Jutta Michelsen und Bolko Bouché mit Bouché-Champagner

Neujahrsempfang 2026 in der Französischen Kirche

Zum Neujahrsempfang des Kulturstadtvereins trafen sich die Vereinsmitglieder am 17. Januar 2026 in der Französischen Kirche – der Empfang war zugleich die Auftaktveranstaltung für eine kleine Themenreihe des Vereins „Internationale Impulse für Potsdam“. Den Einstieg gestaltete Vereinsmitglied Bolko Bouché mit seinem Festvortrag: „Von Bonnay nach Berlin – die Gärtnerfamilie Bouché, ein Beispiel erfolgreicher Ansiedlungspolitik.“

Gewollte Peuplierung

Jutta Michelsen, Vereinsvorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Versailles, verwies in ihrer Anmoderation auf die Flucht der französischen Calvinisten nach dem Edikt von Fontainbleau 1685. Nur drei Wochen später beantwortete Kurfürst Friedrich Wilhelm die einsetzende Verfolgung mit seinem Edikt von Potsdam. Er lud die Geflüchteten mit konkreten Versprechungen nach Brandenburg ein und schickte ihnen Gesandte nach Hamburg, Amsterdam, Köln und Frankfurt a.M. entgegen. Sie ermöglichten den Flüchtlingen mit Geld und Pässen die Weiterreise nach Brandenburg. Die Aufnahme von etwa 20.000 Hugenotten in Brandenburg sollte ihre Not lindern und hatte zugleich ein wirtschaftspolitisches Ziel. Brandenburg litt noch immer unter dem Bevölkerungsschwund durch den 30-jährigen Krieg und war auf die Zuwanderung angewiesen – Peuplierung hieß das damals.

Zu den Privilegien der hugenottischen Einwanderer zählten eigene Lehrer, eigene Pfarrer, sogar eigene Richter. Sie sprachen im Alltag französisch, heirateten untereinander und gaben ihren Kindern französische Vornamen. Erst in der dritten Generation sprachen sie perfekt deutsch. Als aber Napoleon 1806 Berlin besetzte und zum Empfang lud, erklärte der Gemeindesprecher ihm, dass die Hugenotten gute preußische Staatsbürger geworden seien.

4500 Hugenotten kamen nach Berlin, ein Viertel der Berliner Bevölkerung sprach nun französisch. Das bedeutete einen Kulturwandel, der zu erheblichen Widerständen führte. Aber die Hugenotten veränderten Wirtschaft und Kultur zum Positiven.

Gärtnerfamilie Bouché

Unter den Einwanderern in Berlin waren 28 Gärtnerfamilien. Ihr hoher Anteil unter den Zuwanderern ist auch im calvinistischen Glauben begründet, wonach der Garten Teil der Schöpfung Gottes ist und Gartenarbeit als gottgefälliges Werk angesehen wird. Mit den Hugenotten kamen viele neue Obst- und Gemüsesorten nach Berlin.

Bolko Bouché berichtete über seine Vorfahren. Fünf Generationen Bouchés bewirtschafteten Gärten in der Stralauer Vorstadt. Stammvater aller Berliner Bouchés war David Bouché, der mit seiner Ehefrau um 1687 in Berlin eintraf. Der mittellose Einwanderer erhielt vom Staat ein Wohnhaus und ein Stück Gartenland, das teilweise Sand, teilweise Moorboden war. Durch harte Arbeit machte er es fruchtbar, erwarb er sich Vertrauen und konnte 1704 von Landsleuten das Geld für eine eigene Gärtnerei borgen.

Die Bouchés betrieben über fünf Generationen Gartenbau in Berlin, sie waren aber auch Botaniker, Gartengestalter und -inspektoren, zum Beispiel auf der Pfaueninsel, für den Treptower Park oder im Botanischen Garten. 1863 betrieben drei Bouché-Nachfahren eigene Gärtnereien, dann wurden die Flächen für die Bebauung der wachsenden Stadt gebraucht. Nach und nach verkauften sie die Grundstücke mit Gewinn und waren nicht mehr ortsgebunden. Damit war die Zeit der Diaspora beendet.

