„Der Kirschgarten“ im Heckentheater

Unser erstes Vorgespräch mit Andreas Hueck  zum Lustspiel „Leonce und Lena“ von Georg Blücher am 21.07.2006.

Seit 2006 besuchen Mitglieder unseres Vereins regelmäßig die Sommeraufführungen des Poetenpacks. Zum festen Bestandteil gehört dabei eine exklusive Einführung vor Beginn – mit Einblicken in das jeweilige Stück oder in aktuelle Entwicklungen der freien Theater-Company. Was vor rund 20 Jahren in kleiner Runde mit Andreas Hueck auf dem Q-Hof begann, ist inzwischen eine liebgewonnene Tradition. Seither begleiten wir das Poetenpack als treues Publikum und schätzen den besonderen Charme des Heckentheaters im Park Sanssouci.

Anton Tschechow

Am gestrigen Abend führte Willi Händler in das Werk ein. In einem kurzen Überblick zeichnete er das Leben von Anton Tschechow (1860–1904) nach, der aus einer kleinbürgerlichen Familie im südrussischen Taganrog stammte. Ab 1884 war er als Arzt tätig, übte diesen Beruf jedoch überwiegend ehrenamtlich aus. Parallel dazu entstand ein umfangreiches literarisches Werk mit über 600 Veröffentlichungen. Internationale Bekanntheit erlangte Tschechow vor allem als Dramatiker mit Stücken wie „Drei Schwestern“, „Die Möwe“ und „Der Kirschgarten“. Mit seiner zurückhaltenden, wertfreien Darstellung menschlicher Lebenswelten gilt er als einer der bedeutendsten Autoren der russischen Literatur.

Der Kirschgarten – eine Zeitenwende

In der Inszenierung übernimmt Willi Händler die Rolle des alten Dieners Firs, der bereits den Vorfahren der Familie diente und mit dem Wandel der Zeit hadert: „Es wird nur gequatscht.“ Händler beschreibt das Stück als einen „Jetztpunkt“, der sich über zwei bis drei Tage erstreckt. Die bearbeiteten Originaltexte erweisen sich dabei als erstaunlich zeitlos und fügen sich mühelos in unterschiedliche Epochen. Besonders hervorzuheben sind die musikalischen Beiträge von Mirja Henking, die das Geschehen auf der Bühne auf besondere Weise bereichern.

Im Mittelpunkt steht die verwitwete Gutsbesitzerin Ranjewskaja, die nach Jahren im Ausland auf ihr Anwesen zurückkehrt. Durch ein Leben über ihre Verhältnisse ist sie hoch verschuldet und steht vor dem Verlust ihres Besitzes – einschließlich des geliebten Kirschgartens, der für sie mit Erinnerungen an glücklichere Zeiten verbunden ist. Der Kaufmann Lopachin, selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, schlägt vor, den Garten zu parzellieren und Ferienhäuser zu errichten. Doch Ranjewskaja kann sich von der Vergangenheit nicht lösen und verweigert diesen Schritt.

Bei der Uraufführung im Jahr 1904 spiegelte das Stück den Umbruch im zaristischen Russland wider – den Niedergang des Adels und die Unsicherheit über die Zukunft. Tschechow zeichnet diese Zeitenwende mit feinem Humor und großer Sensibilität. Seine Figuren wirken bis heute erstaunlich aktuell: geprägt von Verlustängsten, Sehnsüchten und dem Ringen um Orientierung. Als beständige Größe bleibt allein die Macht des Geldes.

Lang anhaltender Applaus belohnte die Darsteller für einen eindrucksvollen Theaterabend, der – trotz eines kurzen Regenschauers – einmal mehr zu einem besonderen Erlebnis wurde.

Potsdam, am 1. August 2026

 

„Die drei Musketiere“ im Heckentheater

Sommer in Potsdam – das heißt auch: Sommertheater mit dem Poetenpack!

In diesem Jahr wurde gefochten, geflirtet und geflunkert – mit breitkrempigen Hüten, bunten Federn und wehenden Hemdsärmeln im rasanten Fechtgetümmel. Regisseurin Sonja Wassermann bleibt der berühmten Vorlage von Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ in ihren Grundzügen treu, bringt sie aber mit feinem Gespür ins Hier und Heute.
Die Geschichte spielt im vorrevolutionären Frankreich und bietet alles, was ein unterhaltsamer Theaterabend braucht: Spannung, klar gezeichnete Charaktere, temporeiche Kampfszenen und viel Sprachwitz. Das Ergebnis: ein spritziges Bühnenspektakel – überraschend, temporeich und höchst amüsant.

