Große Inselrundfahrt um Potsdam

Die Schönheit der Flusslandschaft mit ihren Havelseen und den malerisch gelegenen Ortschaften der Potsdamer Kulturlandschaft erschließt sich dem Betrachter in der langsamen Bewegung – zum Beispiel per Schiff oder Rad. Schon der Große Kurfürst (1640-1688) unternahm von Potsdam aus mit seiner Yacht Touren über die Havel. Sein Statthalter Moritz von Nassau-Siegen kommentierte 1664 einen Planungsentwurf für die Insel Potsdam „Das gantze Eyland muß ein Paradies werden…“

Heute kann sich jeder bei der „Großen Inselrundfahrt“ davon überzeugen. Täglich startet ein Schiff der Potsdamer Schifffahrtgesellschaft im Hafen. Am 18. Juni waren 14 Vereinsmitglieder unter den Passagieren und genossen die ruhige Fahrt mit der MS Belvedere auf der Havel. Wir passierten die Insel Hermannswerder, die Ortschaft Caputh, den Fischer- und Weinort Werder, den Sacrow-Paretzer-Kanal im Norden von Potsdam, den Fahrländer- und Jungfernsee, den Tiefen See und die Neue Fahrt bis zur Hafeneinfahrt an der Langen Brücke.

Unterwegs erklärte der Kapitän die Sehenswürdigkeiten um Ufer der Havel. Darunter die Schlösser und Herrenhäuser der Hohenzollern, wie Schloss Caputh, der Neue Garten mit Schloss Cecilienhof und Marmorpalais, der Park Glienicke mit dem von Schinkel errichteten Casino und das Babelsberger Schloss. Aber auch viele weitere Sehenswürdigkeiten backbord und steuerbord wurden erklärt und aktuelle Bezüge nicht ausgespart. Nach vier Stunden mit ruhigem Gleiten auf der Havel konnten wir entspannt und trockenen Fußes den Heimweg antreten. Das Wetter war perfekt: warm und meist bewölkt.

Fahrradtour zur Kirscheninsel Töplitz

Auf ging’s am 10. Juni zur Fahrradtour durch die Potsdamer Kulturlandschaft zur Kirscheninsel Töplitz – die erste Vereinsaktivität nach der Corona-Zwangspause – unter Leitung von Vorstandsmitglied Dagmar Christl. Kontaktfreier Sport unter freiem Himmel ist erlaubt, ein Hygienekonzept nicht erforderlich.

Wir radelten durch die Lennésche Feldflur entlang an wunderschönen Mohnblumenfeldern bis Grube. Dort passierten wir die Wublitzbrücke und kamen durch Leest, nicht ohne einen Abstecher zum Storchennest. Von dort aus ging es weiter über die Felder bis zum Klosterweinberg. Den Weinberg durften wir leider wegen der Pandemievorschriften dieses Mal nicht erklimmen. So nutzten wir die Badestelle am Kleinen Zernsee zum Picknick.

Nach einer Erholungspause ging es auf dem Rückweg durch Leest, wo wir frisch gepflückte Kirschen im Straßenverkauf kaufen konnten, durch die Leester Heide, über die kleine Wublitzbrücke. Diese ist im Jahr 1999 ausschließlich für Radfahrer und Wanderer gebaut worden und stellt die Verbindung mit der Insel Töplitz her. Die Insel wurde während der Kolonisation im 17. und 18. Jahrhundert von Schweizer und süddeutschen Kolonisten besiedelt. Die Alt Töplitzer Kolonisten betrieben Seidenraupenzüchtungen auf Maulbeerbäumen und sponnen Seide. In Neu Töplitz gab es eine Schäferei, Weinbau und Tabakanbau.

Der Weg führte uns durch das Golmer Luch mit unüberhöhrbarem Froschquaken, durch Golm und entlang der Lindenallee. Die ca. 30 km lange Tour endete am Neuen Palais.

