Musik und Zeit für Friedrich II. – Der Schweizer Uhrmacher J. R. Fischer

Beim Juli-Vereinstreff führte Dr. Silke Kiesant, Kustodin der Skulpturen- und Uhrensammlung der SPSG, die Mitglieder in die Kunst der Uhrmacher des 18. Jahrhunderts ein. Friedrich II. bezog bereits in den 1740er Jahren hochwertige Uhren aus Frankreich zur Ausstattung der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam sowie für das Schloss Sanssouci. Dabei orientierte sich der preußische König geschmacklich wiederholt am Dresdner Hof.

Obwohl schon um 1700 hugenottische Familien mit Uhrmachertradition in die brandenburgisch-preußische Residenzstadt gekommen waren, bestand bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ein deutlicher Fachkräftemangel. Daher wurden im Kanton Neuenburg in der französischen Schweiz gezielt Uhrmacherfamilien angeworben. Rund 20 Urmacher folgten dem Ruf und durften ihre Werkzeuge mitbringen, mussten jedoch Materialien aus heimischer Produktion verwenden.

Der Schweizer Uhrmacher Johann Rudolph Fischer

Der Name Johann Rudolph Fischer erscheint erstmals im Taufregister von Sankt Jakob in Köthen: 1738 wird dort die Taufe seiner Tochter Charlotte Juliane verzeichnet. Bemerkenswert ist, dass Fürst August Ludwig von Anhalt-Köthen persönlich als Pate auftrat. Fischer wird bereits hier als „hoch privilegierter Uhrmacher“ bezeichnet und steigt später zum fürstlichen Hofuhrmacher auf.

Nach dem Tod August Ludwigs im Jahr 1755 geht Fischer nach Potsdam, wo er unter Friedrich II. zum königlich-preußischen Hofuhrmacher wird und ein Wohnhaus am Berliner Tor erhält. Der um 1713 in Basel geborene Fischer stirbt am 30. Juni 1778 in Potsdam.

Fischer, Johann Rudolph: Bodenstanduhr

Bodenstanduhr mit ehemals Harfenwerk von J.R. Fischer

Besonders beliebt waren bei Friedrich II. die Musikspieluhren mit einer hoch komplizierten Mechanik. Auch diese Prachtuhr gehört zu den Meisterwerken von Johann Rudolph, die ursprünglich über ein Harfenwerk verfügte.

Die reich verzierte Standuhr gliedert sich in Sockel, Pendelkasten und Kopf und ist mit aufwendigen, feuervergoldeten Gelbgussornamenten im Stil des Rokoko ausgestattet. Typisch sind Rocaillen, Blumenmotive und Akanthusblätter. Auffällig ist die Signatur des aus Paris stammenden Vergolders Nicolas Morel.

Friedrich II. ließ die Uhr für das Chinesische Haus im Park Sanssouci anfertigen, dessen Innenausstattung nach dem Siebenjährigen Krieg ab 1763 vollendet wurde. Zeitgleich entstand im Neuen Palais eine nahezu identische Uhr desselben Typs. Während sich dieses Exemplar harmonisch in das Interieur einfügt, wirkte die Uhr im Chinesischen Haus vermutlich als stilistischer Fremdkörper – möglicherweise war ursprünglich ein anderer Aufstellungsort vorgesehen.

Königliche Uhrenmanufakturen

1765 kam der aus dem damaligen Fürstentum Neuenburg stammende Abraham-Louis Huguenin (1733-1804) in die preußische Hauptstadt. Dieser Schweizer Uhrmacher war berühmt für seine Pendulen mit Carillon und Flötenwerk, aber auch mit kalendarischen und astronomischen Indikationen. König Friedrich II. ernannte ihn zum Generalinspekteur der Uhrmacherei in Berlin und übertrug ihm die Leitung der dortigen Königlichen Uhrenmanufaktur. Außerdem entstand auf Anordnung Friedrichs II. in Friedrichsthal bei Oranienburg eine Manufaktur, die auf die Herstellung von mechanischen Einzelteilen für Uhren, besonders für Email-Zifferblätter, spezialisiert war. Der König verfolgte damit das Ziel, die Produktion im eigenen Land zu stärken und sich von Importen unabhängiger zu machen.

In diesem Zusammenhang siedelten 20 Uhrmacher mit ihren Familien im Jahr 1782 aus der französischen Schweiz nach Friedrichsthal über und bezogen eigens für sie errichtete Wohnhäuser. Der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus: Für die gefertigten Uhren fand sich im damaligen Preußen nur ein begrenzter Absatz, sodass die Berliner Uhrenmanufaktur schon 1770 geschlossen und die Produktion in Friedrichsthal Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurde. Heute erinnern vor allem die Kolonistenhäuser an der Friedrichsthaler Chaussee an diese kurze Phase der Ansiedlung.

Zuwanderer gaben Impulse für die heimische Entwicklung

Silke Kiesant fasste ihren Vortrag wie folgt zusammen: Ohne die landesherrliche Protektion im Bereich der Luxusgüterproduktion und ohne Friedrichs ausgeprägtes Interesse an Musikspieluhren wäre diese Entwicklung kaum denkbar gewesen. Die angeworbenen Schweizer und französischen Uhrmacher brachten wertvolles Fachwissen ins Land, während einheimische Handwerker in den Manufakturen ausgebildet wurden und so nachhaltig von diesem Wissenstransfer profitierten.


