde der Bau zwischen 1977 und 1980 behutsam rekonstruiert – ein Beispiel für die erfolgreiche Bewahrung historischer Substanz in der DDR-Zeit. Das Stadtschloss dagegen, das einst durch die Ringerkolonnade mit dem Marstall verbunden war, fiel bereits 1960 dem Abrissbagger zum Opfer.

Der Vortrag von Robert Leichsenring war ein faszinierender Streifzug durch ein spannendes Kapitel Potsdamer Stadtgeschichte – voller Verluste, aber auch überraschender Erhaltungen und Wiederentdeckungen. Er öffnete den Blick für die oft übersehenen Spuren der Nachkriegs- und DDR-Zeit, die unser Stadtbild bis heute prägen.

Führung durch die Ausstellung LUFT | BILD | Potsdam

Am 9. April 2025 begaben sich Vereinsmitglieder unter der Führung von Robert Leichsenring auf eine besondere Entdeckungsreise – allerdings nicht mit einem Flugzeug, sondern durch die faszinierende Welt der Luftbildfotografie. In der aktuellen Ausstellung LUFT | BILD | des Potsdam Museums werden spektakuläre Luftaufnahmen aus dem frühen 20. Jahrhundert gezeigt, die die Stadt Potsdam aus einer neuen Perspektive zeigen und ihre Geschichte eindrucksvoll dokumentieren.

Vor über 100 Jahren ermöglichten vor allem die ersten Zeppelin-Rundflüge einen völlig neuen Blickwinkel auf die Stadt. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Reihe von Fotografien, die die Zerstörung Potsdams während des Zweiten Weltkriegs dokumentiert. Zwei Luftbilder hängen nebeneinander, das eine aufgenommen direkt vor der Bombardierung am 14. April 1945, das andere direkt danach mit den verheerenden Auswirkungen auf die Stadt. Zudem sind Bilder zu sehen, die die Zerstörungen durch die Kampfhandlungen zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee während der letzten Kriegstage veranschaulichen. Die Stadt erlebte mehrere Wellen der Zerstörung: Die erste durch das Bombardement, die zweite durch die Kämpfe und die dritte durch den Abriss der Ruinen in der Nachkriegszeit sowie die Umgestaltung zu einer sozialistischen Landeshauptstadt, die vierte durch die Veränderungen in den Jahren nach der Friedlichen Revolution. So wurden in den 1990er Jahren weiterhin historische Gebäude abgerissen, um Platz für neue Projekte zu schaffen, oder um dem Zeitgeschmack zu entsprechen. Ein markantes Beispiel hierfür ist der Abriss der klassizistischen Gebäude am Hauptbahnhof zugunsten des Busbahnhofs oder das Entfernen des schwebenden Daches auf dem Bassinplatz.

Ein weiterer spannender Bestandteil der Ausstellung sind die Fotografien von Lutz Hannemann, einem Potsdamer Luftbildfotografen, der in den vergangenen 30 Jahren die Entwicklung der Stadt dokumentiert hat. Mit seinen hochwertigen Farbaufnahmen zeigt Hannemann den Wandel Potsdams aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Robert Leichsenring, Stadtführer und freier Mitarbeiter des Potsdam-Museums, erläuterte während seiner Führung, dass die Luftaufnahmen nicht nur die Stadtgeschichte erzählen, sondern auch auf Geheimnisse hinweisen. Besonders auffällig sind die „schwarzen Flecken“ in einigen Bildern, die auf militärische Orte verweisen, die in Potsdam geheim bleiben sollten – ein faszinierender Aspekt der Ausstellung, der die Besucher zum Nachdenken anregt.

Insgesamt bietet die Ausstellung einen tiefen Einblick in die Geschichte und den Wandel der Stadt zeigt eindrucksvoll, wie sich Potsdam im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Olaf Tiede vor Beginn seines Vortrags.

Die Potsdamer Kirchenachsen

Olaf Tiede erforscht seit vielen Jahren die Kirchenachsen in Potsdam und darüber hinaus. In seinem umfangreichen Vortrag beim Vereinstreff im April 2025 berichtete er darüber. Anhand zahlreicher Fotos und vergleichender Satellitenaufnahmen wies er nach, dass Kirchen nicht zufällig irgendwo gebaut wurden, sondern immer mit einem Bezug, einem sichtbaren oder geistigen Bezug.

Bekannt ist die Potsdamer Kirchenachsenlinie von Garnisonkirche – Nikolaikirche – Heiligengeistkirche. Eine solche offensichtliche Konstellation hat nicht nur stadtgestalterische Gründe, sondern steht auch für eine spirituell-symbolische Beziehung. Für dieses Denken finden sich die Wurzeln bereits im frühen Mittelalter, als im Zuge der Christianisierung des Havellandes die kleinen Dorfkirchen in Abhängigkeit von den großen Mutterkirchen und Klöstern entstanden. Auf der Insel Potsdam sind viele Beispiele für diese kirchenstrategischen und liturgischen Überlegungen zu finden.

Sakrale Landschaft & Gesamtkunstwerk

In der Zeit des späteren Absolutismus, als die königliche Macht vor allem sichtbar zelebriert werden sollte, wurden zunehmend „Beziehungsachsen“ relevant. Auch erfolgte eine Ausrichtung nach dem Sonnenstand zu bestimmten Kalenderdaten. Zur Kaiserzeit um 1900 wurde das Sichtachsen-System noch weiter ausgebaut. Durch die dichter werdende Bebauung drängten sich neue Türme in die Achsen.

Die umfangreichen Erkenntnisse erstaunten uns, denn die viele Verbindungslinien sind komplett unsichtbar – wie die Ausrichtung der beiden katholischen Kirchen nach Rom. Frage aus der Runde: Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu erforschen? Seine Antwort darauf: „Ich schaue mit den Augen eines Grafikers.“ Das Ergebnis ist erstaunlich. Es scheint in der früheren Bauplanung alles mit allem zusammenzuhängen. Nichts wurde dem Zufall überlassen. So entstand ein Netz von zusammenhängenden Bauten, so gibt es zum Beispiel auch einen direkten Bezug von der Französischen Kirche auf dem Bassinplatz zum Pantheon in Rom.

Thiede will zum Jahresende 2025 ein weiteres Buch zu seinem Thema veröffentlichen.

Aktuell stellt er in der Schlossgalerie Haape in Caputh Werke seiner Malerei aus. Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr in der Krugstraße 38 geöffnet.