Spende für den Gemeindegarten

Die Französisch Reformierte Gemeinde Potsdam gestaltete mit Orgelspiel, einem kleinen Chorkonzert und der Begrüßung durch Presbyteriumsmitglied  Dr. Martin Peske einen würdigen Rahmen für den Empfang. Kulturstadt-Vereinsvorsitzende Fides Mahrla informierte über das Jahresprogramm 2026 und die geplanten Beiträge im Themenjahr „Internationale Impulse für Potsdam“. So ist eine Radtour zum Hugenottengarten nach Langerwisch geplant aber auch eine Spurensuche der Einwanderer aus Holland, Böhmen, Belgien, Italien, Russland u.v.m.

Unser Verein bedankte sich bei den Gastgebern mit einem Spendenscheck über 500 Euro. Das Geld ist für neue Pflanzen im Gemeindegarten  – dem ehemaligen Hugenottengarten –  in der Gutenbergstraße 77 vorgesehen.

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl

Am 5. November 2025 fand die turnusmäßige Mitgliederversammlung mit Neuwahlen des Vorstands statt. Vereinsvorsitzende Fides Mahrla bedankte sich für die Arbeit des alten Vorstands.

Als neue Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Vorsitzende Fides Mahrla, stellv. Vorsitzender Matthias Finken, Schatzmeister Dr. Frank Dietrich, Beisitzer Dagmar Christl, Karin Hennig, Olaf Gutowski, Bolko Bouché. Die Wahl erfolgte für jeden Vorstand einzeln und in offener Abstimmung. Alle Vorstände wurden einstimmig gewählt mit jeweils einer Enthaltung, des Kandidaten selbst.

Im Bericht des Vorstands fasste Fides Mahrla die Aktivitäten seit 2022 zusammen. Sie sagte: „Ein großes Plus unseres Vereins ist die hohe Beteiligung an den Veranstaltungen. Das gemeinsame Erleben von Stadtgeschichte und das Kennenlernen engagierter Menschen steht bei uns im Mittelpunkt..Viele Angebote waren sogar ausgebucht, manchmal mit Wartelisten – ein schönes Zeichen, dass unsere Themen ankommen.“

In ihrem Ausblick bedankte sie sich im Namen des Vorstands für große Vertrauen. Sie wandte sich mit der Bitte an die Mitglieder, den Vorstand aktiv zu unterstützen, so dass die Arbeit auf breitere Schultern verteilt wird. Jeder entscheidet selbst, was er machen möchte und wie viel Zeit er dafür aufwendet. Es geht um kleine Aufgaben, zum Beispiel:

  • Newsletter gegenlesen
  • Artikel „Verein des Monats“ für die Seite Kulturerben-Potsdam.de schreiben
  • Fotos für Potsdam-Wiki machen

Dem Kulturstadt Potsdam e.V. gehören aktuell 144 Mitglieder an. Der Verein ist in Potsdam bekannt als Multiplikator für Kultur. Er unterhält Potsdam-Wiki, lädt monatlich zum „Willkommen in Potsdam“ ein und ist Netzwerkpartner für die Kulturerbenvereine in Potsdam. Höhepunkt unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet ist das jährliche Fest der Kulturerben, mit dem das ehrenamtliche Engagement der über 40 Denkmalvereine in Potsdam gezeigt und anerkannt wird. Wir wollen unsere Aktivitäten fortsetzen und sie weiter ausbauen, was eine Menge Kraft erfordert. Neue Ideen und aktive Mitarbeit sind immer willkommen.

Foto: Caroline Vilbrandt

Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt

Bernd Rubelt spricht über Potsdam im Wandel

Zum Abschluss unseres Jahresthemas 2025 sprach Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, am 10. Oktober in der Wissenschaftsetage über „bewahren – erneuern – entwickeln: Potsdams Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten“.

Chancen der Stadtentwicklung

Zu Beginn präsentierte Rubelt eine Karte zur Bevölkerungsentwicklung wachsender Metropolen (2021–2045) und zeigte damit die Dynamik, die Potsdam in den kommenden Jahren erwartet. Die Stadt punktet mit ihren natürlichen Gegebenheiten, gewachsenen Strukturen und einer hohen Lebensqualität. Besonders eindrucksvoll war eine Netzwerk-Grafik, die 134 Bildungs- und Wissenschaftsstandorte in Berlin und Brandenburg miteinander verband.