Foto: Fischer, Johann Rudolph: Bodenstanduhr, ehemals mit Harfenwerk, 1763/1764, V 19., CCBY ©Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/ Ziebe, Oliver (Berlin, 2020)

 

 

Mars und die Musen. Katholische Zuwanderung nach Potsdam.

Im Rahmen unseres Jahresthemas „Internationale Impulse für die Entwicklung Potsdams“ hielt der Historiker und Kunsthistoriker Dr. Thomas Fischbacher am 19. Juni einen Vortrag zum Thema „Mars und die Musen. Katholische Zuwanderung und die Entstehung der Kirche St. Peter und Paul in Potsdam“.

Erstmals wurde Potsdam 993 in einer Urkunde Kaiser Ottos III. erwähnt. Die Eroberung des von Hevellern bewohnten Gebiets zog sich dann über zwei Jahrhunderte hin. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand eine deutsche Siedlung in Potsdam. Dies war die erste Zuwanderung, mit der die mehr als 800 Jahre Geschichte katholischen Lebens begann.
Die Reformation unterbrach diese Entwicklung: Kurfürst Joachim II., der zur lutherischen Lehre übergetreten war, löste 1540 die katholische Kirche in Brandenburg mit seiner Kirchenordnung auf. Allerdings musste dann Kurfürst Friedrich Wilhelm als eine Folge des Westfälischen Friedens 1648 unter anderem den Katholiken im Bistum Halberstadt, das zu seinem Herrschaftsbereich gehörte, die Ausübung der katholischen Religion erlauben. Auch die Gesandten des Kaisers und Frankreichs durften in Berlin katholische Messen halten. Im Jahr 1711 waren in Berlin rund 600 und in der Umgebung etwa 200 Katholiken ansässig, vermutlich zugewanderte Handwerker und Händler.

Anwerbung ausländischer Soldaten

1713 verlegte König Friedrich Wilhelm I. rund 500 Soldaten nach Potsdam und steigerte die Zahl bis zum Jahr 1740 auf rund 4.000 an. Sie wurden aus aller Herren Länder angeworben: Russland, Polen, Kur- und Livland, Litauen, Dänemark, Schwedisch-Pommern, Norwegen, England, Irland, Frankreich, Burgund, Elsass, Lothringen, Italien, Savoyen, Venedig, Spanien, den Generalstaaten (Niederlande) und aus den Schweizer Kantonen, aus Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Albanien, Walachei und aus dem Osmanischen Reich. Als Ausland galt aber beispielsweise auch das etwa 50 km beginnende Sachsen.
Im Königsregiment stammte jeder Fünfte aus dem Ausland, daher war rund ein Drittel der Soldaten katholisch. Zur Seelsorge kamen die Patres der kaiserlichen und französischen Gesandtschaft; 1722 verpflichtete der König für die Soldaten dann einen eigenen Priester aus dem Dominikanerkloster Halberstadt. Dies gilt als das offizielle Datum für die Wiederzulassung der katholischen Religion in Brandenburg.

Gründung der Gewehrfabrik

Im selben Jahr wurde auf dem Gelände zwischen der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße und der Hoffbauerstraße eine Gewehrfabrik angesiedelt. Dazu wurde katholischen Facharbeitern aus Lüttich – damals die Waffenschmiede Europas– auch die freie Religionsausübung gestattet. 1723 ließ der König auf dem Gelände der Gewehrfabrik eine Fachwerkkirche mit ca. 170 qm errichten. Die Gottesdienste fanden sonntags jeweils zweimal statt: auf Französisch für rund 240 Waffenhandwerker und auf Deutsch für die bis zu 400 katholischen Soldaten.

Auftragskunst für die Kirche

Für die äußerlich schlichte Kirche bestellte der König in Prag bei böhmischen Künstlern wertvolle liturgische Geräte aus Silber: Erhalten sind eine Monstranz, ein Rauchfass mit Schiffchen und eine große Ewiglichtampel, die über dem heutigen Hauptaltar von St. Peter und Paul zu bewundern ist.
Vermutlich anlässlich des Besuchs des katholischen Augusts des Starken gab Friedrich Wilhelm bei seinem in Paris geborenen Hofmaler Antoine Pesne das ebenfalls erhaltene Gemälde „Christus am Ölberg“ in Auftrag. Das 1728 geschaffene Werk war in der Fachwerkkirche der Gewehrfabrik der Hauptaltar; in der heutigen Kirche ist es als rechter Seitenaltar aufgestellt. Das Bildmotiv hatte auch einen weltlichen Hintergrund: Die Disziplin, mit der sich Christus dem göttlichen Willen fügt, sollte den Soldaten als Vorbild für militärischen Gehorsam dienen. Schon 1731 wurde die Kirche auf die doppelte Größe erweitert und erhielt 1732 weitere Stiftungen, darunter auch liturgische Gewänder.