Fotoaktion #WelterbeVerbindet

Die Deutsche UNESCO-Kommission startete zum Welterbetag am 7. Juni 2020 einen Aufruf: „Werden Sie Teil des UNESCO-Welterbetags. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir eine bunte Bilderlandschaft rund um das Welterbe entstehen lassen und so die verbindende Kraft des Menschheitserbes darstellen! Gesucht werden Fotos von Bürgern und Gästen an und in „ihren“ Welterbestätten. Machen Sie mit!“

Unter dem Motto „Welterbe verbindet“ feiern wir den UNESCO-Welterbetag – erstmals digital! Viele der 46 Welterbestätten in Deutschland beteiligen sich. Erkunden, erfahren und experimentieren Sie mit!

Bis zum 15. Juni 2020 können Sie hier Ihr Foto – mit Ihnen an Ihrem Lieblingsplatz im Potsdamer Weltkulturerbe – hochladen
Gern nehmen wir weitere Aufnahmen in unsere Reihe auf. Schicken Sie uns Ihr Motiv per E-Mail.

 

Beiträge von Mitgliedern und Freunden des Kulturstadt Potsdam e.V.

Entfesselter Egoismus

Der Neue Garten ist zu einem Ort für ungebremste Freizeitaktivitäten geworden. Es werden leider immer mehr Menschen, die Regularien des Zusammenlebens missachten, Kulturgüter von Weltrang zerstören und gärtnerische Arbeit zunichte machen. Sie zertreten sensible Uferzonen – Brutstätten und Vegetationsgürtel für Fauna und Flora. Die Mehrheit der Potsdamer ist sich einig, dass Natur und Umwelt – vor allem in unseren Parks – nachhaltig geschützt werden müssen. Auf jeden Fall gilt das für die über 40 Vereine mit 2.400 Mitgliedern in unserer Stadt, die sich als KULTURERBEN um eines der vielen Baudenkmale in Potsdam kümmern. Viele andere setzen sich für den Erhalt der Umwelt ein.

Wir wollen, dass ein umsichtiger maßvoller Genuss Verhaltenskodex für alle ist. Schluss mit dem entfesselten Egoismus von Teilen der Gesellschaft. Es ist Aufgabe der Schlösserstiftung, ihre eigene Parkordnung durchzusetzen. Sie hat dafür unseren Rückhalt.

Gutscheine fürs Thalia

Lange Zeit hat das Thalia-Kino in Babelsberg kostenfrei die Werbefilme der Kulturerben-Vereine gezeigt und damit ehrenamtliches Engagement in unserer Stadt unterstützt. Unser Kulturstadtverein ist ebenfalls Partner der Kulturerben. Wir unterstützen in diesem Jahr die über 40 Vereine mit 2400 Mitgliedern bei der Öffentlichkeitsarbeit. Leider müssen sehr viele Veranstaltungen in diesem Jahr ausfallen. Wir hoffen, dass die Zeit der Beschränkungen bald vorbei ist und wir uns dann gesund wiedersehen, vielleicht sogar im Thalia.

Wenn Sie jetzt Gutscheine fürs Thalia kaufen, tragen Sie dazu bei, dass Potsdams einziges Programmkino nach der Corona-Krise wieder für uns da ist.

Hier gibt es die Tickets:

Potsdämliche Weiberfastnacht

Auch in diesem Jahr sorgte der Kulturstadt e.V. wieder ein bisschen Karnevals-Feeling in Potsdam. 16 Närrinen und Narren-Muffleusen von der Potsdämlichen Weiberfastnacht.

Im Galerie-Café Matschke wurden die Damen mit Spezialitäten wie Pelmeni, Borschtsch, Quiche, Blutwurstecken und Steckrübensuppe hervorragend versorgt.

Übrigens: Am 6. März wird dort um 19.30 Uhr die Ausstellung „Die Dinge des Lebens“ – Bilder von Sabine Raetsch eröffnet.