Wissenschaft in der Metropolregion

Potsdam verfügt bereits über drei bedeutende Wissenschafts- und Innovationscluster:

  • Life Sciences & Bio Tech auf dem Campus Golm
  • Medien, IT, Film und KI in Babelsberg, Griebnitzsee und Jungfernsee
  • Klima- und Erdwissenschaften auf dem Telegrafenberg

In den kommenden Jahren entstehen weitere Leuchttürme: Die Hasso-Plattner-Stiftung entwickelt den Campus Griebnitzsee zu einem europaweit führenden Standort für digitale Wissenschaften. Gleichzeitig entsteht am Brauhausberg ein neuer Universitätsstandort – unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude.

„Potsdam hat das Potential, zu einem globalen Ort der Innovation zu werden, an dem Visionen für die Zukunft Wirklichkeit werden.“  Hasso Plattner

Entwicklung folgt der Infrastruktur

Rubelt betonte, dass erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung nur gelingen kann, wenn Verkehrsplanung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und öffentliche Räume als Einheit gedacht werden. Dazu gehören ebenfalls Analysen und Maßnahmen zu:

  • Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums
  • Weiterentwicklung der Innenstadt
  • Zukunft der Plattenbauquartiere
  • Reduzierung der Versiegelung
  • Erhalt von Grünvolumen
  • Anpassung an den Klimawandel

Jahresthema 2025 Stadtentwicklung

Die Mitglieder des Kulturstadtvereins setzten sich 2025 mit der Stadtentwickung Potsdams auseinander. Unsere Partner dabei waren Kirchenhistoriker Andreas Kitschke, der ehemalige Oberbürgermeister Jann Jakobs, die Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam Sigrun Rabbe, der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V. Willo Göpel, der Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren Carsten Hagenau, Stadtführer Robert Leichsenring, der Grafiker und Autor Olaf Tiede sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt. Allen ein herzliches Dankeschön spannende Vorträge und erhellende Erkenntnisse.

Matthias Finken (links) mit Alexander Richter.

Stammtisch zum Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä

Am 1. Oktober war Alexander Richter, der Vorsitzende des Freundeskreises Potsdam-Jyväskylä. zu Gast bei unserem Vereinsstammtisch. Matthias Finken, stellvertretender Vorstandsvorsitzender beim Kulturstadt e.V. begrüßte unseren Referenten auf Finnisch. Er hatte aus beruflichen Gründen fünf Jahre in Finnland gelebt. 

Alexander Richter fand seinen persönlichen Zugang zum Land der 1000 Seen über die finnische Literatur. Er ist seit vielen Jahren ein großer Finnland-Fan und organisiert auch alle zwei Jahre eine Bürgerreise in Jyväskylä.

Gastgeschenk 2019 war ein Apfelbäumchen, das mit einer großen Ehrentafel versehen in Jyväskylä gepflanzt wurde. Das Gegengeschenk aus Jyväskylä kam 2021: ein Apfelbäumchen, ein punakaneli – roter Zimtapfel! Es wurde im Volkspark gepflanzt und mit einem kleinen Plastikschild versehen, das inzwischen kaputt ist.

Im Herbst 2027 ist wieder eine Bürgerreise nach Jyväskylä geplant. Thema: Design und Genuss. Jyväskylä ist die Heimatstadt des bekannten Architekten Alvar Aalto.  

Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä:
Im Jahre 1992 gründete sich der Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä, um die bereits 1985 vereinbarten Beziehungen beider Städte mit Leben zu erfüllen. Seither gab es Bürgerreisen, Informationsveranstaltungen, Austausche auf musikalischer und künstlerischer Ebene und Lesungen finnischer Autoren. Hier profitiert Potsdam von der Nähe zu Berlin und der finnischen Botschaft.

Neue Interessenten sind beim Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä jederzeit willkommen.

Freundeskreis  Potsdam-Jyväskylä

Foto: Matthias Finken (links) reicht nach der Begrüßung das Mikrofon an Alexander Richter weiter.

Innenstadtspaziergang mit Sigrun Rabbe

In unserem Veranstaltungszyklus „Die Stadtentwicklung der Potsdamer Mitte“ führte uns Sigrun Rabbe am 16. September über den Alten Markt, die Uferpromenade der Alten Fahrt und den Steubenplatz mit der Ringerkolonnade.