Neubau der Kirche

Aufgrund der wachsenden Gemeinde und baulicher Mängel wurde 1737 im Auftrag des Königs ein Neubau begonnen. Die neue Kirche, auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet, war rund 800 qm groß und wurde 1738 zu Ehren Gottes, der Gottesmutter Maria sowie der Apostel Peter und Paul geweiht. Der König beauftragte abermals seinen französischen Hofmaler Antoine Pesne, der 1739 zwei Gemälde als Seitenaltäre malte: Eines zeigt Maria mit dem Jesuskind und dem heiligen Dominikus bei der sogenannten Rosenkranzspende, das andere den Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias. Sie befinden sich heute links und rechts vom Hauptaltar.
Aus der Zeit König Friedrichs II. stammt die erhaltene Figur der heiligen Maria Magdalena unter dem Kruzifix. Das nahezu lebensgroße, farbig gefasste Lindenholzensemble war wahrscheinlich eine Stiftung von Johann Peter Benckert, der das Werk inschriftlich 1763 geschnitzt hat. Der aus dem Hochstift Würzburg stammende Benckert hat in Berlin und Potsdam viele Werke für den Hof ausgeführt.

Kirche auf dem Bassinplatz

Im Jahr 1856 erhielt der Architekt August Stüler den Auftrag, Entwürfe für eine neue katholische Kirche zu erstellen und gemeinsam mit Peter Joseph Lenné geeignete Standorte zu prüfen. Lenné, gebürtig aus Bonn, seit 1816 in Potsdam tätig und seit 1824 königlich preußischer Gartendirektor, setzte sich als rheinischer Katholik für den Standort des zugeschütteten Bassins am östlichen Ende der Brandenburger Straße ein.
Nach Stülers Tod im Jahr 1865 übernahm Wilhelm Salzenberg die weitere Ausführung. Der 1866 verstorbene Lenné hatte der katholischen Kirche testamentarisch 1.000 Taler hinterlassen, wovon 1870 die byzantisierende Ausmalung durch den aus Niederschlesien stammenden Paul Stankiewicz realisiert wurde. Die Kirche entstand im romantisierenden Rundbogenstil. Weitere Informationen im PotsdamWiki Beitrag.

Beim schweren Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945 wurde die Kirche nur wenig beschädigt. Im selben Jahr endete das seit 1722 bestehende Staatspatronat, das auf Friedrich Wilhelm I. zurückging. Es verpflichtete den König beziehungsweise den preußischen Staat zur Finanzierung des Baus, zum Unterhalt der Kirche sowie zur Besetzung der Pfarrstellen. Die Allianz von Mars – das heißt, dem Militär und allem, was daran hing – und den ihm nachfolgenden Musen – der Kunst und den Künstlern – war damit beendet.

Die Gemeinde heute

Seitdem liegt die Verantwortung vollständig bei der Gemeinde. Nach dem Krieg war die Zahl der Katholiken durch Vertriebene und Zuzüge aus Vorpommern und Mecklenburg zuerst angestiegen, bis zur Friedlichen Revolution 1989 aber wieder gefallen. Nach der Wiedervereinigung vermehrten vor allem katholische Zuzüge aus dem Süden und Westen der alten Bundesländer und Fusionen mit Nachbargemeinden die Mitgliederzahl. 2013 stammten rund 12 Prozent der Gemeindemitglieder aus dem Ausland; die größte Nation war dabei mit Abstand Polen, dann folgten Italien, Österreich, Spanien, Niederlande und Frankreich. 2016 umfasste die Gemeinde ungefähr 7.200 Mitglieder. 2018 besuchten rund 50 Katholiken aus Afrika den Hauptgottesdienst am Sonntagvormittag in St. Peter und Paul.
Der globale Charakter der momentan 1,4 Milliarden zählenden Katholiken mit fast gleichen Riten und Glaubensinhalten erleichtert die Integration: Katholiken sind überall auf der Welt zuhause. In der zum Pfarrverband gehörenden Gemeinde St. Antonius in Babelsberg wird ein Gottesdienst am Sonntag auf Polnisch angeboten, in St. Peter und Paul alle 14 Tage auf Englisch, außerdem findet dort wöchentlich eine ukrainisch-griechisch-katholische Messe statt.
Die katholische Kirche in Potsdam ist von Beginn an ganz wesentlich eine Geschichte der Zuwanderung. Zeiten des Niedergangs und der Unterdrückung wurden durch Zuzüge und Zusammenlegungen wieder wettgemacht. Die sonntäglichen Messen führen eindrücklich vor Augen, wie voll, lebendig und bunt die Kirche heute ist. Durch die Zuwanderung aus aller Welt wird sie es auch in Zukunft sein.

Dr. phil. Thomas Fischbacher übt seit 2019 eine freiberufliche Tätigkeit als Historiker und Kunsthistoriker aus. Sein Schwerpunkt: Bauhistorische und stadtentwicklungshistorische Gutachten für Architekten, Bauherren, Projektentwickler oder Wohnungsbauunternehmen, Konzeption und Realisation von Publikationen und Ausstellungen. Weitere Informationen sind auf seiner Webseite zu finden.