 

Neujahrsempfang im Civil-Waisenhaus

Der Neujahrsempfang des Kulturstadtvereins fand am 11. Januar im Civil-Waisenhaus in der Berliner Straße 148 statt. An dem geschichtsträchtigen Ort sprach Gerhard Petzholtz, der der Urururenkel von Wilhelm von Türk (1774-1846) ist, über seinen berühmten Vorfahren. Gerhard Petzholtz stellte die Orte des Wirkens von Türk und seiner Stiftung in Potsdam vor: Türkshof mit einer großen Maulbeerplantage am Griebnitzsee, das Jagdschloss Glienicke und die Waisen-Versorgungs-Anstalt in Klein-Glienicke. Das Civil-Waisenhaus, in dem wir zu Gast waren, wurde 1862 von der Wilhelm-von-Türk-Stiftung erbaut und ist heute Sitz des Landesausschuss‘ für Innere Mission (LAFIM).

Vereinsvorsitzende Fides Mahrla führte durch die Veranstaltung und berichtete über die Vorhaben des Vereins 2020, darunter die Auslobung eines Nachwuchspreises an der Städtischen Musikschule. Größtes Spendenprojekt des Vereins 2019 war die Restaurierung des Gemäldes „Uferlandschaft“ (Schilfufer) 1900, Öl auf Leinwand, von Karl Hagemeister, das vom 8. Februar bis 5. Juli 2020 in seiner großen Werkschau im Potsdam Museum zu sehen ist.

Über das Engagement des Kulturstadt Potsdam e.V. im Projekt „Kulturerben“ berichtete der stellvertetende Vereinvorsitzende Matthias Finken. Die Kulturerben sind 40 Trägervereine, die für den Erhalt denkmalgeschützter Bau- und Gartendenkmale in Potsdam sorgen. Das gemeinsame Projekt dient der Information sowie der Wertschätzung der Leistungen der Kulturerben durch die Öffentlichkeit. Veranstaltungen 2020 sind der Tag des Offenen Denkmals sowie das Kulturerbenfest. Dabei und bei der Öffentlichkeitsarbeit wird der Kulturstadt Potsdam e.V. – mit Matthias Finken und einem Projektteam – koordinieren bzw. unterstützen.

Die Vereinsvorsitzende bedankte sich bei Stefanie Bünting vom LAFIM mit einem Scheck über 250 Euro für die Gastfreundschaft. Die LAFIM wird die Spende für ihr Projekt „Sauberes Trinkwasser für Äthiopien“ einsetzen.

Nach dem offiziellen Teil gingen die Vereinsmitglieder in den Lichthof, wandelten den Kreuzgang entlang und plauderten miteinander bei einem Glas Sekt. Unser Verein wählt für seine Empfänge gern Orte, die ansonsten nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Das ehemalige Civil-Waisenhaus ist heute ein reiner Verwaltungssitz.

Classics in Jazzafrica im Palais Lichtenau

Am 10. Januar erlebten rund 90 Mitglieder und Gäste im Palais Lichtenau ein begeisterndes Klavierkonzert mit Adolf Thelen aus Südafrika. Das Konzert kam auf Vermittlung unseres Mitglieds, Prof. Bernd Rosenkranz, zustande, der selbst viele Jahre in Südafrika gearbeitet und gelebt hat.

Das musikalische Abenteuer improvisierter Musik zwischen Barock, Jazz und Afrika zog die Zuhörer in den Bann. Es war ein Abend der Inspirationen und kraftvoller Klänge. Unglaublich, was für eine Klangfülle ein Pianist aus einem Flügel hervorholen kann. Adolf Thelen fusionierte Kompositionen Johann Sebastian Bachs mit Werken von Duke Ellington, George Gershwin und anderen Meistern sowie mit muslimischen Klängen vom „Kramat“.

Adolf Thelen arbeitet als freiberuflicher Musiker, Arrangeur, Musikerzieher und Kirchenmusiker seit mehr als 25 Jahren in Afrika und lebt seit 1997 in Kapstadt. Er war auch im Namibian National Symphony Orchestra und dem Cape Philharmonic Orchestra tätig. Das Konzert sei „der Höhepunkt seiner Deutschlandreise“ gewesen, resümierte Thelen, der nur drei Tage Zwischenstation in Potsdam machte.

Classics in Jazzafrica begeisterte alle. Großen Dank an den Pianisten Adolf Thelen, der nach zahlreichen Zugaben glückliche Menschen in den Abend entließ. Dank an Bernd Rosenkranz und Familie für die Idee und den Wein sowie an den Hausherren Prof. Axel Fischer, der uns mit dem Palais Lichtenau einen großartigen Konzertsaal zur Verfügung stellte.

