François Gaspard Adam und das französische Bildhaueratelier Friedrichs II.

Beim Oktober-Vereinstreff setzten wir unser Jahresthema „Internationale Impulse für Potsdam“ fort und begrüßten als Gast Dr. Rita Hofereiter, freischaffende Kunsthistorikerin, die mit ihrem Vortrag „François Gaspard Adam (1710-1761) und das französische Bildhaueratelier Friedrichs II.“ unseren Parcours durch das Skulpturendepot der SPSG abrundete.

1747 etablierte Friedrich II. im ehemaligen kurfürstlichen Lusthaus auf dem Paradeplatz in Berlin ein Hofbildhaueratelier, dessen Leitung er ausschließlich französischen bzw. in Frankreich tätigen Bildhauern übertrug. Wesentliche Aufgabe dieses großzügig finanzierten Ateliers war es, den Bedarf an lebensgroßen Marmorskulpturen für die ab 1744 vor den Toren Potsdams entstehende königliche Sommerresidenz Sanssouci zu decken.
Der Vortrag gab einen Einblick in Werk und Werkstattorganisation François Gaspard Adams, des ersten der drei von Friedrich II. sukzessive nach Berlin verpflichteten Hofbildhauer.

François Gaspard Adam stammt aus einer renommierten Bildhauerdynastie, die sein in Nancy ansässiger Vater Jacob Sigisbert (1670-1747) begründete. Seine beiden älteren Brüder, Lambert Sigisbert (1700-1759) und Nicolas Sébastien (1705-1778) schufen Bildhauerwerke von europäischem Rang, so für König Ludwig XV. die 1740 in Blei gegossene zentrale Gruppe des „Triumphes von Neptun und Amphitrite“ für das Neptun-Becken im Park von Versailles. Auch der Neffe Claude Michel, genannt Clodion (1738-1814), arbeitete im Auftrag der französischen Krone.

Mit ausgewählten Bildern dokumentierte und verglich Rita Hofereiter die Werke des jüngsten der Adam-Brüder, die Friedrich II. für den Marmorsaal von Schloss Sanssouci, die Schlossterrasse sowie das Große Bassin im Schlossparterre in Auftrag gab. Auf dem Weg eines von preußischer Seite geschickt initiierten diplomatischen Geschenketausches waren 1750 fünf Meisterwerke französischer Skulptur als Geschenk Ludwigs XV. nach Sanssouci gelangt, von denen Friedrich II. vier am Großen Bassin aufstellen und in den folgenden Jahren von François Gaspard Adam zu einem imposanten Skulpturenensemble vervollständigen ließ.

Inzwischen sind diese Figuren und Gruppen wie auch die Gruppen von der Schlossterrasse mit ihren Postamenten geschützt im Skulpturendepot der SPSG untergebracht und an ihrem ursprünglichen Standort durch material- und werkgetreue Kopien ersetzt.

Dr. Rita Hofereiter beim Vortrag im Alten Stadtwächter

Die Potsdamerin, Dr. Rita Hofereiter, studierte in Leipzig, Paris und Berlin Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Romanische Philologie. Ihr wissenschaftliches Volontariat absolvierte sie an der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Als freischaffende Kunsthistorikerin war sie seither mehrfach mit Aufträgen der Stiftung betraut. Aktuell bearbeitet sie den Bestandskatalog französischer Skulpturen der Stiftung.