Sie ist Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam und als solche für die Entwicklung der Quartiere rund um den Alten Markt zuständig. Aufgabe des Sanierungsträgers ist über die städtebauliche Entwicklung hinaus die Planung und Umsetzung von Straßen, Plätzen, Grünflächen und Promenaden mit hoher Gestalt- und Aufenthaltsqualität.

Der Sanierungsträger verantwortet dabei den Fördermitteleinsatz aus der Städtebauförderung. Seit über 25 Jahren ist der Alte Markt dabei ein Schwerpunkt. Sigrun Rabbe erklärte uns die Stadt aus Planerperspektive. Sie erzählte vom Straßenpflaster und Verlegemustern der Steine, dem Regelwerk des Pflasterleitfadens und die Herausforderungen der Höhenentwicklung zurück auf das historische Niveau. Immer wieder mit ironischem Unterton, wenn sie die eigene Fachsprache zitiert: Zum Beispiel, dass die Abgrenzung des Havelufers kein Geländer braucht, wenn sich dort ein „Bootsanleger für muskelbetriebene Wasserfahrzeuge“ befindet.

Sigrun Rabbe sprach über die Planung für die Blockbebauung an der Bibliothek, das komplizierte Vergabeverfahren für die Grundstücke und Unwägsamkeiten – Munitionsfunde, Bodenarchäologie und den schwierigen Baugrund- in der Innenstadt. So stand der inzwischen abgerissene „Staudenhof“ auf 959 massiven Betonpfeilern, die in der Baugenehmigung nicht verzeichnet waren. Sie werden drinbleiben und müssen bei der Fundamentierung des Neubaus berücksichtigt werden.

Am letzten Punkt des Rundgangs noch ein Fachwort: Die Ringerkolonnade, ein Denkmal, wurde translosziert, nämlich vom Neptunbassin an den geplanten Steubenplatz. Vielleicht wird bald auch Steuben translosziert.

Seit 1996 arbeitet Sigrun Rabbe in und für Potsdam, betreute die Entwicklung des Bornstedter Feldes sowie die Sanierung des Holländischen Viertels und der 2. Barocken Stadterweiterung. Es ist seit fast 30 Jahren ihre Arbeit, eine Arbeit die auch Herzenssache für sie ist. Das finden die Kulturstadt-Mitglieder ganz großartig, wie unsere Vereinsvorsitzende Fides Mahrla unterstrich.

Bolko Bouché

Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V.

Potsdamer Stadtschloß: Verein sammelt für Fassadenschmuck

Beim Kulturstadt-Stammtisch am 3. September 2025 berichtete Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V., über das Engagement seines Vereins. Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion des historischen Fassadenschmucks am Landtagsneubau. Dabei geht es überwiegend um Neuanfertigungen.

Der Verein hatte sich bereits für die Wiedererrichtung des Fortunaportals (1999/2002) und den Bau des brandenburgischen Landtags im rekonstrukierten Stadtschloß (2003/2005) eingesetzt. Aktuell arbeiten die rund 200 Mitglieder daran, den Skulpturenschmuck des Schlosses zu vervollständigen. Der Bau soll wieder mit insgesamt 118 Sandsteinfiguren verziert werden. Sie werden anhand von Fragmenten oder Fotografien neu modelliert und in Sandstein gehauen.

Als Vereinsvorsitzender ist Willo Göpel der wichtigste Spendensammler seines Vereins. Rund 70.000 Euro kostet die Herstellung einer einzigen Figur. Etwa ein Drittel der Figuren steht bereits an seinem Platz, und  jedes Jahr sammelt der Verein Spenden für ein bis zwei weitere. Göpel betonte, dass die detaillierte Kenntnis der Figuren Teil seiner Spendenstrategie sei: Sponsoren sollen für eine konkrete Skulptur begeistert werden. „Man muss einen Sponsor über das Motiv gewinnen. Aber nur jede zehnte Idee funktioniert“, erklärte er.

Zu den Arbeiten gehört auch die Rekonstruktion der Putten an der Fahnentreppe. Auf historischen Abbildungen sind sie ohne Instrumente dargestellt, doch Göpel verweist auf Fingerhaltungen, die auf Musikinstrumente schließen lassen. Vermutlich hielten die Figuren ursprünglich hölzerne Instrumente, die im Laufe der Zeit verloren gingen.