IM DIALOG | Die SPSG im Gespräch mit Zielgruppen und Akteuren in den Gärten, v.l.n.r. Peer Straube (Potsdamer Neueste Nachrichten), Lars Schmäh (Stadtverwaltung Potsdam), Christina Kortz (Studierendenzeitung SpeakUp), Katrin Neumann (Moderation), Reiner Walleser (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg), Fides Mahrla (Kulturstadt Potsdam e.V.), Dirk Häusser (Mosaikwerkstätten), Sven Hannemann (SPSG, Fachbereichsleiter Park Sanssouci, Parkrevier I) © SPSG, Foto: Verena Mühlegger
© SPSG, Foto: Verena Mühlegger

Historische Gärten in Potsdam nachhaltig schützen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) startete mit einer Auftaktveranstaltung am 6. November 2019 das Forschungsprojekt „Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur – Natur – Verantwortung“.

Historische Gärten standen und stehen für Tradition und Fortschritt in der Kulturgeschichte der Menschheit. Sie zeugen vom Wandel des Naturverständnisses, bilden Gesellschaftsmodelle ab, sind Orte der Bildung und der Erholung. Seit Jahrzehnten wird neben der Erholungs- und Bildungsfunktion die ökologische und ökonomische Relevanz des Kulturdenkmals Garten geachtet. Doch mit den Nutzungsbedürfnissen des 21. Jahrhunderts hat sich auch das Nutzungsverhalten deutlich verändert. Dies ist nicht nur in den Gärten der SPSG, sondern auch deutschland- und europaweit in historischen Parkanlagen zu beobachten. Damit erhöhen sich die Anforderungen an den Schutz und die Bewahrung dieses Kulturguts.

Wie kann die Wahrnehmung der historischen Gärten als wertvolle Orte der engen Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Natur, Erholung und Bildung, Ökonomie und kultureller Identifikation geschärft werden? Wie kann die Gesellschaft mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe der historischen Gärten übernehmen – und was können die historischen Gärten der Gesellschaft zurückgeben? Welche Möglichkeiten und Impulse für künftiger Erholungs-, Nutzungs- und Bildungspotentiale sind denkbar?

Beim Auftaktkolloquium am 6. November 2019 wurden diese Fragestellungen im Sinne einer Bestandsaufnahme aus der Sicht von Wissenschaft, Politik und Verwaltung mit Nutzern und Bürgern diskutiert. Aus den Erkenntnissen und Denkanstößen dieses Kolloquiums sollen Möglichkeiten einer sensiblen Nutzung und Vermittlung im Sinne eines respektvollen und angemessenen Umgangs mit dem Kulturgut Garten erarbeitet werden. Darüber hinaus sollen gemeinschaftlich erste Ideen und Impulse für neue Formen und Formate der Aneignung entwickelt werden, die ein neues Nachdenken über den sorgsamen Umgang mit der gestalteten Natur befördern können.

 

© SPSG, Foto: Verena Mühlegger

Während der Auftaktveranstaltung am 6. November 2019 des DBU-Forschungsprojekts „Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur – Natur – Verantwortung“ führte die SPSG einen offenen Dialog mit Zielgruppen und Akteuren in den Gärten, v.l.n.r. Peer Straube (Potsdamer Neueste Nachrichten), Lars Schmäh (Stadtverwaltung Potsdam), Christina Kortz (Studierendenzeitung SpeakUp), Katrin Neumann (Moderation), Reiner Walleser (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg), Fides Mahrla (Kulturstadt Potsdam e.V.), Dirk Häusser (Mosaikwerkstätten), Sven Hannemann (SPSG, Fachbereichsleiter Park Sanssouci, Parkrevier I).

Statement von Fides Mahrla, Vorsitzende Kulturstadt Potsdam e.V.