 

Fest der Kulturerben 2026 – gelungene Premiere am Brandenburger Tor

Eine Premiere, die überzeugte: Am 7. Juni 2026 erlebten Potsdamer und ihre Gäste ein begeisterndes „Fest der Kulturerben“ – erstmals in der Brandenburger Straße am Brandenburger Tor. Der neue Standort erwies sich als Gewinn: Die Veranstaltung rückte näher zusammen und erreichte zusätzlich auch zahlreiche interessierte Passanten.

An 20 Ständen informierten die Kulturerben über ihre Denkmalprojekte in Potsdam. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel eröffnete das Fest und begrüßte die anwesenden Vereine persönlich.

Zum Netzwerk der Kulturerben zählen über 40 Vereine, die sich für Bau-, Technik- und Gartendenkmale einsetzen. Sie bewahren diese vor dem Verfall, pflegen sie dauerhaft und machen sie der Öffentlichkeit zugänglich. Rund 2.400 Mitglieder engagieren sich in diesem Verbund – ein außergewöhnliches Maß an bürgerschaftlichem Einsatz für den Denkmalschutz in einer Stadt.

Seit 2018 arbeiten die Vereine in einem Netzwerk, dem weitere über 30 Organisationen und Vereine, die der Idee nahe stehen, zusammen. Eine Projektgruppe aus Mitgliedern des Kulturstadt Potsdam e.V. koordiniert die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Unsere Mitglieder im Einsatz. Dankeschön!

Auch unser Verein war wie in den Vorjahren mit einem Stand vertreten. Mitglieder betreuten ihn im Wechsel, beantworteten Fragen und stellten eigene Projekte vor, darunter das PotsdamWiki. Dort verfügen die Denkmale über eine eigene Rubrik und sind inzwischen mit Geodaten sowie der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg verknüpft.

Ergänzend präsentieren wir ein digitales Angebot, das sämtliche Denkmale Potsdams in einem interaktiven Stadtplan verortet und mit Informationen aus der Denkmaldatenbank kombiniert. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Gebäude in der unmittelbaren Umgebung unter Denkmalschutz stehen – und aus welchen Gründen. Das Angebot wurde von Sören Horn ehrenamtlich entwickelt und befindet sich weiterhin im Aufbau. Hinweise und Anregungen zur Verbesserung sind willkommen.

Weitere Informationen und Impressionen auf der Kulturerben-Webseite.

 

Jüdische Entrepreneurs und Unternehmer des 18. bis 20. Jahrhunderts

Welche gelebten Leben verbergen sich hinter den knappen Inschriften auf Grabsteinen? Dieser Frage widmet sich Dr. Anke Geißler-Grünberg, Leiterin des Projekts „Jüdische Friedhöfe in Brandenburg“ am Lehrstuhl für Deutsch-Jüdische Geschichte der Universität Potsdam. Hinter den oft wenigen überlieferten Angaben – Namen sowie Geburts- und Sterbedaten – eröffnet sich bei näherem Hinsehen ein ganzer Kosmos aus Welt-, Regional- und Lokalgeschichte, geprägt von individuellen Lebenswegen, unternehmerischem Mut, aber auch von Brüchen und tragischen Erfahrungen.

Beim Juni-Vereinstreff im „Alten Stadtwächter“ stellte Geißler-Grünberg in ihrem Vortrag „Jüdische Entrepreneurs und Unternehmer in Potsdam“ ausgewählte Persönlichkeiten des 18. bis 20. Jahrhunderts vor.

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Potsdam lassen sich auf etwa 1740 datieren, als zehn jüdische Männer in der Residenz- und Garnisonstadt lebten. Jüdisches Leben ist jedoch bereits seit 1691 mit der Erwähnung eines jüdischen Kaufmanns belegt. Grundlage hierfür war das Aufnahmeedikt des Großen Kurfürsten vom 20. Mai 1671, das 50 aus Wien vertriebenen jüdischen Familien die Ansiedlung in der Mark Brandenburg und die Ausübung von Handel ermöglichte. Mit dem General-Juden-Reglement König Friedrich Wilhelms I. durften jüdische Unternehmer ab 1730 auch in Potsdam Manufakturen gründen, insbesondere im Textilgewerbe. Ziel war es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu nutzen, zugleich aber die Zahl der jüdischen Einwohner zu begrenzen. Dennoch wuchs die Gemeinde durch Zuzug von Händlern und Angestellten kontinuierlich.

Der Unternehmer Isaac Levin Joel

Grabmal für Isaak Levin Joel auf dem Jüdischen Friedhof Potsdam

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Potsdamer jüdischen Geschichte ist Isaac Levin Joel. Er gehörte zu den frühesten nachweisbaren jüdischen Einwohnern der Stadt und trug wesentlich zu ihrem wirtschaftlichen Aufstieg bei. Joel wurde vermutlich 1712 in Halberstadt geboren und erhielt 1734 als Schutzjude eine Konzession, die Voraussetzung für unternehmerische Tätigkeit in Brandenburg-Preußen war.