Ein nächster Schritt ist für den 16. September um 11:00 Uhr geplant: Dann sollen die Figuren Atalante und Hippomenes im Schlosshof aufgestellt werden – sichtbar vom Alten Markt in der Achse der Anna-Flügge-Straße.

Der Kulturstadtverein ließ es sich beim Sommerfest gut gehen.

Sommerfest auf dem Winzerberg

Am 16. August 2025 beging der Kulturstadt Potsdam e.V. sein traditionelles Sommerfest. Mehr als 50 Mitglieder und Gäste waren gekommen, um die Abendstunden auf der historischen Weinberganlage von Friedrich Wilhelm IV. zu verbringen. Vielen Dank an den Förderverein des Winzerbergs, der diesen Schatz vor dem Verfall bewahrt hat und die Pflanzungen bewirtschaftet. Wir sind immer begeistert von der Anlage, dieses Mal dazu auch vom Wetter.

Das Sommerfest ist ein Gemeinschaftswerk von Mitgliedern – für Mitglieder. Freiwillige Helfer bauen auf und decken die Tische. Abends wird alles wieder zurück geräumt auf den Normalzustand und zwar flott. Die Gartenanlage ist nämlich nicht beleuchtet.

Eingespielter Brauch sind ebenfalls die Zulieferungen fürs Büffet. Jedes Vereinsmitglied steuert einen Gang bei. So bietet das Buffet eine einzigartige deutsch-internationale Spezialitätenauswahl. Frank Schröder und Lothar Mahrla überzeugten wieder einmal als Grillmeister.

Vereinsvorsitzende Fides Mahrla eröffnete das Fest und gab einen Ausblick auf die nächsten Veranstaltungen. Sie lobte den Einsatz vieler Mitglieder, ohne die solche Veranstaltungen nicht möglich wären. Allerdings auch nicht ohne die engagierte Vorsitzende – und das seit über 20 Jahren.

Der Verein wurde 2003 als Kulturhauptstadt Potsdam e.V. gegründet und hat sich mit neuen Aufgaben immer weiterentwickelt. So soll das bleiben – dafür werben wir um neue Mitglieder. Ihre Ideen und aktives Mittun sind gefragt.

Bolko Bouché

„Die drei Musketiere“ im Heckentheater

Sommer in Potsdam – das heißt auch: Sommertheater mit dem Poetenpack!

In diesem Jahr wurde gefochten, geflirtet und geflunkert – mit breitkrempigen Hüten, bunten Federn und wehenden Hemdsärmeln im rasanten Fechtgetümmel. Regisseurin Sonja Wassermann bleibt der berühmten Vorlage von Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ in ihren Grundzügen treu, bringt sie aber mit feinem Gespür ins Hier und Heute.
Die Geschichte spielt im vorrevolutionären Frankreich und bietet alles, was ein unterhaltsamer Theaterabend braucht: Spannung, klar gezeichnete Charaktere, temporeiche Kampfszenen und viel Sprachwitz. Das Ergebnis: ein spritziges Bühnenspektakel – überraschend, temporeich und höchst amüsant.

Hauen, Stechen und Lachtränen im Heckentheater

Der schüchterne d’Artagnan will raus aus dem Dorf – und rein ins Abenteuer. Er träumt von einer Karriere als Innenrevisor bei der „Königswusterhausener“, doch die Eltern würden ihm lieber ein Haus neben dem eigenen bauen. Papa rät ihm schließlich: auf nach Paris, Muskatnuss soll er werden!
Gleich zu Beginn fällt die Dramaturgin der Sense von Mutter Natur zum Opfer – was dazu führt, dass die Darsteller nun selbst den Erzählfaden weiterspinnen müssen. Und das tun sie mit Bravour: Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen in rasantem Rollenwechsel mehr als 20 Figuren – mit Witz, Tempo und sichtlicher Freude am Spiel.
Das Publikum folgt begeistert. Es wird gelacht, getuschelt („Herrlich!“), und wenn ein Duell plötzlich zum Duett wird, ist niemand überrascht. Wenn Athos über „immer noch 19 Prozent“ auf dem Kneipenbon klagt oder König Louis XIII. meint, Demokratie sei „furchtbar langweilig“, blitzt herrlicher Zeitgeist-Humor auf.
Die Charaktere sind bewusst überzeichnet, mit viel Ironie und einem charmanten Augenzwinkern gespielt. Kein Moment ist vorhersehbar – selbst wenn man den Stoff kennt. Und sollte einmal ein Haiangriff in der Straße von Dover drohen, wird dieser elegant pantomimisch gelöst.
Das Publikum bedankt sich mit begeistertem Applaus und Standing Ovations – und das vollkommen zu Recht.