Hauen, Stechen und Lachtränen im Heckentheater

Der schüchterne d’Artagnan will raus aus dem Dorf – und rein ins Abenteuer. Er träumt von einer Karriere als Innenrevisor bei der „Königswusterhausener“, doch die Eltern würden ihm lieber ein Haus neben dem eigenen bauen. Papa rät ihm schließlich: auf nach Paris, Muskatnuss soll er werden!
Gleich zu Beginn fällt die Dramaturgin der Sense von Mutter Natur zum Opfer – was dazu führt, dass die Darsteller nun selbst den Erzählfaden weiterspinnen müssen. Und das tun sie mit Bravour: Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen in rasantem Rollenwechsel mehr als 20 Figuren – mit Witz, Tempo und sichtlicher Freude am Spiel.
Das Publikum folgt begeistert. Es wird gelacht, getuschelt („Herrlich!“), und wenn ein Duell plötzlich zum Duett wird, ist niemand überrascht. Wenn Athos über „immer noch 19 Prozent“ auf dem Kneipenbon klagt oder König Louis XIII. meint, Demokratie sei „furchtbar langweilig“, blitzt herrlicher Zeitgeist-Humor auf.
Die Charaktere sind bewusst überzeichnet, mit viel Ironie und einem charmanten Augenzwinkern gespielt. Kein Moment ist vorhersehbar – selbst wenn man den Stoff kennt. Und sollte einmal ein Haiangriff in der Straße von Dover drohen, wird dieser elegant pantomimisch gelöst.
Das Publikum bedankt sich mit begeistertem Applaus und Standing Ovations – und das vollkommen zu Recht.

The same procedure as every year

Seit unserem ersten Besuch beim Poetenpack im Jahr 2006 – damals noch auf dem Q-Hof in der Lennéstraße – gehört das traditionelle Vorgespräch fest zum Ritual. In diesem Jahr stimmten Dramaturg Willi Händler und Schauspieler Nikolai Arnold die Mitglieder auf die Neuinszenierung ein – informativ, humorvoll und kurzweilig.
„Einer für alle – alle für einen!“ ist ein Klassiker des Mantel-und-Degen-Genres mit über 20 Rollen, die hier im fliegenden Kostümwechsel von nur sieben Darstellern gespielt werden. Neu in diesem Jahr: Die Fechtszenen wurden erstmals unter Anleitung eines professionellen Kampfchoreografen einstudiert.
Das Poetenpack bespielt regelmäßig Bühnen in Potsdam (Zimmerstraße & Heckentheater) sowie in Magdeburg. Umso mehr freut sich das Ensemble über wachsende Unterstützung aus dem Freundeskreis. Wer mehr über Fördermöglichkeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen [hier].

Potsdam, am 2. August 2025

Alles nur Theater – „Der Raub der Sabinerinnen“

Das Poetenpack gibt es jetzt seit 25 Jahren. Das Jubiläum war Anlass, die berühmte Komödie „Der Raub der Sabinerinnen“ über die Truppe des reisenden Theaterdirektors Emanuel Striese ins Programm aufzunehmen. Dieser kann ebenfalls auf 25 ereignisreiche Jahre zurückblicken. Gerade hat er sich für ein Gastspiel im Schützenhaus einer kleinen Stadt irgendwo in der Provinz eingemietet, da lernt er auf einer Promotionstour durch die Stadt den Gymnasialprofessor Gollwitz kennen. Verschämt bekennt dieser sich zu einer „Jugendsünde“. Er habe als Student ein Römerdrama um den Heerführer Titus Tatius mit dem Titel „Der Raub der Sabinerinnen“ geschrieben, ein Stück, das aber bis auf das Dienstmädchen niemand kennengelernt habe.

Emanuel Striese wittert einen großen künstlerischen und natürlich auch geschäftlichen Erfolg. Das Drama soll umgehend auf der Bühne des Schützenhauses uraufgeführt werden. Nur unter der Bedingung, dass er als Autor anonym bleibt, willigt der Professor ein. Doch dann kommt, wie soll es in einer guten Komödie auch anders sein, alles anders als geplant. Mit amüsanten Missverständnissen und allerhand Verwechslungen gilt „Der Raub der Sabinerinnen“ bis heute als bedingungslose Liebeserklärung an das Theater.

The same procedure as every year: Seit unserem ersten Besuch beim Poetenpack im Jahr 2006, damals noch auf dem Q-Hof in der Lennéstraße, werden die Mitglieder im Vorgespräch über aktuelle Entwicklungen und Vorhaben des Poetenpacks informiert. In diesem Jahr standen dafür der Gründer und Künstlerische Leiter des Poetenpacks, Andreas Hueck, und der Dramaturg Willi Händler bereit. In einem kurzweiligen Dialog zogen sie Parallelen vom Jubiläumsstück „Der Raub der Sabinerinnen“ zu ihren Theatererfahrungen, so zum Beispiel zur Besetzung der Männerrollen mit Frauen oder der kurzfristigen Neubesetzung bei Ausfall des Hauptdarstellers. Im Stück betraf das aktuell die Rolle von Professor Martin Gollwitz, die wegen Krankheit mit zwei Schauspielern (Volker Meyer Dabisch und Ralph Sählbrecht) besetzt werden musste. Dramaturg Willi Händler hat die Originalfassung von Franz und Paul von Schönthan bearbeitet und zugespitzt, denn in seinen Augen ist das Stück eher ein Schwank als eine Komödie.
Andreas Hueck verwies im Gespräch auf die wirtschaftlichen Bedingungen eines privaten Theaters, das sich wegen immer geringerer Förderung hauptsächlich durch Gastspiele finanziert. Fester Bestandteil sind die Spielstätten in Potsdam (Zimmerstraße sowie Heckentheater) und Magdeburg. Freuen würde er sich, wenn sich immer mehr private Förderer dem Freundeskreis anschlössen. Weitere Informationen dazu hier.

Nach dem Schlussapplaus brachte das Publikum Gundi-Anna Schick, die die Friederike spielte, ein Geburtstagsständchen.

Potsdam, am 1. August 2024