Der malende Bildhauer Christopher Lehmpfuhl

Es ist eine gute Tradition, dass unser Vereinsmitglied Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins für das Potsdam Museum, unsere Mitglieder zu Führungen durch besondere Ausstellungen des Museums einlädt.

Aktuell ist dort die Sonderausstellung „Christopher Lehmpfuhl – ALTER MARKT POTSDAM“ zu sehen. Sie wurde parallel zur Ausstellung „Platz_für Neues? Visionen für den Alten Markt 1945–2025“ konzipiert.

Ein Künstler im Wandel der Stadt

Dass die Wahl auf Christopher Lehmpfuhl fiel, war kein Zufall. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Berliner Künstler mit der Veränderung von Stadtbildern. Sein bislang größtes und längstes Projekt widmete er dem Berliner Schlossplatz. In über 140 Werken dokumentierte er den Abriss des Palastes der Republik und die Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses zum Humboldt Forum.

Lehmpfuhl interessieren Orte im Umbruch: Gebäude verschwinden, Baugruben entstehen, neue Architekturen verändern die Stadt und eröffnen andere Blickachsen und Sichtbeziehungen.

Auf Vermittlung der KORNFELD Galerie Berlin kam es im Sommer 2024 zu einem ersten Treffen im Potsdam Museum. Von der Idee, sich künstlerisch mit dem Alten Markt auseinanderzusetzen, ließ sich Christopher Lehmpfuhl schnell überzeugen.

Malen mit den Händen

„Ich bin in erster Linie ein malender Bildhauer“, beschreibt Lehmpfuhl seine besondere Arbeitsweise. Statt mit Pinseln trägt er die Ölfarbe mit den Händen direkt auf die Leinwand auf. So entstehen Bilder mit einer faszinierenden Dreidimensionalität. Die üppigen Farbschichten haben allerdings auch praktische Folgen: Die Werke sind schwer und benötigen mehrere Monate, bis sie ausreichend getrocknet sind und transportiert sowie ausgestellt werden können.

Als Pleinair-Künstler arbeitet Lehmpfuhl unmittelbar vor seinem Motiv. Er trägt Leinwände und Farben nach draußen und malt dort, umgeben von Geräuschen und Gerüchen, bei Sonne, Wind, Kälte, Regen und Schnee. Die unmittelbare Begegnung mit dem Ort und seinen wechselnden Bedingungen prägt seine Werke.

Der Alte Markt im Mittelpunkt

Von März 2025 bis Februar 2026 widmete sich Christopher Lehmpfuhl auf Einladung des Fördervereins dem Alten Markt in Potsdam. Damit nahm er einen zentralen Platz im Herzen der Stadt in den Blick, dessen Erscheinungsbild sich in den vergangenen 80 Jahren immer wieder grundlegend verändert hat.

Aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Jahreszeiten hielt der Künstler den Alten Markt in seinen Werken fest. Als Pleinair-Künstler arbeitet er unmittelbar vor seinem Motiv und trägt Leinwände und Farben nach draußen. Dabei malt er mit den Händen und lässt sich von den wechselnden Licht- und Wetterverhältnissen ebenso beeinflussen wie von den Geräuschen und Gerüchen seiner Umgebung. Für ein Bild benötigt er oft nur zwei bis drei Stunden.

Während sieben Malaktionen entstand ein Werkzyklus aus mehr als 30 Arbeiten: großformatige Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken und hinterleuchtete Glasbilder. Die Sonderausstellung macht diese vielfältige künstlerische Auseinandersetzung mit dem Alten Markt nun erlebbar.

Kunst und Entstehungsprozess erleben

Die Besucher können nicht nur die fertigen Werke betrachten, sondern auch deren Entstehung nachvollziehen. Filme, Fotografien und Originalobjekte aus Lehmpfuhls Freilichtatelier geben Einblicke in seine Arbeitsweise und lassen den kreativen Prozess unmittelbar erfahrbar werden.

Einen Eindruck von den besonderen Herausforderungen seiner Malerei vermittelt ein Film von Michael Weitz über den schwierigen Weg zum Bild. Er zeigt eine Malaktion an der St.-Nikolai-Kirche:

Zu den Filmen und zur Ausstellungsvorschau auf wirtragen.org

Wir danken Markus Wicke herzlich für die kenntnisreiche Führung und die zahlreichen Informationen und Anekdoten über den Künstler Christopher Lehmpfuhl und seine Schaffensphase in Potsdam. Es war ein kurzweiliger und spannender Einblick in eine außergewöhnliche künstlerische Arbeitsweise und die Umsetzung großartig komponierter Platzansichten.

Die Sonderausstellung wurde bis zum 3. Januar 2027 verlängert.