The same procedure as every year

Seit unserem ersten Besuch beim Poetenpack im Jahr 2006 – damals noch auf dem Q-Hof in der Lennéstraße – gehört das traditionelle Vorgespräch fest zum Ritual. In diesem Jahr stimmten Dramaturg Willi Händler und Schauspieler Nikolai Arnold die Mitglieder auf die Neuinszenierung ein – informativ, humorvoll und kurzweilig.
„Einer für alle – alle für einen!“ ist ein Klassiker des Mantel-und-Degen-Genres mit über 20 Rollen, die hier im fliegenden Kostümwechsel von nur sieben Darstellern gespielt werden. Neu in diesem Jahr: Die Fechtszenen wurden erstmals unter Anleitung eines professionellen Kampfchoreografen einstudiert.
Das Poetenpack bespielt regelmäßig Bühnen in Potsdam (Zimmerstraße & Heckentheater) sowie in Magdeburg. Umso mehr freut sich das Ensemble über wachsende Unterstützung aus dem Freundeskreis. Wer mehr über Fördermöglichkeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen [hier].

Potsdam, am 2. August 2025

Stadtentwicklung zur Amtszeit von Jann Jakobs

Beim Vereinsstammtisch am 2. Juli war Jann Jakobs unser Gast. Er war seit 1997 als Beigeordneter für Soziales, Jugend und Gesundheit tätig und von 1999 bis 2002 Bürgermeister der Landeshauptstadt sowie Beigeordneter für Ordnung und Umweltschutz. Von 2002 bis 2018 war er Oberbürgermeister. Bei seiner feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Es ist Dein Verdienst, Potsdam zu einer liebenswerten Stadt gemacht zu haben, für alle, die hier leben. Was Du für das Land geleistet hast, ist immens.“

Potsdam nach der Wende

Jann Jakobs berichtete über seine Arbeit und die seiner Vorgänger. Wesentliche innerstädtische Entwicklungen waren Ende der 1990-er Jahre bereits in die Wege geleitet: Die Rettung der denkmalgeschützten Innenstadt sowie Erhalt und Sanierung der Plattenbaugebiete aus DDR-Zeit, in denen heute ein Drittel der Potsdamer wohnen. Jann Jakobs war bereits als Beigeordneter in diesen Prozess eingebunden – in seinen Bereich fielen die Verhandlungen mit den Hausbesetzern, die sich zum Beispiel in der Gutenbergstraße eingerichtet hatten. Jakobs setzte auf klare Ansagen: Kein besetztes Haus mehr zur Bundesgartenschau 2001.

Matthias Platzeck und Jann Jakobs

Sein Verhältnis zu Matthias Platzeck beschrieb er so: Matthias war Sympathieträger, er hat das Image der Stadt gewandelt, weg von der Hauptstadt der Meckerer. „Ich war derjenige, der den Alltag organisiert hat, auch Müllabfuhr und Straßenreinigung.“ Als Oberbürgermeister stärkte Jakobs die Verwaltungsstrukturen. Er baute einen modernen und funktionierenden Bürgerservice auf, der bundesweit als vorbildlich galt. Er kann sich nicht erklären, warum es heute dort riesige Warteschlangen gibt.

Meilensteine der Stadtentwicklung

Als gelungen bezeichnete Jakobs die Entwicklung des Bornstedter Feldes, aktuell Wohnort für 14.000 Potsdamer, und die Neubebauung des Alten Marktes. Hier lobte er vor allem Hasso Plattner und sprach die Hoffnung aus, dass ihm die Stadtverordneten bei der Entwicklung des „Kreml“ keine Steine in den Weg legen. Jakobs befürchtet,  dass es mit Wettbewerbsverfahren zu endlosen Verzögerungen kommt.