Seit den 1740er Jahren engagierte er sich wirtschaftlich in Potsdam. 1746 gründete er eine Ausnäh- und Broderiemanufaktur zur Veredelung kostbarer Stoffe. Die Arbeitskräfte rekrutierte er unter anderem aus dem königlichen Militärwaisenhaus – damals keineswegs ungewöhnlich, auch wenn es sich überwiegend um Kinder handelte.

Joel erwies sich nicht nur als erfolgreicher, sondern auch als vielseitiger Unternehmer. In den 1750er Jahren wandte er sich der Herstellung von Wachstapeten zu, einem damals äußerst gefragten Produkt. König Friedrich II. überließ ihm 1758 das Jagdschloss Glienicke als Produktionsstätte. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen des Siebenjährigen Krieges und erheblicher Konkurrenz entwickelte sich die Manufaktur zu einer der erfolgreichsten in Preußen. Joels Produkte fanden weite Verbreitung und schmückten zahlreiche Adelssitze sowie königliche Palais.

PotsdamWiki: Geschichte gemeinsam sichtbar machen

Neben Isaac Levin Joel stellte Geißler-Grünberg auch die Familien Friedeberger und Zielenziger vor. Deren Geschichte sowie weitere jüdische Persönlichkeiten sollen im PotsdamWiki sichtbar gemacht werden – die Artikel erscheinen in der Kategorie „Personen der Geschichte“. Wer macht mit? Jede neue Seite trägt dazu bei, vergessene Lebensgeschichten wieder sichtbar zu machen.

Weiterführende Informationen: Juden in PotsdamSynagogenzentrum Potsdam

 

Rund 50 Mitglieder freuten sich über die Rückkehr in unser langjähriges Stammlokal, den Alten Stadtwächter.

Ensemblewettbewerb 2026 der Städtischen Musikschule Potsdam

Musikalischer Nachwuchs begeistert am Campus Stern

Am Sonnabend, dem 9. Mai 2026, traten Kinder und Jugendliche der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ zum Ensemblewettbewerb am Campus Stern in der Galileistraße an. Insgesamt zehn Ensembles – vom Trio bis zum Quintett – stellten sich der Jury und präsentierten ihr Können.

Vielfältiges Programm auf hohem Niveau

Die Teilnehmenden im Alter von 7 bis 15 Jahren boten ein abwechslungsreiches Programm: Neben Popmusik-Beiträgen verschiedener Bands waren auch klassische Ensembles mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten zu hören. Gefordert waren Stücke unterschiedlichen Charakters, die jedoch nicht zwingend aus verschiedenen Epochen oder Stilrichtungen stammen mussten.
Auch die Auswahl der Musikstücke fand großen Anklang beim Publikum: Sie wirkte individuell auf die Ensembles zugeschnitten und unterstrich deren jeweilige Stärken.

Mitglied Birgit Fleischmann in der Jury.

Bewertung und Auszeichnungen

Eine fachkundige Jury, unterstützt durch eine Vertreterin des Vereins KULTURSTADT POTSDAM e. V., bewertete die Darbietungen nach einem festgelegten Punktesystem. Kriterien waren die musikalische Qualität, das Zusammenspiel innerhalb der Ensembles sowie der Gesamteindruck. Insgesamt wurden neun erste Preise und zwei zweite Preise durch die Jury vergeben sowie zusätzlich drei Sonderpreise.

Engagement des Vereins

Die Preisgelder wurden vom Kulturstadt Potsdam e. V. gestiftet. Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche Vereinsmitglieder vor Ort: Sie sorgten mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee für das leibliche Wohl, unterstützten als Saaldienst den reibungslosen Ablauf und dokumentierten den Wettbewerb fotografisch. So wurde der Wettbewerb auch zu einem lebendigen Gemeinschaftserlebnis im Vereinsleben.

Festliches Abschlusskonzert

Den Höhepunkt des Tages bildete das Abschlusskonzert mit Preisverleihung am Abend des 9. Mai 2026 im Friedenssaal des Großen Waisenhauses Potsdam.
Die Vereinsvorsitzende Fides Mahrla würdigte in ihrem Grußwort das Engagement und die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker. Sie hob hervor, dass das Zusammenspiel im Ensemble – geprägt von Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Freude – besonders beeindruckend gewesen sei. Gerade im Vergleich zu früheren Solistenwettbewerben wurde das gemeinsame Musizieren als großer Gewinn erlebt.

Preisträger im Ensemblewettbewerb der Musikschule Potsdam

Ein Tag voller Musik und Begegnungen

Der Ensemblewettbewerb 2026 war ein rundum gelungener Tag – geprägt von musikalischer Vielfalt, lebendiger Gemeinschaft und der spürbaren Begeisterung junger Talente. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen besonderen Tag voller Musik, Begegnungen und künstlerischer Energie.

 

 

 

 

 

Auf den Spuren von Franz Benda

Beim Mai-Vereinstreff stellte Dr. Klaus Harer, Referent für Musik und Osteuropa beim Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam, eine außergewöhnliche Persönlichkeit vor: „Franz Benda – Flüchtling aus Böhmen und Violinvirtuose am Hof König Friedrichs II.“

Wer war Franz Benda?

