Von der Himmelsscheibe bis zum Wasserstoff – zu Besuch bei Bessy II

Was haben die mehr als 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra und die Energieversorgung der Zukunft gemeinsam? Beide waren Thema bei unserem Besuch bei BESSY II im Helmholtz-Zentrum Berlin in Adlershof.

Ein Ort, an dem Unsichtbares sichtbar wird

25 neugierige Mitglieder des Kulturstadtvereins nutzten die Gelegenheit, einen faszinierenden Ort der Spitzenforschung kennenzulernen. Bei BESSY II – einer riesigen Ringanlage der sogenannten Synchrotron-Strahlungsquelle – wird ein extrem helles Röntgenlicht erzeugt. Damit können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tief in Materialien hineinschauen und Dinge untersuchen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Forschung für die Zukunft

BESSY II ist ein offener Forschungsort, einer von 50 weltweit. Universitäten, Institute und Industrieunternehmen aus der ganzen Welt können hier Zeit für ihre Experimente buchen. So entstehen direkt aus der Grundlagenforschung praktische Lösungen für den Alltag. Kurz gesagt: BESSY II ist ein Motor für Innovationen, von denen wir alle profitieren. Im Mittelpunkt stehen Untersuchungen an Energiematerialien, wie Batterien, Solarzellen und Katalysatoren zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie an Quantenmaterialien. Ziel ist es, Prozesse besser zu verstehen, langfristig effizienter und nachhaltiger zu machen.

Wenn moderne Technik Geschichte erforscht

Besonders beeindruckend ist, dass diese Technik sogar dabei hilft, historische Schätze zu erforschen. Die berühmte Himmelsscheibe von Nebra wurde mit Methoden der modernen Forschung untersucht. So konnten die Wissenschaftler mehr über die Zusammensetzung der Scheibe, ihre Herstellung und ihrer Geschichte entschlüsseln. Ähnlich war es z. B. bei den Rollen von Qumran, dem Goldschatz von Hiddensee oder Dürers Zeichnung „Sitzender Bischof und Mann mit Pelzmütze“. Neben der Analyse von Kunstobjekten und archäologischen Funden werden auch Strukturuntersuchungen von Meteroriten und Proteinen (z.B. dem Coronavirus) vorgenommen.

Faszinierende Technik hautnah

Bei unserem Rundgang durch verwirrende Technik und futuristisch wirkenden Apparaturen wurde deutlich, welche beeindruckende technische Präzision hinter BESSY II steckt. Die riesige technische Anlage ermöglicht Einblicke in eine Welt, die für uns normalerweise unsichtbar bleibt: Messungen mit einer Genauigkeit von bis zu 17 Stellen nach dem Komma. Der Elektronenstrahl, der in der Ringanlage „gesteuert“ wird, ist zehnmal dünner als ein menschliches Haar.

Unser Besuch hat eindrucksvoll gezeigt, dass Forschung nicht nur aus komplizierten Formeln und Laborarbeit besteht. Sie hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen, die Gegenwart zu erklären und Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Respekt vor den vielen Wissenschaftlern, die hier engagiert und mit bewundernswertem Einsatz der Natur ihre Geheimnisse und Funktionsweisen zum Nutzen aller entlocken.

Wir bedanken uns insbesondere bei Dr. Antje Vollmer, der Facility Sprecherin BESSY II und unserem Vereinsmitglied, Prof. Dr. Roel van de Krol, Institutsleiter für Solare Brennstoffe am HZB, herzlich für die interessante Führung und die vielen spannenden Einblicke bei BESSY II. Für unsere Gruppe war es ein außergewöhnlicher Besuch – und eine gute Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen eines bedeutenden Wissenschaftsstandortes in unserer Region zu schauen.