Zankapfel Rechenzentrum

Manche würden es als einen Fehler in seiner Amtszeit bezeichnen, dass er die Überlassung des Rechenzentrums für Nutzung durch Künstler und Unternehmen der Kreativbranche zugelassen habe. Er stehe jedoch dazu, denn es sei damals nicht abzusehen gewesen, dass der Turm der Garnisonkirche so schnell gebaut wird und das Kreativquartier kommen würde. Die Stadt habe damals auf den Bedarf reagiert. Für die spätere Verlängerung der Nutzungsfrist hätte es keinen Bedarf gegeben.

Unsere Vereinsmitglieder hatten noch viele Fragen. Mit seinem Vortrag und den Antworten fügte Jann Jakobs ein wichtiges Kapitel zu unserem Jahresthema „Die  Stadtentwicklung im Herzen Potsdams“ hinzu. Die nächste Veranstaltung dazu ist ein Stadtrundgang mit Sigrun Rabbe, Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam, am 16. September.

Atelierbesuch bei Bernd Blase – Zwischen Traum, Kunst und Coaching

Ein Atelierbesuch bei unserem Vereinsmitglied Bernd Blase ist mehr als nur ein Blick auf Leinwände – es ist eine Reise in eine faszinierende Gedankenwelt, die sich zwischen Traum, Klang und Farbe bewegt. Seit 1974 widmet sich Bernd Blase der Malerei, doch erst seit 2014 entstehen seine Werke aus bewussten Träumen der Nacht. Sie sind Ausdruck innerer Bilder, Reflexionen und immer auch ein Experiment. Diese surrealen Bildwelten, oft vieldeutig und offen für Interpretationen, ordnet er einem eigens geprägten Stilbegriff zu: dem „Inproeliolismus“ – abgeleitet aus dem lateinischen in proelio, „in der Schlacht“. Gemeint ist der kreative, manchmal auch schmerzhafte Prozess des künstlerischen Ringens um Ausdruck, Sinn und Form.

Atelierbesuch am 20. Juni 2025 – Foto: Bernd Blase

Blase, ein überzeugter Autodidakt, zitiert Wilhelm Busch: „Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“ Getreu diesem Motto vermeidet er bewusst den Mainstream und das bloße Wiederholen bereits Dagewesenen. Jedes seiner Werke ist ein Experiment – offen für Veränderung, solange es nicht in einem Rahmen hinter Glas konserviert wird.

Vom Koch zur Kunst: Ein außergewöhnlicher Werdegang

Seine Biografie ist ebenso vielfältig wie seine Kunst. Den gelernten Koch führte der Weg über die Nouvelle Cuisine zur Musik und Komposition in Paris, wo er drei Jahre als Straßenmusiker und Maler lebte. In dieser Phase entstanden 22 Gemälde sowie 33 Lieder und Gedichte – alle Bilder wurden verkauft, um den Alltag zu finanzieren. Heute ist er als Komponist und Singer/Songwriter Mitglied der GEMA; seine Musik ist auf gängigen Portalen abrufbar.

Auch als Maler hat Blase Spuren hinterlassen: Einige seiner Werke sind an öffentliche und private Einrichtungen verliehen. Seine Ateliers in Potsdam und Wittichenau (Oberlausitz) sind kreative Rückzugsorte – Orte des Träumens, Arbeitens und Reflektierens.

Kunst trifft Coaching

Doch Bernd Blase ist nicht nur Künstler. Hauptberuflich wirkt er als Dozent, Hochschullehrer und Coach. Themen wie Qualitätsmanagement, Persönlichkeitsentwicklung und Rhetorik verbinden sich bei ihm mit einem tiefen Verständnis für das Menschsein – eine Synthese aus Philosophie, Kreativität und Praxis.

Filmisches Porträt eines Grenzgängers

Ein Filmteam hat ihn 2024 begleitet – entstanden ist ein eindrucksvolles Porträt eines Menschen, der Coaching, Kunst und Leben zu einer Einheit verschmelzen lässt. Der Film gibt Einblick in ein Schaffen, das sich jeder Kategorisierung entzieht:  Auf Youtube: Bernd Blase – Porträt eines vielseitigen Talents

Fazit: Ein Künstler, der Spuren hinterlässt

Bernd Blase ist ein moderner Renaissance-Mensch. Seine Bilder sind Fenster in eine Welt jenseits der Konventionen. Wer ihn besucht, begegnet nicht nur einem Künstler, sondern einem Impulsgeber, der Mut zur Veränderung macht – im Leben wie in der Kunst.