Franz Benda ist heute noch im Potsdamer Stadtbild präsent: Seit 1992 trägt die frühere Friedrich-Kirch-Straße seinen Namen. Zudem erinnert seit 2022 eine Gedenktafel in der Karl-Liebknecht-Straße 15 an sein Leben und Wirken.
Geboren wurde Franz Benda als ältester Sohn von Johann Georg Benda und dessen Ehefrau Dorothea in Alt-Benatek (Benátky), etwa 40 Kilometer nordöstlich von Prag. Sein Vater war Leineweber und zugleich als Tanzmusiker tätig, während seine Mutter aus der bekannten Musikerfamilie Brixi stammte.
Bereits im Alter von neun Jahren begann Benda seine musikalische Laufbahn als Chorknabe am Benediktinerkloster der Nikolaikirche in Prag und besuchte die Jesuitenschule. Seine Ausbildung und Karriere führten ihn zunächst als Sänger an die Dresdner Hofkirche und zurück nach Prag. Später entwickelte er sich zum Violinisten.

Weg an den preußischen Hof

Entgegen der oft erzählten Vorstellung kam Benda nicht unmittelbar als Flüchtling aus Böhmen nach Preußen. Sein Weg führte ihn vielmehr quer durch Mitteleuropa: von Prag über Dresden, Wien, Hermannstadt und Breslau bis nach Warschau, Neuruppin und Rheinsberg.
Durch die Vermittlung von Johann Joachim Quantz erhielt er die Gelegenheit, dem preußischen Kronprinzen Friedrich vorzuspielen. Dieser engagierte ihn daraufhin sofort für seine Hofkapelle in Rheinsberg.
Benda blieb zeitlebens in der Gunst seines Dienstherrn, des späteren Königs Friedrich II. Auf dessen Veranlassung zog auch Bendas Familie nach Potsdam. Zwei seiner Brüder – Joseph und Johann – wurden ebenfalls Mitglieder der königlichen Kapelle. Sein Bruder Georg machte sich später als Hofkapellmeister in Gotha einen Namen, insbesondere durch seine Melodramen. Der Vater Johann Georg und Bruder Viktor betrieben in Nowawes eine Leineweberei.
> Weitere Lebensdaten werden demnächst auch im PotsdamWiki-Beitrag zu Franz Benda ergänzt und veröffentlicht.

Franz Benda“, Portraitstich 1756  

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

Über Bendas bewegtes Leben sind wir gut informiert, da er seine Lebensgeschichte selbst niederschrieb (datiert auf 1763). Diese Autobiografie wurde erstmals 1856 in der „Neuen Berliner Musikzeitung“ veröffentlicht und erschien 1967 erneut in der bis heute maßgeblichen Biografie von Franz Lorenz: „Franz Benda und seine Nachkommen“.
Das Originalmanuskript ist erhalten geblieben: Ein Nachfahre, Hans von Benda, übergab es dem Staatlichen Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Inzwischen ist es auch online einsehbar.
Bereits zu Bendas Lebzeiten fanden Teile seiner Selbstbiografie Verbreitung. Der Musikschriftsteller Johann Adam Hiller nutzte sie für seine 1766 erschienene ausführliche Lebensbeschreibung in den „Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend“.

Wirkung und Nachleben

Mit Franz Benda begann die erfolgreiche Musikertradition der Familie Benda in Berlin und Preußen, die über mehrere Generationen hinweg fortbestand.
Im 19. Jahrhundert waren Angehörige der Familie Benda in verschiedenen Berufen tätig; ein Familienzweig wurde später geadelt.

Deutsches Kulturforum östliches Europa in Potsdam

Dr. Klaus Harer studierte Slawistik und Musikwissenschaft in Marburg und war nach seiner Promotion bis zum Jahr 2000 in der Lehre tätig. Seit der Gründung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Jahr 2000 arbeitet er dort als Referent für Musik und Osteuropa.
Gern nehmen wir die Einladung an, dass sich interessierte Mitglieder bei einer gesonderten Veranstaltung über die Arbeit vor Ort in der Berliner Straße informieren können.

> Veranstaltungstermine, Podcasts sowie Publikationen des hauseigenen Verlags sind auf der Website des Kulturforums zu finden.

 

Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt

Bernd Rubelt spricht über Potsdam im Wandel

Zum Abschluss unseres Jahresthemas 2025 sprach Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, am 10. Oktober in der Wissenschaftsetage über „bewahren – erneuern – entwickeln: Potsdams Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten“.

Chancen der Stadtentwicklung

Zu Beginn präsentierte Rubelt eine Karte zur Bevölkerungsentwicklung wachsender Metropolen (2021–2045) und zeigte damit die Dynamik, die Potsdam in den kommenden Jahren erwartet. Die Stadt punktet mit ihren natürlichen Gegebenheiten, gewachsenen Strukturen und einer hohen Lebensqualität. Besonders eindrucksvoll war eine Netzwerk-Grafik, die 134 Bildungs- und Wissenschaftsstandorte in Berlin und Brandenburg miteinander verband.