Für den Kulturstadt Potsdam e.V. ist das Welterbe nicht verhandelbar. Unstrittiger Konsens unter den Mitgliedern sind die Einhaltung der Parkordnung und die konsequente Sanktionierung von Verstößen dagegen. Wir wünschen uns die vorbehaltlose Unterstützung der Stadt für den Erhalt der Historischen Gärten und sind gegen eine weitere Übernutzung der Anlagen durch Freizeitaktivitäten.
Für die Finanzierung des Pflegeaufwands schlagen wir einen Parkeintritt über Tages- und Jahrestickets vor. Damit verbinden wir das Ziel, dass der Aufenthalt in einem Park wie Sanssouci oder dem Neuen Garten wieder zu etwas Besonderem wird. Frei werdende Mittel sollte die wachsende Stadt Potsdam in die Entwicklung ihrer eigenen Freiflächen stecken – zum Beispiel in eine Badestelle am Luftschiffhafen.

 

 

10. Oktober – Quartierserkundung bei den „Nudeltoppern“

In unserer Reihe Quartierserkundung lernen wir Potsdamer kennen, die schon seit Jahrzehnten in ihrem Wohnviertel leben – manche sogar seit Generationen. Sie erzählen ganz private Geschichten. Dieses Mal ging es nach Babelsberg in das Quartier der „Nudeltopper“.

Die gebürtigen Babelsberger Ursula Zander und Thomas Dippe klärten auf, was es damit auf sich hat. Thomas Dippe wusste zu berichten, dass es sich bei den Nudeltoppern eigentlich um Kartoffeltöpfe handelte. Und in einer alten Zeitung stand, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Weberfrauen ihren Männern den „Nudeltopp“ an den Arbeitsplatz in die Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel brachten. Schon hatten diese ihren Namen weg. Unser Vereinsmitglied Georg Maus – ebenfalls gebürtiger Babelsberger – ergänzte die Anekdoten um den Gruß der Babelsberger „Jehst’n hin“. Übersetzt: „Wo gehst du hin?“ Ebenso wie beim „how do you do“ wurde nicht wirklich eine Antwort erwartet.

Zahlreiche Geschichten aus dem Wirtschafts- und Gesellschaftsleben wurden erzählt. Unsere Gastgeber berichteten vom Wandel, den ihr Quartier in den vergangenen 30 Jahren erlebt hat. Die Eltern von Thomas Dippe hatten einen Eisladen in der Karl-Liebknecht-Straße 123. Der war im Sommer eine Institution und im Winter gab es die leckersten Pferdebuletten von Babelsberg. Heute kämpft Thomas Dippe als Inhaber eines Reisebüros mit den Folgen der Insolvenz von Thomas Cook. Es ist sehr schön geworden in seiner Straße, die grauen Fassaden sind Geschichte, aber von den alten familiengeführten Geschäften in seiner Straße sind nicht mehr viele geblieben.

Seniorchefin Ursula Zander vom legendären „Sportrestaurant Hiemke” in der Karl-Gruhl-Straße (Familienbesitz seit 1896) erzählte von den Gästen in ihrem Restaurant. Durch den Zusammenhalt der Babelsberger und kleine Tauschgeschäfte war der Tisch auch zu DDR-Zeiten stets reichlich gedeckt. Nicht immer waren die Geschichten lustig. Ursula Zander berichtete von Treffen Oppositioneller in ihrem Haus, die von der Stasi beobachtet wurden. „Angst hatten wir aber keine mehr“, sagte Ursula Zander. Die Stasi versuchte sie anzuwerben. Da sich die damals 17-Jährige sofort an einen Rechtsanwalt wandte, blieb der Versuch erfolglos.

Unsere beiden Quartiers-Erklärer fühlten sich übrigens immer als Babelsberger und nicht als Nowaweser oder gar Potsdamer. Das Weberviertel Alt Nowawes wurde 1938 mit Neuendorf und Neubabelsberg zu Babelsberg vereinigt. 1939 erfolgte die Eingemeindung nach Potsdam.

Aber auch nicht alle Babelsberger sind echte Babelsberger, da sind sich Thomas Dippe und Ursula Zander einig. Alles was hinter der Bahnlinie Potsdam-Berlin liegt, gehört nicht dazu. Schon gar nicht die „Monke“, das sind die Kleingärten hinter dem Findling.