Wissenschaft in der Metropolregion

Potsdam verfügt bereits über drei bedeutende Wissenschafts- und Innovationscluster:

  • Life Sciences & Bio Tech auf dem Campus Golm
  • Medien, IT, Film und KI in Babelsberg, Griebnitzsee und Jungfernsee
  • Klima- und Erdwissenschaften auf dem Telegrafenberg

In den kommenden Jahren entstehen weitere Leuchttürme: Die Hasso-Plattner-Stiftung entwickelt den Campus Griebnitzsee zu einem europaweit führenden Standort für digitale Wissenschaften. Gleichzeitig entsteht am Brauhausberg ein neuer Universitätsstandort – unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude.

„Potsdam hat das Potential, zu einem globalen Ort der Innovation zu werden, an dem Visionen für die Zukunft Wirklichkeit werden.“  Hasso Plattner

Entwicklung folgt der Infrastruktur

Rubelt betonte, dass erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung nur gelingen kann, wenn Verkehrsplanung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und öffentliche Räume als Einheit gedacht werden. Dazu gehören ebenfalls Analysen und Maßnahmen zu:

  • Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums
  • Weiterentwicklung der Innenstadt
  • Zukunft der Plattenbauquartiere
  • Reduzierung der Versiegelung
  • Erhalt von Grünvolumen
  • Anpassung an den Klimawandel

Jahresthema 2025 Stadtentwicklung

Die Mitglieder des Kulturstadtvereins setzten sich 2025 mit der Stadtentwickung Potsdams auseinander. Unsere Partner dabei waren Kirchenhistoriker Andreas Kitschke, der ehemalige Oberbürgermeister Jann Jakobs, die Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam Sigrun Rabbe, der Vorsitzende des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V. Willo Göpel, der Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren Carsten Hagenau, Stadtführer Robert Leichsenring, der Grafiker und Autor Olaf Tiede sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, Bernd Rubelt. Allen ein herzliches Dankeschön spannende Vorträge und erhellende Erkenntnisse.

Innenstadtspaziergang mit Sigrun Rabbe

In unserem Veranstaltungszyklus „Die Stadtentwicklung der Potsdamer Mitte“ führte uns Sigrun Rabbe am 16. September über den Alten Markt, die Uferpromenade der Alten Fahrt und den Steubenplatz mit der Ringerkolonnade.

Sie ist Geschäftsführerin des Sanierungsträgers Potsdam und als solche für die Entwicklung der Quartiere rund um den Alten Markt zuständig. Aufgabe des Sanierungsträgers ist über die städtebauliche Entwicklung hinaus die Planung und Umsetzung von Straßen, Plätzen, Grünflächen und Promenaden mit hoher Gestalt- und Aufenthaltsqualität.

Der Sanierungsträger verantwortet dabei den Fördermitteleinsatz aus der Städtebauförderung. Seit über 25 Jahren ist der Alte Markt dabei ein Schwerpunkt. Sigrun Rabbe erklärte uns die Stadt aus Planerperspektive. Sie erzählte vom Straßenpflaster und Verlegemustern der Steine, dem Regelwerk des Pflasterleitfadens und die Herausforderungen der Höhenentwicklung zurück auf das historische Niveau. Immer wieder mit ironischem Unterton, wenn sie die eigene Fachsprache zitiert: Zum Beispiel, dass die Abgrenzung des Havelufers kein Geländer braucht, wenn sich dort ein „Bootsanleger für muskelbetriebene Wasserfahrzeuge“ befindet.

Sigrun Rabbe sprach über die Planung für die Blockbebauung an der Bibliothek, das komplizierte Vergabeverfahren für die Grundstücke und Unwägsamkeiten – Munitionsfunde, Bodenarchäologie und den schwierigen Baugrund- in der Innenstadt. So stand der inzwischen abgerissene „Staudenhof“ auf 959 massiven Betonpfeilern, die in der Baugenehmigung nicht verzeichnet waren. Sie werden drinbleiben und müssen bei der Fundamentierung des Neubaus berücksichtigt werden.

Am letzten Punkt des Rundgangs noch ein Fachwort: Die Ringerkolonnade, ein Denkmal, wurde translosziert, nämlich vom Neptunbassin an den geplanten Steubenplatz. Vielleicht wird bald auch Steuben translosziert.

Seit 1996 arbeitet Sigrun Rabbe in und für Potsdam, betreute die Entwicklung des Bornstedter Feldes sowie die Sanierung des Holländischen Viertels und der 2. Barocken Stadterweiterung. Es ist seit fast 30 Jahren ihre Arbeit, eine Arbeit die auch Herzenssache für sie ist. Das finden die Kulturstadt-Mitglieder ganz großartig, wie unsere Vereinsvorsitzende Fides Mahrla unterstrich.

Bolko Bouché

Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V.

Potsdamer Stadtschloß: Verein sammelt für Fassadenschmuck

Beim Kulturstadt-Stammtisch am 3. September 2025 berichtete Willo Göpel, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloß e.V., über das Engagement seines Vereins. Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion des historischen Fassadenschmucks am Landtagsneubau. Dabei geht es überwiegend um Neuanfertigungen.

Der Verein hatte sich bereits für die Wiedererrichtung des Fortunaportals (1999/2002) und den Bau des brandenburgischen Landtags im rekonstrukierten Stadtschloß (2003/2005) eingesetzt. Aktuell arbeiten die rund 200 Mitglieder daran, den Skulpturenschmuck des Schlosses zu vervollständigen. Der Bau soll wieder mit insgesamt 118 Sandsteinfiguren verziert werden. Sie werden anhand von Fragmenten oder Fotografien neu modelliert und in Sandstein gehauen.

Als Vereinsvorsitzender ist Willo Göpel der wichtigste Spendensammler seines Vereins. Rund 70.000 Euro kostet die Herstellung einer einzigen Figur. Etwa ein Drittel der Figuren steht bereits an seinem Platz, und  jedes Jahr sammelt der Verein Spenden für ein bis zwei weitere. Göpel betonte, dass die detaillierte Kenntnis der Figuren Teil seiner Spendenstrategie sei: Sponsoren sollen für eine konkrete Skulptur begeistert werden. „Man muss einen Sponsor über das Motiv gewinnen. Aber nur jede zehnte Idee funktioniert“, erklärte er.

Zu den Arbeiten gehört auch die Rekonstruktion der Putten an der Fahnentreppe. Auf historischen Abbildungen sind sie ohne Instrumente dargestellt, doch Göpel verweist auf Fingerhaltungen, die auf Musikinstrumente schließen lassen. Vermutlich hielten die Figuren ursprünglich hölzerne Instrumente, die im Laufe der Zeit verloren gingen.

Ein nächster Schritt ist für den 16. September um 11:00 Uhr geplant: Dann sollen die Figuren Atalante und Hippomenes im Schlosshof aufgestellt werden – sichtbar vom Alten Markt in der Achse der Anna-Flügge-Straße.

„Die drei Musketiere“ im Heckentheater

Sommer in Potsdam – das heißt auch: Sommertheater mit dem Poetenpack!

In diesem Jahr wurde gefochten, geflirtet und geflunkert – mit breitkrempigen Hüten, bunten Federn und wehenden Hemdsärmeln im rasanten Fechtgetümmel. Regisseurin Sonja Wassermann bleibt der berühmten Vorlage von Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ in ihren Grundzügen treu, bringt sie aber mit feinem Gespür ins Hier und Heute.
Die Geschichte spielt im vorrevolutionären Frankreich und bietet alles, was ein unterhaltsamer Theaterabend braucht: Spannung, klar gezeichnete Charaktere, temporeiche Kampfszenen und viel Sprachwitz. Das Ergebnis: ein spritziges Bühnenspektakel – überraschend, temporeich und höchst amüsant.

Hauen, Stechen und Lachtränen im Heckentheater

Der schüchterne d’Artagnan will raus aus dem Dorf – und rein ins Abenteuer. Er träumt von einer Karriere als Innenrevisor bei der „Königswusterhausener“, doch die Eltern würden ihm lieber ein Haus neben dem eigenen bauen. Papa rät ihm schließlich: auf nach Paris, Muskatnuss soll er werden!
Gleich zu Beginn fällt die Dramaturgin der Sense von Mutter Natur zum Opfer – was dazu führt, dass die Darsteller nun selbst den Erzählfaden weiterspinnen müssen. Und das tun sie mit Bravour: Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen in rasantem Rollenwechsel mehr als 20 Figuren – mit Witz, Tempo und sichtlicher Freude am Spiel.
Das Publikum folgt begeistert. Es wird gelacht, getuschelt („Herrlich!“), und wenn ein Duell plötzlich zum Duett wird, ist niemand überrascht. Wenn Athos über „immer noch 19 Prozent“ auf dem Kneipenbon klagt oder König Louis XIII. meint, Demokratie sei „furchtbar langweilig“, blitzt herrlicher Zeitgeist-Humor auf.
Die Charaktere sind bewusst überzeichnet, mit viel Ironie und einem charmanten Augenzwinkern gespielt. Kein Moment ist vorhersehbar – selbst wenn man den Stoff kennt. Und sollte einmal ein Haiangriff in der Straße von Dover drohen, wird dieser elegant pantomimisch gelöst.
Das Publikum bedankt sich mit begeistertem Applaus und Standing Ovations – und das vollkommen zu Recht.

The same procedure as every year

Seit unserem ersten Besuch beim Poetenpack im Jahr 2006 – damals noch auf dem Q-Hof in der Lennéstraße – gehört das traditionelle Vorgespräch fest zum Ritual. In diesem Jahr stimmten Dramaturg Willi Händler und Schauspieler Nikolai Arnold die Mitglieder auf die Neuinszenierung ein – informativ, humorvoll und kurzweilig.
„Einer für alle – alle für einen!“ ist ein Klassiker des Mantel-und-Degen-Genres mit über 20 Rollen, die hier im fliegenden Kostümwechsel von nur sieben Darstellern gespielt werden. Neu in diesem Jahr: Die Fechtszenen wurden erstmals unter Anleitung eines professionellen Kampfchoreografen einstudiert.
Das Poetenpack bespielt regelmäßig Bühnen in Potsdam (Zimmerstraße & Heckentheater) sowie in Magdeburg. Umso mehr freut sich das Ensemble über wachsende Unterstützung aus dem Freundeskreis. Wer mehr über Fördermöglichkeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen [hier].

Potsdam, am 2. August 2025